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Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? Kj7b-8-c9f0

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    Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist?

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    Beitrag von Strato Incendus am So Dez 09, 2018 11:46 pm

    Ich weiß nicht, ob die Existenz einer Zauberakademie in einer Fantasywelt noch lediglich ein "Trope" ist oder bereits ein Klischee (=ein Trope, das zu oft benutzt wird). Die zentrale Stellung von Harry Potter im Fantasy-Katalog könnte die Wahrnehmung auch verzerren und den Eindruck erwecken, dass dieses Konzept wesentlich häufiger benutzt würde, als es tatsächlich der Fall ist. Das Gegenstück ist meist der Privatlehrer, der mit seinem Zauberlehrling durch die Lande zieht, oder aber an einem entlegenen Ort wohnt, wo man ungestört üben kann. Denn lernen muss man magische Fertigkeiten durchaus in den meisten Geschichten – Naturtalente oder Leute mit angeborenen Fähigkeiten (vergleichbar etwa mit den Mutanten bei X-Men) sind da schon eher die Ausnahme Wink .

    Etwas weiter gefasst scheint mir das Konzept einer Zauberschule, speziell eines Internats, in der Tat vorbelastet, weil sich da neben Harry Potter selbst auch noch Assoziationen zu anderen Internatsromanen wie Das fliegende Klassenzimmer oder Hanny und Nanny hinzugesellen Very Happy .

    Die Zauberakademie in meiner Welt wollte ich daher mehr als Universität aufziehen Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? 253937370 , und ich habe bisher den Eindruck, dass das in dieser Form bisher noch relativ wenig genutzt wurde.

    Der Hauptunterschied ist also erst einmal, dass die „Schüler“ hier deutlich älter sind: Wenn man bei Harry Potter Hogwarts bereits als fertig ausgebildeter Zauberer verlassen würde, hat man ja an einer Uni noch nicht einmal angefangen, sofern man nicht ein absolutes Springer-Überflieger-Kind ist. Very Happy

    Erwachsene Menschen brauchen auch typischerweise keine Klassenverbände mehr oder „Schulhäuser“, sondern gruppieren sich von allein nach ihren Interessen. Da braucht es keinen sprechenden Hut, der einem sagt, wo man hingehört: Man wählt sich sein Studienfach und seinen Schwerpunkt in diesem ja schließlich auch selbst aus.

    Da meine Geschichte bislang Dungeons and Dragons-basiert ist, liegt die Akademie in Velprintalar, der Hauptstadt des Landes Aglarond im unzugänglichen Osten der vergessenen Reiche (Faerûn). Die Kampagnenwelt gibt vor, dass Velprintalar keine Verteidigungsmauern hat – was ich erst ändern wollte, da es äußerst leichtsinnig scheint in einer mittelalterlichen Welt. Allerdings passte es im Endeffekt perfekt zu meiner Vorstellung von diesem Ort, nämlich der einer super-liberalen Studentenstadt – mit all ihren Vor- und Nachteilen Wink .

    Die Universität nennt sich dem Ort entsprechend Academia Artium Magicarum Velprintalari (=Velprintalars Akademie der magischen Künste). Magie ist also ein Studienfach wie jedes andere auch, eine Naturwissenschaft wie jede andere auch, die sich D&D-typisch in acht Unterdisziplinen gliedert.

    Dabei ist es in Velprintalar üblich, dass man sich in seinem zweiten von insgesamt neun Studienjahren auf eine dieser Disziplinen spezialisiert, wofür man eine andere abwählen muss. Fortan tragen die Studenten nicht mehr die schwarzen, rot gesäumten Roben der Erstsemester, sondern einfarbige Gewänder entsprechend ihrer gewählten Disziplin. So entstehen also durchaus ähnliche „Rivalitäten“ zwischen den Vertretern der acht Magieschulen, wie man sie zwischen den vier Häusern in Hogwarts sieht – aber die Gruppenzugehörigkeit erfolgt eben auf freiwilliger Basis. Wer sich nicht spezialisiert, trägt weiterhin schwarz-rot – muss sich allerdings dann auch damit abfinden, dass er nirgendwo so richtig dazugehört. Überraschung – das ist die Entscheidung einer meiner Protagonistinnen Wink .

