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    Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

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    Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Fr Apr 20, 2018 2:09 pm

    Hier können wir über dieses Thema plaudern.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Fred Erikson am Do Mai 03, 2018 9:00 pm

    Hier geht es als nächstes weiter, wenn ich nicht irre, oder?

    Der berühmte Angelhaken, mit dem man den Leser gleich am Anfang davon überzeugen will, die Geschichte zu lesen/ das Buch zu kaufen.

    Ich werfe mal ein paar Fragen in den Raum:

    1. Habt ihr bislang bewusst (!) den Einstieg - egal ob Prolog oder erstes Kapitel - so geschrieben, dass ihr den Leser auf euer Buch "heiß" machen wollt? Wenn ja - was ist eure "bedeutsame Frage"? Wenn nein - werdet ihr es beim nächsten Mal machen?

    2. Kann man auch ohne bedeutsame Frage den Lehrer direkt an sein Buch fesseln?


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Fr Mai 04, 2018 11:13 am

    Also ich habe das bei meiner Geschichte versucht, indem ich einen Charakter zeigen wollte, der sich so ein bisschen aus der Masse heraushebt, da ich selbst bei mir oft bemerkt habe, ich lege ein Buch nach den ersten Seiten weg, wenn ich merke "das kenne ich alles doch schon, gab es tausend mal, nichts neues dabei".
    Also habe ich geschaut, dass ich ein paar Züge von Rose zeige, die sie zumindest in der Kombination als einen interessanten Charakter zeigen. Ob das gelungen ist, müsst ihr beurteilen Wink

    Von daher denke ich, dass ich keine bedeutsame Frage habe, zumal die tatsächlich wichtige Frage erst im 6.Kapitel gestellt wird.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Fr Mai 04, 2018 2:00 pm

    @Fred: Das nenne ich mal einen süßen Freud'schen Versprecher. Ich hoffe, dass man nicht nur Lehrer an eine Geschichte fesseln kann, sondern auch alle anderen Leser!


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Fred Erikson am Fr Mai 04, 2018 4:32 pm

    Hupps!

    Aber wenn wir alle eines in der Schule gelernt haben, dann dass es nicht wichtig ist, wie gut/schlau/fleißig man ist, sondern, dass man die Lehrer überzeugen kann, dass man gut/schlau/fleißig ist. Very Happy


    Zum Thema:

    1. Ich habe mein erstes Kapitel bewusst so geschrieben, dass es eine bedeutsame Frage enthält. Da mein äußerer Plot hauptsächlich darauf fußt, was der Antagonist vorhat, und wie die anderen Hauptfiguren darauf reagieren, ist bei mir auch der Anta der Handelnde und die Fragen betreffen ihn: Was will er mit dem Portal - was sind das für Geschenke für den König - warum tötet er den Druiden - oder zusammengefasst, was will der Typ überhaupt.

    2. Ich denke es geht, ist aber schwierig. Ich könnte mir vorstellen, dass ein faszinierendes Setting in Kombination mit toller Sprache, die das Unbekannte/Neue, das mir der Autor vorsetzt, wie einen Film vor meinem inneren Auge ablaufen lässt, es möglich macht, mich ebenfalls in die Geschichte zu ziehen.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Fr Mai 04, 2018 5:56 pm

    Was ich bei den Interviews interessant fand, die ich für den Ratgeber geführt habe, war, dass vor allem Anja, die ja als Lektorin arbeitet, so stark die Bedeutung einer guten und fesselnden Sprache für einen gelungenen Einstieg in einen Roman hervorhebt. Das hat mich überrascht, weil ich zwar schon denke, dass ein souveräner und atmosphärisch dichter Umgang mit Sprache ein wichtiger Aspekt ist, wenn es darum geht, die Leser in eine Geschichte hineinzuziehen. Ich glaube jedoch ebenso, dass man als Autor eine Menge Potenzial leichtfertig herschenkt, wenn man den Aspekt des Fragen-Aufwerfens am Anfang seiner Geschichte komplett ignoriert.

    Gerade Fragen, die für die handelnde Figur der Einstiegsszene (bzw. den Protagonisten) wirklich von großer Bedeutung sind und bereits ein erstes Licht auf mögliche Konfliktthemen oder Bedrohungen werfen, sind m.E. einfach ein zu gutes Werkzeug, um Interesse und Spannung zu erzeugen, um es ungenutzt zu lassen. Auch dezent angedeutete Fragen, die diese zentralen Aspekte der Geschichte bzw. Hauptfigur berühren, sind in meinen Augen immer noch sehr viel besser als gar keine Fragen.