    Die acht Disziplinen sind:


    • Bannzauber. Bannwirker tragen hellblaue Roben und konzentrieren sich auf den Schutz vor und das Neutralisieren anderer Magie. Das führt sie oft zu einer Karriere in den Sicherheitsorganen der Stadt.
    • Beschwörung. Beschwörer tragen grüne Roben und haben die Kunst der Teleportation dahingehend perfektioniert, dass sie alle möglichen Geschöpfe von anderen Orten der Welt zu ihrer Hilfe rufen können, um für sie zu kämpfen. Innerhalb Aglaronds gibt es jedoch strenge gesetzliche Vorgaben, so wie etwa das strikte Verbot, diese Fähigkeit auf Lebewesen von menschlicher oder vergleichbarer Intelligenz anzuwenden – anderenfalls könnte diese Form der Magie schnell zur Sklaverei führen.
    • Erkenntniszauber. Seher tragen violette Roben und können mit ihrer Magie an Orte sehen, die dem menschlichen Auge normalerweise nicht zugänglich sind. Was geschieht gerade am anderen Ende der Stadt? Welche Vorgänge spielen sich im menschlichen Körper ab? Mitunter sogar: Was denkt jemand anderes gerade? Laien glauben sogar gerne zuweilen, dass Seher – wie ihr Name vermuten lässt – auch in die Zukunft sehen könnten. Die Ergebnisse der meisten Versuche in dieser Richtung haben sich jedoch bislang als äußerst unreliabel erwiesen, und jene, die von sich behaupten, diese Fähigkeit zu beherrschen, werden von den meisten, die einen wissenschaftlich-kritischen Blick besitzen, mit äußerster Skepsis betrachtet. Diese wissenschaftliche Skepsis und die Notwendigkeit zur stetigen Offenheit für neue Fakten ist zugleich jedoch auch der Grund, warum die Erkenntniszauber die einzige Disziplin sind, die niemand abwählen kann, egal, worauf er sich spezialisiert. Gesetzliche Einschränkungen dieser Magieschule befassen sich folglich mit der Verhinderung von Spionage und dem Schutz der Privatsphäre.
    • Hervorrufung. Thaumaturgen tragen rote Roben und befassen sich mit der telekinetischen Steuerung der Elemente: Feuer und Blitze gehören damit natürlich auch zu ihrem Repertoire, wodurch diese Disziplin einem schnell gehörigen Respekt in der Bevölkerung verschafft, weswegen sie als Wahlfach entsprechend beliebt ist. Thaumaturgen findet man im Militär ebenso wie in der Landwirtschaft, wo sie die ausreichende Bewässerung der Felder sicherstellen und vernichtende Stürme abwenden. Für Kampfzwecke darf diese Form der Magie außerhalb des Krieges jedoch nur zur Selbstverteidigung in Notfällen angewandt werden. Missglückte Hervorrufungszauber können natürlich immer noch genauso zu schweren Unfällen führen wie mutwillige Brandstiftung.