    Von daher muss man ja gar nicht sofort mit der Tür ins Haus fallen und seinem Protagonisten gleich in der ersten Szene das Messer des Psychopathen an die Kehle setzen oder die Welt innerhalb der nächsten fünf Minuten dem Untergang weihen. Solange der Leser spürt (auch unterschwellig, ohne dass er es explizit benennen könnte), dass der Autor irgendwelche Irritationen für die Hauptfigur in Aussicht stellt, finde ich, hat ein solcher Einstieg auch das Potenzial, neugierig zu machen. Alles Weitere hängt dann sehr vom persönlichen Geschmack des jeweiligen Lesers und seinen individuellen Vorlieben ab, denke ich.

    @Fred: Ich finde, man merkt deinem ersten Kapitel an, dass du den Einstieg bewusst nach den "Fragen aufwerfen"-Kriterien konzipiert hast. Die Fragen, die du genannt hast, wären auch die, die mir einfallen würden, wenn es darum geht, herauszufinden, ob der Anfang deiner Geschichte die Leser neugierig macht oder nicht. Und ich finde, das tut er - aus genau den Gründen, die du aufgezählt hast. Ich müsste mir nochmal Gotthelfs Anfangsszene seines Romans in der Romanschmiede anschauen, wie das bei seiner Rose-Geschichte ist. Das habe ich im Moment nicht präsent.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Fr Mai 04, 2018 7:37 pm

    Hehehe.
    Much wundert Anjas Einschaetzung wenig, wobei ich vielleicht sagen wuerde, dass eine richtig gute Sprache tatsaechlich inhaltliche Maengel wettmachen kann wie zB bei einer Rede, aber dafuer muss sie halt top-notch sein. Einfacher ist es da ueber due Fragen zu gehen. Aber auch da kann es nach hinten losgehen, zB der im Ratgeber erwaehnte Anfang mit der Oberlippe haette mich nie im Leben dazu veranlasst, weiterzulesen.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Sa Mai 05, 2018 9:59 am

    Witzig. Gerade den fand ich damals, als ich das Buch gelesen habe, richtig cool, und ich habe ihn nie vergessen. Der Roman selbst hat mir nur leidlich gut gefallen, aber der Einstieg hat sich bei mir eingebrannt.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Fred Erikson am Sa Mai 05, 2018 1:43 pm

    Susanne Gavenis schrieb:

    @Fred: Ich finde, man merkt deinem ersten Kapitel an, dass du den Einstieg bewusst nach den "Fragen aufwerfen"-Kriterien konzipiert hast. Die Fragen, die du genannt hast, wären auch die, die mir einfallen würden, wenn es darum geht, herauszufinden, ob der Anfang deiner Geschichte die Leser neugierig macht oder nicht. Und ich finde, das tut er - aus genau den Gründen, die du aufgezählt hast. Ich müsste mir nochmal Gotthelfs Anfangsszene seines Romans in der Romanschmiede anschauen, wie das bei seiner Rose-Geschichte ist. Das habe ich im Moment nicht präsent.

    Danke! Smile

    Vielleicht mag ja jemand der anderen seinen Romananfang einstellen und wir schauen uns das gemeinsam mal unter dem Blickwinkel der bedeutsamen Frage an.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Drachenprinzessin am Sa Mai 05, 2018 8:43 pm

    Ich hab leider keinen Romananfang, den ich einstellen könnte (wenn das schon ein Ausschlusskriterium ist, dann verkrümel ich mich für diesen Teil der Leserunde und lese nur noch stumm mit )

    Um ehrlich zu sein habe ich mich bisher immer sehr schwer mit Romananfängen (oder Anfängen von Geschichten generell) getan. Meinem geringen Selbstwertgefühls sei dank habe ich mich bisher nicht so viel mit Schreibtheorie befasst und daher, glaube ich, so ziemlich jeden meiner Roman- und Geschichtenanfänge in den Sand gesetzt (und den ganzen Rest gleich mit). Sollte das trotz allem einmal nicht der Fall gewesen sein, dann war das Glück. Oder Zufall.
    Die Beispiele und Erklärungen dazu im Ratgeber helfen mir sehr und ich finde es ist eine der Stärken des Ratgebers, das die Beispiele, gerade was Romananfänge betrifft, so ausführlich sind   mit kürzeren Beispielen hättest Du mich bestimmt abgehängt, Susanne.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am So Mai 06, 2018 12:13 pm

    @Drachenprinzessin: Keine Angst, das mit den Romananfänge einstellen ist bestimmt kein Ausschlusskriterium für dieses Thema der Leserunde! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass du bisher jeden deiner Romananfänge in den Sand gesetzt hast. Wie man an Gotthelfs Einschätzung des Oberlippen-Einstiegs sehen kann, sind die Geschmäcker doch sehr unterschiedlich, und das offensichtlich auch völlig unabhängig davon, ob der Anfang eine bedeutsame Frage aufwirft oder nicht (denn wie gesagt fand ich den Einstieg mit der Oberlippe so interessant, dass ich ihn mehr als 20 Jahre lang nicht vergessen habe).

    Was Gotthelfs und meine unterschiedliche Auffassung bezüglich dieses Einstiegs zeigt, ist, denke ich, dass auch die vermeintlich stärkste und bedeutsamste Frage nichts fruchtet, wenn sie nicht in der individuellen Persönlichkeit des Lesers irgendeine Art von Resonanz erzeugt. Von daher kann man als Autor wohl nur sein Bestes versuchen, um einen Romaneinstieg mit Hilfe von bedeutsamen Fragen interessant zu machen, aber eine hundertprozentige Garantie dafür, dass man damit auch wirklich jeden Leser gleichermaßen abholt, gibt es offensichtlich nicht. Dennoch wäre dieser individuelle Unsicherheitsfaktor für mich keinesfalls ein Grund, um auf das Aufwerfen bedeutsamer Fragen bei einem Romananfang zu verzichten, da die Vorteile die möglichen Nachteile (mit den aufgeworfenen Fragen nicht jeden Leser in gleicher Weise zu erreichen) m.E. bei Weitem aufwiegen.

    @Fred: Ich kann ja mal beherzt den Anfang machen und den Einstieg meines momentanen work-in-progress-Romans einstellen (wie gesagt work-in-progress). Die Geschichte (mit dem Arbeitstitel "Drachenseele") beginnt so:

    Prolog
    Mit vor Trauer blutendem Herzen und tränenverschleiertem Blick flog Alanerisk ziellos über den vernarbten Kontinent hinweg. Früher hätten sich auf einem solchen Flug schier endlose üppige Wälder, blumenübersäte Wiesen und hoch im Korn stehende Felder unter dem großen, smaragdfarbenen Drachen erstreckt, doch heute gab es auf dem Kontinent kein einziges Fleckchen Grün mehr, sondern nur noch schwarz verglaste Einöden, ein düsteres Mahnmal, welch urgewaltige Macht dem Drachenfeuer innewohnte - und welchen Schaden es anrichten konnte, wenn der Wille, der es lenkte, nicht mehr länger von Mitgefühl und Güte geleitet wurde.

    So weit der Beginn. Ob ich den relativ langen zweiten Satz so lang lasse, wie er im Augenblick ist, weiß ich noch nicht, aber hier geht es ja um Fragen, die neugierig machen sollen.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am So Mai 06, 2018 1:46 pm

    Ich muss sagen, vermutlich hätte mich der Oberlippenbeginn mehr gepackt, hätte ich bisher in meinem Leben nicht zig schlechte Bücher mit genau solchem Anfang gelesen. So dachte ich mir halt: Oh Gott, noch so ein Prophezeihungs-scheiß!