    • Illusion. Illusionisten tragen weiße Roben, symbolisch stehend für eine leere Leinwand, auf der sie ihre Kunstwerke kreieren. Diese Form der Magie kann im Prinzip jede andere imitieren, mit verschiedenen Graden an Überzeugungskraft. Manche Trugbilder verströmen beispielsweise keinen Geruch oder verursachen keine Geräusche; andere hingegen sind so überzeugend, dass man bei einem illusionären Feuer die Hitze auf seiner Haut stärker werden spürt, je näher man ihm kommt – und erst, wenn man länger hineingreift, herausfinden kann, dass es gar nicht echt ist. Wenngleich diese Disziplin vielen oberflächlich betrachtet nutzlos zu sein scheint, so eignet sie sich doch exzellent zur Tarnung, zur Erzeugung von holografischen Projektionen (beispielsweise dreidimensionaler Landkarten), oder generell überall dort, wo eine gelungene Täuschung das reale Gegenstück mit weitaus geringerem Ressourcenaufwand ersetzen kann. Die einfachste Anwendung davon wäre die Erzeugung illusionären Geldes – was veranschaulicht, welches kriminelle Potential selbst in einer Form der Magie steckt, die augenscheinlich überhaupt nichts an der physischen Umwelt verändert.
    • Nekromantie. Nekromanten trugen einst schwarze Roben – bis diese Disziplin an der Akademie verboten wurde. Diese schwarzen Roben wurden mit roten Säumen versehen und sind damit nun die zuvor erwähnte Kleidung der noch nicht spezialisierten Erstsemester. Nekromantie befasst sich mit dem Tod – und allem, was dazu gehört: der Erzeugung untoter Kreaturen, der Verbreitung von Krankheiten, dem Auslösen von Angst, und schließlich einfach mit der möglichst effizienten Beendigung eines Lebens. Alle Vorlesungen, die aus diesem Bereich erhalten geblieben sind, sind rein theoretischer Natur, um die Studenten über die Gefahren dieser Disziplin zu unterrichten – und von den zahlreichen Magiern zu berichten, die bei ihrer Ausübung auf die schiefe Bahn geraten sind.
    • Verwandlung. Wandler tragen gelbe Roben – allerdings sieht man sie kaum in dieser Gestalt, da sie ja nur allzu gerne die Form anderer Personen oder Lebewesen annehmen. Der Klassiker darunter ist natürlich das Annehmen der Gestalt eines Vogels, was Reisen deutlich vereinfacht. Dementsprechend zieht diese Magieschule vor allem Kreative an: Künstler, Schauspieler, Leute, die nie lange an einem Ort bleiben können, ohne dass es ihnen langweilig wird. Die gesetzlichen Einschränkungen für diese Disziplin befassen sich folglich mit Identitätsdiebstahl und Betrug.
    • Verzauberung. Zauberer, was dementsprechend nicht gleichbedeutend mit Magier ist, sondern ein Magier, der sich auf Verzauberung spezialisiert hat, tragen dunkelblaue Roben. Ihnen ist es möglich, andere telepathisch zu kontrollieren – im Gegensatz zu den Telepathen unter den Erkenntnismagiern geht es hier also mehr darum, den eigenen Willen bei jemand anderem durchzusetzen, als rein rezeptiv zu erfahren, was derjenige gerade denkt. Dazu können jedoch auch so banale Dinge gehören wie eine andere Person in Schlaf zu versetzen – weshalb Zauberer in vielen Heilstätten als Anästhesisten eingesetzt werden. Ähnlich wie bei der Beschwörung bietet jedoch auch diese Form der Magie Potential zum Missbrauch zur Sklaverei, weshalb sie ebenfalls nicht gegen Geschöpfe von menschlicher oder vergleichbarer Intelligenz angewandt werden darf – außer, wie bei der Hervorrufung auch, zur Selbstverteidigung.


    Zusammengenommen mit der Tatsache, dass die meisten Magieschüler hier neben ihrer Ausbildung noch Studentenjobs haben oder ihre Zeit in diversen Ausschüssen für allerhand soziale Fragen verbringen, die Gebäude der einzelnen Fakultäten über die gesamte Stadt verteilt sind und das Hochschulsportangebot sich aus diversen mittelalterlichen Kampfsportarten zusammensetzt anstatt aus Quidditch, besteht für mich bislang der Eindruck, dass dieses Konzept noch relativ unverbraucht ist. Märchenhafte Kinderschulen gab es schon einige, aber eine Zauberakademie, die gleichzeitig das Studentenleben hochnimmt, ist mir bislang noch nicht untergekommen. Wink

    PS: Ein promovierter Magier - was mir eine naheliegende Erklärung dafür schien, wer in solch einer Welt eigentlich alles ein "Erzmagier" sein könnte - ist übrigens ein Dr. rer. mag.  Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? 1242722650


    Wie handhabt ihr eure magischen Bildungseinrichtungen, sofern sie in euren Geschichten vorhanden sind? Und ist dieses Konzept überhaupt so häufig, wie es mir scheint? Rolling Eyes


    Zuletzt von Strato Incendus am Mi Dez 12, 2018 9:42 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet


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    Beitrag von Texan am Mo Dez 10, 2018 1:52 am

    Hi Strato Very Happy ,

    erstmal ein Kompliment für die Welt, die du dort ausgelegt hast (auch wenn ich als Nichtkenner von Dungeons and Dragons nicht sagen kann, was von dort ist und was von dir selbst ausgedacht wurde Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? 3434132744 )

    Nun zu deiner Frage:
    Im ersten Teil ging es ja darum, wie ausgelutscht (oder nicht) die "Magieschulen" sind. Ich persönlich habe auch immer ein wenig damit zu kämpfen, dass viele meiner "tollen" Ideen doch schon von Anderen verwendet wurden, weshalb das Gefühl aufkommt, dass man nur ausgelutschte Klischees verwendet.
    Gehen wir also mal die Alternativen zu einer Magieschule durch: Dein Held muss etwas lernen oder er weiß schon alles. Weiß er schon alles, ist es schwierig, dem Leser die Welt zu erklären. Zudem kann der Held dann wohl kaum eine Entwicklung durchmachen. Also muss er lernen. Das geht entweder mit Mehreren oder Alleine. Hier finde ich das "Held reist mit Privatlehrer durch die Gegend" deutlich ausgelutschter als die Magieschule.

    Um das Klischee etwas zu umgehen, finde ich also das, wie du es mit der Uni machst, schonmal einen guten Schritt (auch wenn mir das Prinzip in der Fernsehserie "Magicians" schonmal begegnet ist)


    Im zweiten Teil ging es dann ja darum, was man noch machen könnte, um das Klischee aufzubrechen.
    Nun, ich muss zugeben, dass ich selbst in meiner Fantasywelt auch noch keine richtige Alternative verwende. Ich habe ein paar "freie Wanderschulen", die ein wenig Magie beibringen könne, dann ein paar Akademien mit Bibliotheken, die auch Lehreinrichtungen unterhalten, eine Forschungsstadt, in der Magie gelehrt und erforscht wird, und quasi "magische Ausbildungsberufe", in denen eine Kleinigkeit Magie beigebracht wird, um damit einen bestimmten Beruf auszuführen.

    Ich hoffe, das hat dich ein wenig weitergebracht Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? 3402984712
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    Beitrag von Strato Incendus am Mo Dez 10, 2018 2:52 pm

    Aus D&D stammt der Name der Stadt (Velprintalar) und des Landes (Aglarond), sowie das Konzept, dass diese Stadt keine Mauern hat. Dass sie deshalb eine Multi-Kulti-Studentenstadt ist, ist von mir Wink .

    Ebenfalls aus D&D sind die Namen der acht Magiedisziplinen, die Bezeichnungen für jene, die sich auf sie spezialisieren, und die Inspiration dafür, dass man Erkenntniszauber nicht abwählen kann (=kann in D&D als einziges keine verbotene Schule sein). Die Robenfarben und die Rivalitäten zwischen den Angehörigen verschiedener Magieschulen sind dann wiederum von mir, ebenso die gesetzlichen Einschränkungen.

    Bei D&D muss man übrigens eigentlich zwei Schulen abwählen, wenn man sich auf eine spezialisiert. Das fällt bei mir deshalb weg, weil Nekromantie pauschal eine der beiden verbotenen Schulen ist. (An anderen Zauberakademien ist das jedoch anders!) Nur, wer sich auf Erkenntniszauber spezialisiert, muss auch bei D&D nur eine verbotene Disziplin wählen.