    Bei deinem Anfang geb ich dir Recht: Den zweiten Satz würd ich kürzen ... Ansonsten bin ich gespalten: Einerseits möchte ich natürlich wissen, was denn dazu geführt hat, diese Welt so in Schutt und Asche zu legen, auf der anderen Seite ist in diesem kleinen Abschnitt ja die Welt das einzige, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht, und da würde ich mir wünschen, etwas vorgesetzt zu bekommen, das es auch wert ist, gelesen zu werden. z.B die Welt in Metro2033 ist originell und liebevoll gestaltet, Moskauer Metro, da ist man erstmal voll dabei - zumindest ich war es. Oder Chronicles of Amber mit seinen unzähligen Parallelwelten, von denen die Erde eine ist. Oder meinetwegen auch Twig oder die Scheibenwelt, alles Welten, die sich aus der Masse abheben und daher allein schon durch ihre Existenz interessant sind und den Leser dazu verleiten, wenn nicht der Story wegen, dann wenigstens um der Welt willen das Buch zu lesen. Bei dir - und ich bin mir völlig bewusst, dass man in 5 Zeilen nicht viel reinpacken kann - lese ich nur: Welt zerstört und damit zurück nach Hamburg. mMn versuchst du hier einen Spagat zu machen zwischen der Einführung eines Chars, von dem wir nur erfahren, dass er auf melodramatische Weise leidet (sorry, aber ich habe gerade eine schlechte Tragödie vor meinem inneren Auge, da kannst du wenig dafür), und der gewichtigen Frage, die aber , so denke ich zumindest, mit der Person gerade nichts zu tun hat. Sicher, es wäre ein cooler Twist wenn die hier beschriebene Person für dieses Chaos verantwortlich wäre, dann wäre das ein richtig bombastischer dritter Satz, z.B "Alles, was er je gekannt hatte, war zerstört. Und es war seine Schuld" ... egal ob das nun der Fall ist oder nicht, mMn braucht es hier etwas, das die Figur mit der Welt und dem beschriebenen Szenario in Verbindung bringt. Macht das Sinn?


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Fred Erikson am So Mai 06, 2018 3:20 pm

    Da sieht man wieder, wie unterschiedlich die Leserwahrnehmung ist.

    Ich lese von einem Drachen, der über eine zerstörte Welt fliegt und erfahre, dass Drachenfeuer, gelenkt von einem Willen, der nicht mehr länger von Mitgefühl und Güte geleitet wurde, für die Zerstörung verantwortlich ist.

    Da stellt sich mir sofort die Frage, ob Alanerisk (mit)verantwortlich ist.

    Daneben natürlich die Frage: Was hat die Drachen derart verändert, dass ihnen ihr Mitgefühl und ihre Güte abhanden kamen, denn aus Alanerisks Bedauern wird ja klar, dass das nicht Usus ist.

    Darauf folgend: Wird es gelingen, den Drachen wieder ihr Mitgefühl und ihre Güte "zurückzubringen" und die eigentliche Ursache (ich gehe davon aus, dass da mehr dahintersteckt als eine Drachenmode) zu bekämpfen.

    Schönes Beispiel auch für zurückgehaltene Details.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am So Mai 06, 2018 5:11 pm

    Na, da hast du etwa die gleichen Fragen wie ich gestellt.
    Allerdings verstehe ich das so, dass nicht das Mitgefühl und die Güte der Drachen gemeint sind, sondern derer, die auf ihnen reiten. Und damit wären wir weg von Skyrim hin zu einer Vielzahl an verschiedenen Möglichkeiten. Aber ich würde lügen, würde ich sagen, ich hätte so einen ähnlichen Anfang nicht schonmal gelesen ... Deswegen stütze ich mich bei der Buchwahl auch mehr auf Klappentexte und Rezensionen/Empfehlungen, denn ich denke, man kann gar nicht einen Einstieg schreiben, der originell, spannend, packend etc. ist und damit jeden Leser sofort in seinen Bann zieht.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am So Mai 06, 2018 6:47 pm

    Interessant! Man müsste jetzt sicherlich noch ein paar Absätze mehr zur Verfügung haben, aber die Sequenz mit dem Mitgefühl und der Güte bezieht sich tatsächlich nur auf die Drachen selbst, nicht auf irgendwelche Reiter.

    Ich bin schon davon überzeugt, Gotthelf, dass man einen Romananfang schreiben kann, der spannend und packend ist und neugierig macht. Allerdings gebe ich dir recht, dass es wohl unmöglich ist, JEDEN Leser damit zu packen und neugierig zu machen. Sich als Autor allerdings nur auf Rezensionen oder Klappentexte zu verlassen, im Vertrauen darauf, dass die schon genügen würden, um die Leser (so wie dich) in ihren Bann zu ziehen, und ansonsten dem Beginn seines Romans wenig bis gar keine Aufmerksamkeit zu schenken, fände ich dagegen ehrlich gesagt ein bisschen faul (zumal Verlagslektoren oder die Verleger selbst ja noch keinen scharfmachenden Klappentext und auch keine Top-Rezensionen zur Verfügung haben, wenn sie in ein Manuskript hineinschauen, sondern nur ein schlichtes Exposè).