    Es sind also vor allem Namen und Fachbezeichnungen, die ich übernommen habe, entsprechend leicht ließen die sich bei Bedarf mit "Wort ersetzen durch" austauschen Wink .



    Was das Lernen angeht:
    Mein männlicher Protagonist hat bezogen auf Magie von Tuten und Blasen keine Ahnung. Wink Allerdings kommt er erst entsprechend spät überhaupt mit der Akademie in Kontakt.

    Meine elfische Protagonistin macht im zweiten Teil gerade ihren Abschluss, weiß also schon entsprechend viel (aber natürlich noch nicht alles). Da lernt der Leser mehr zusammen mit ihr, weil sie für ihre Prüfungen lernt - aber sie hat natürlich im Gegensatz zum Leser Vorwissen, auf das sie aufbauen kann.

    Ich will halt nicht, dass die gesamte Geschichte sich allein um diese Zauberuni dreht - obwohl sich darüber bestimmt genug Geschichten für ein ganzes Buch erzählen ließen - aber das wäre dann im Grunde wieder nur "Harry Potter für Große". Wink


    Zuletzt von Strato Incendus am Mi Dez 12, 2018 9:48 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet


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    Beitrag von Crackle42 am Di Dez 11, 2018 12:38 pm

    Strato Incendus schrieb:Wie handhabt ihr eure magischen Bildungseinrichtungen, sofern sie in euren Geschichten vorhanden sind? Und ist dieses Konzept überhaupt so häufig, wie es mir scheint? Rolling Eyes
    Hallo Strato,

    erstmal Respekt für deine Konzeption, da hast du einiges getüftelt und gebaut und es klingt vom ersten Ansatz durchdacht.
    Bezüglich deines Anliegens würde ich mal eine andere Brille aufziehen, als du sie vermutlich gerade trägst. Vielleicht unterliegt mir in der Hinsicht ein gewisser Bias, sonst entnehme ich deiner Wortwahl aber eine gewisse Neigung zu Perfektionismus. Das soll nicht negativ gemeint sein, nur dass die Konzeption perfekt und ohne Zweifel einer Kopie sein soll Smile
    Wenn du dir jetzt mal das Motto "Attempting to give a damn" anschaust, wirst du feststellen, dass es die ganze Thematik doch (völlig) egal ist. Es gibt so viele Konzepte, da wirst du mit Sicherheit irgendeines abgekupfert haben, ohne es zu wissen. Selbst die großen Verkaufsschlager haben das Rad nicht neu erfunden und vorhandene Aspekte in ihre Welt integriert oder bestenfalls nur modifiziert.
    Baue doch lieber deine Welt, so wie sie für dich passt, wie du es für spannend zum Lesen hältst und wie es deiner Geschichte bzw. deinen Charakteren dient - baue sie ohne Rücksicht auf was es geben könnte oder bereits gibt. Wenn du viel Interaktion brauchst, dann ist ein Internat ein besserer Ort zum Lernen als wenn der Prota Lebenserfahrung sammeln muss in der Welt oder es häufiger zu bewaffneten Konflikten kommen.

    Als Beispiel zu der Sache fällt mir gerade der Name des Windes ein, falls du das kennst. Das Leben von Kvote entspricht was die Universität betrifft so ziemlich dem Normalstudenten: Streit mit einigen Personen, Geldnot, Prüfungen. Aber es geht um das Drumherum, das die Geschichte so spannend macht, die inneren und äußeren Konflikte. Er hätte auch wie Harry Potter in einem Internat leben können, dann wäre zwar die Geldnot vielleicht nicht so präsent, dafür andere Probleme.
    Fazit: Es kommt aus meiner Sicht daher weniger auf die perfekte Konzeption an, als dass sie vielmehr dem Fortschritt der Geschichte, des Konflikts oder der Entwicklung des Protas trägt.
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    Beitrag von Nina am Di Dez 11, 2018 6:29 pm

    Na ja, ein bisschen ausgelutscht ist es schon - war es aber schon BEVOR Harry Potter geschrieben wurde. Ich kann mich an Bücher meiner lang zurückliegenden Kindheit erinnern, wo es schon Hexeninternate und Co. gab. Wenn es aber gut erzählt ist, muss es nicht unbedingt so innovativ sein, um gerne gelesen zu werden.

    Das Problem an einer Universität ist, dass die Studenten üblicherweise nicht zusammenwohnen. Man sieht zwar gewisse Leute immer wieder und trifft einander auch privat, aber je weiter das Studium fortgeschritten ist, desto seltener sieht man die Studenten aus dem ersten Semester. Dazu ist auch die Studiengeschwinigkeit unterschiedlich und es hören auch viele einfach auf. Soll das eine mehrteile Geschichte über Jahre werden, müssten realistischerweise die Charaktere öfter wechseln. - Es gibt da auch "Tricks", wie z.B. dass die wichtigeren Charaktere ähnliche Fächer wählen und z.B. eine WG gründen, damit man den Freundeskreis mehr zusammenhält. - Wechselnde Charaktere sind bei etwas, wo es mit ein bisschen Schnickschnack wie Magie vor allem um die Gemeinschaft halt, eben problematisch.

    Die Frage wäre allerdings, ob Du selbst studierst oder studiert hast. Ich bin von einigen Storys, die ich gelesen habe, so was von abgenervt, weil das als damalige Studentin so weit von meinem Alltag damals entfernt war. Vor allem: Es gibt auf der Uni keinen "Klassenbesten" und man legt sein Studientempo selbst fest. In den meisten Lehrveranstaltungen herrscht keine Anwesenheitspflicht. - Was auch genau das Problem für viele ist, weil ohne "Kontrolle" durch andere ist es halt mit der Disziplin schwer. - Und in den Geschichten machen viele zu viel. Studium mit Bestnoten, Arbeiten gehen (teils wird auch noch die Familie unterstützt statt umgekehrt - das passt aber eben nicht zusammen, weil ohne die nötige Zeit zum Lernen wird das nichts! - Außerdem, was soll denn ein 20jähriges Würstchen für einen Job haben - selbst wenn der ganztags wäre - um dann noch Geld an jüngere Geschwister und die kranke Mutter zu schicken???)

    Übrigens gibt es auf Netflix gerade wieder einiges zu dem Thema. Z.B. bei der Neuverfilmung von "Sabrina" kommt auch so eine Schule vor und die Schüler sind scheinbar alle zwar nicht erwachsen, aber doch erst ab 16, was ja kein so großer Unterschied ist. Die Uni fängt man üblicherweise mit 18-19 an. - Und in der "American Horror Story" gibt es auch eine Hexenakademie, die sind auch alle - na ja, ich schätze mal, um die 17 Jahre.
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    Beitrag von Strato Incendus am Di Dez 11, 2018 11:19 pm

    Nina schrieb:Die Frage wäre allerdings, ob Du selbst studierst oder studiert hast.

    Gerade mit dem Master fertig und im Begriff, mit der Promotion anzufangen Wink . Inwiefern meine Erfahrung jedoch repräsentativ ist, ist eine andere Frage, denn unsere Jahrgänge waren mit 60-70 Leuten im Bachelor und 30 im Master doch ziemlich klein. Unser Standardhörsaal ist ebenerdig wie ein größerer Klassenraum. Klausurrelevant waren bei uns vor allem Foliensätze der Sitzungen; die Literatur war mehr als Ergänzung, wenn man irgendwas nicht verstanden hatte und daher nochmal nachlesen wollte. In den meisten Veranstaltungen wurden also keine Detailfragen über Dinge gestellt, die nur in einem Buch standen, aber in keiner Sitzung besprochen wurden.

    Nina schrieb:Es gibt auf der Uni keinen "Klassenbesten"

    Das ergibt sich quasi aus der geringen Studiengangsgröße, die ich oben beschrieben habe: Bei uns kennt natürlich jeder jeden, und dadurch war den meisten auch klar, wer die Alleskönner waren... und wer stattdessen mehr Zeit damit verbracht hat, sich in AStA und Fachschaft zu engagieren, was meistens auf Kosten des Lernens ging.

    Nina schrieb:man legt sein Studientempo selbst fest

    Hängt davon ab, wie verschult dein Studium ist. In manchen Studiengängen ist das so klar aufgebaut, dass du andauernd bestimmte Veranstaltungen erst belegen kannst, wenn du Veranstaltung A, B und C schon bestanden hast. Das heißt, wenn du dir eine davon in einem Semester sparst oder nicht bestehst, kannst du im nächsten Semester ggf. gar nichts machen, weil du die Zulassungsvoraussetzungen für die weiterführenden Veranstaltungen nicht erfüllst. Wink

    Nina schrieb:Was auch genau das Problem für viele ist, weil ohne "Kontrolle" durch andere ist es halt mit der Disziplin schwer.

    Dafür gibt's ja Lerngruppen, da kann man sich wunderbar gegenseitig unter Druck setzen, mit seinem Wissen übertrumpfen und die anderen sich so richtig schön schlecht fühlen lassen, dass sie scheinbar weniger für eine Prüfung getan haben als man selbst... Razz

    Spaß beisite: Obwohl ich selbst für meinen Teil in meiner Freizeit wirklich gerne klugsch*ße, so etwas wurde mir dann doch irgendwann zu stressig - aus sozialer Sicht, nicht aus stofflicher Wink .

    Das Auswendig-Lernen, was leider in vielen Fächern immer noch gefordert ist (oder zumindest nicht schadet, weil Dozenten meist auf der sicheren Seite sind, wenn sie mit einer Klausurfrage genau auf eine bestimmte Folie abzielen, auf die sie bei Zweifeln verweisen können), nimmt einem eine Gruppe nicht ab. Wie es angeblich ein türkisches Sprichwort sagt (okay, Quelle dafür ist Moritz Netenjakobs "Macho Man" Very Happy ): "Jeder isst nur in seinen eigenen Magen." Und jeder lernt eben auch nur in seinen eigenen Kopf. Sich gegenseitig abfragen ist sicherlich hilfreich, da geht es aber einfach generell darum, dass man den Abruf auf dem Gehirn übt, also nicht nur Bücher in seine Hirn-interne Bibliothek reinquetscht, sondern auch übt, jedes einzelne Buch darin wiederzufinden wie Sherlock in seinem Gedankenpalast.

    Dass man sich jedoch selbst für dieses "In den Kopf hauen" ständig selbst in den Hintern treten muss, ja, das habe ich sogar schon an einer Stelle recht ausführlich geschildert. Da macht man dann so pragmatische Überlegungen, wenn man auf seinem Stuhl sitzt "Bloß nicht zu weit in die Horizontale rutschen!" Very Happy Wenn man erst einmal müde ist und das ganze System runterfährt, fängt man danach auch nichts mehr an.

    Nina schrieb:Und in den Geschichten machen viele zu viel. Studium mit Bestnoten, Arbeiten gehen (teils wird auch noch die Familie unterstützt statt umgekehrt - das passt aber eben nicht zusammen, weil ohne die nötige Zeit zum Lernen wird das nichts! - Außerdem, was soll denn ein 20jähriges Würstchen für einen Job haben - selbst wenn der ganztags wäre - um dann noch Geld an jüngere Geschwister und die kranke Mutter zu schicken???)

    Okay, solche Geschichten sind mir noch nicht so oft untergekommen Very Happy . Der "Klischee-Student", der mir in Geschichten begegnet, ist aus meiner Sicht im Vergleich zum echten Durchschnitts-Studenten eher zu entspannt, so locker nehmen das viele heute nämlich gar nicht mehr, die setzen sich dann selbst viel mehr unter Druck.

    Wo es allerdings für mich momentan schwer zu glauben ist, ist bei Rachel Zane in "Suits" (als ob Frau Markle im Moment nicht schon medial omnipräsent genug wäre Very Happy ): Vollzeitstelle bei einer Top-Kanzlei in New York und nebenher Jura studieren? Klar, kein Problem. Deshalb sieht man sie auch in keiner Szene je in einem Hörsaal sitzen oder für eine Prüfung lernen... Zauberakademien - oder: Wie erschaffe ich etwas, das nicht Hogwarts ist? 253937370


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    Beitrag von Nina am Di Dez 11, 2018 11:41 pm

    Das klingt ja alles toll, was Du beschreibst - die beste Recherche überhaupt. Laughing - Ja, das mit "Suits" stimmt. Vor allem hatte sie ja vorher schon Probleme mit der einen Prüfung und auf einmal geht ein Vollzeitstudium so nebenbei. Sie hat dann zwar glaube ich die Stunden reduziert, aber auch ein Halbtagsjob geht meiner Meinung nach nicht. Schon alleine wegen der Arbeitszeiten. - Wenn dann funktioniert so was wie Kellnern am Wochenende noch eher, aber in einer Kanzlei gibt es übliche Öffnungszeiten - und in der besonderen auch ununterbrochen Überstunden. In TV-Serien gehen aber auch oft schon die Schüler arbeiten, nebenbei hat dann jeder noch Zeit für was weiß ich wie nachts Vampire jagen und sonstigen Leistungssport, Kunst, Freunde und alles Mögliche. Ich frage mich da oft: "Müssen die denn nie was lernen? Und warum ist Buffy die Dämonenjägerin nie sitzengeblieben?"
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    Beitrag von Hexe am Mi Dez 12, 2018 9:00 am

    Interessante Diskussion bounce Da hätte ich sogar noch ein ganz anderes Lehrkonzept beizusteuern: In meiner Welt wird Magie nicht so gelernt wie ein Schulfach, sondern eher wie eine Sportart bei einem Verein. Wenn die Fähigkeiten einer Hexe anfangen, sich zu zeigen, wird sie einem Zirkel zugeordnet. Dort bringen die anderen Mitglieder ihr selbstorganisiert bei, was sie können und wissen muss. In der Regel bedeutet das schon, dass ihr irgendwer als "Trainer" zugeteilt wird, aber auch die anderen geben immer wieder Tipps und helfen bei der Ausbildung mit. Die Anzahl an Junghexen in einem Zirkel kann stark variieren, aber die soziale Struktur des ganzen geht eher in die Richtung, dass alle Mitglieder des Zirkels eine gemeinsame Gruppe bilden.
    Die Zaubereruni klingt aber auch originell. Sie erinnert mich ein wenig an den Namen des Windes, aber du scheinst sie noch näher an tatsächliche Universitäten angepasst zu haben. Das ist eine coole Idee, insbesondere, wenn es zu promovierten Magiern kommt xD
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    Beitrag von marismeno am Mo Dez 17, 2018 11:57 pm

    In meiner canis-lupus-niger-Reihe wird eine "Hohe Schule" erwähnt, an der unter anderem auch "übernatürliche Künste" gelehrt werden. Die Ereignisse der Reihe spielen aber etliche Jahre, nachdem der Prota dort quasi einige Gastsemester studieren durfte.

    In der Isrogant-Reihe, an der ich mit einem Roman und einer KG beteiligt bin, gibt es ebenfalls Universitäten, sowohl kirchlich betriebene, an denen Magie verpönt ist, als auch "altmodische", an denen neben vielen anderen "artes" auch die Magie studiert werden kann.

    In keiner der beiden Reihen steht die Magie im Mittelpunkt des Universitätsbetriebes, sondern ist nur eine Wissenschaft von vielen. Das passt, finde ich, zum Konzept der realistischen Fantasy, die eine komplexe Welt erfordert.

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Sa Dez 14, 2019 6:08 am