    Hier als Autor zu sagen: "Na ja, es gibt ohnehin schon eine Million Anfänge von einer Million Romanen, also ist eh schon alles irgendwie mal da gewesen. Deshalb brauche ich als Autor mir auch keine Mühe mehr zu geben, den Anfang meiner eigenen Geschichte so packend und interessant zu gestalten, wie es mir möglich wäre. Ich vertraue einfach auf den überzeugenden Klappentext und gute Rezis, um Leser für meine Geschichte zu gewinnen", wäre in meinen Augen zu kurz gedacht. Dass man bei seinen eigenen Romanen nicht immer im Hinterkopf haben darf, dass es eben nicht (mehr) möglich ist, etwas wirklich komplett Neues und vorher noch nie Dagewesenes an den Anfang seiner Geschichte zu stellen, ist, denke ich, für jeden Autor eine absolute Notwendigkeit, um überhaupt seine Geschichte schreiben zu können. Und diese Notwendigkeit gilt nicht nur für den Einstieg in einen Roman, sondern ebenso für die Figuren und die Handlung. Wenn man als Autor ständig denken würde: "Oh mein Gott, es gibt schon SOOO viele Geschichten über verschmähte Liebe oder Geschwisterrivalität oder Rache oder was auch immer, dass die Welt nicht noch so eine Geschichte braucht", würde man, fürchte ich, aus der Schreibblockade nicht mehr herauskommen.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am So Mai 06, 2018 7:06 pm

    Ich denke es wäre falsch dem Anfang eine so besondere Bedeutung beizumessen, dass man ihn aufs Podest hebt und alle anderen "Füllszenen" im Roman, wo gerade nichts passiert, komplett vergisst. Ich habe auch nie behauptet, dass ich den Anfang einfach hinklatschen würde, aber ich möchte jede Szene so spannend und schön wie möglich schreiben, der Anfang nimmt da für mich keine privilegierte Stellung ein.

    Deshalb gehe ich mal davon aus, dass du hier nicht mich persönlich sondern einfach nur irgendwelche Autoren gemeint hast, denn sich keine Mühe bei etwas zu machen ist meiner Arbeitsweise fremd.

    Ob mein Anfang jetzt zu den Negativbeispielen gehört oder ob er brauchbar ist, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich mich selbst beurteilen könnte, was Schreiben betrifft, wäre ich ja nicht hier Wink

    die Sequenz mit dem Mitgefühl und der Güte bezieht sich tatsächlich nur auf die Drachen selbst, nicht auf irgendwelche Reiter.
    Ist aber am Text selbst schwer festzumachen. Wir haben nur das "Wille, der es lenkt" und wir haben die Info, dass der Prota auf dem Drachen reitet. Da der Reiter für gewöhnlich das Reittier lenkt, lag es mir näher, es auf eben diese zu beziehen. Und ich denke auch, um deinen Anfang wirklich als spannend oder nicht einstufen zu können, bräuchte ich mehr Text, denn ich springe gerne mal ein paar Zeilen weiter, wenn ich denke, dass ich das schonmal gelesen habe, aber das Buch gleich nicht aus der Hand legen will.



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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Fred Erikson am So Mai 06, 2018 7:39 pm

    Heureka! Es ist das Wort "lenken"! Das suggeriert, das da ein Reiter lenkt, obwohl der lenkende Wille der Drachen gemeint war.


    Zu dem Anfang: Also ich kann von mir sagen, dass ich zuerst die Leseprobe anschaue und wenn die mich nicht gewinnen kann, interessieren mich die Rezensionen überhaupt nicht. Meist lese ich auch hinterher keine Rezension, weil da immer wieder eine dabei ist, die mir ungefragt den Inhalt spoilert.

    Die Bedeutung des Romanbeginns bei der Verlagssuche hat Susanne ja schon genannt und ich habe da ja eh keine Ahnung, stimme aber intuitiv zu. Wobei ich mir denke, dass ein guter Pitch da auch einiges rausreißen kann.

    Bleibt noch ein psychologischer Grund, den ich auch von der Abikorrektur kenne: Die Erwartung wie gut/spannend/whatever ein Text sein wird, beeinflusst die Wahrnehmung des Textes selbst. Und wenn man sich noch keinen Ruf als Autor erarbeitet hat oder dieser dem Leser/potentiellen Verleger unbekannt ist, dann ist es der Einstieg, der diese Erwartung erzeugt.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Drachenprinzessin am Mo Mai 07, 2018 2:57 pm

    @Drachenprinzessin: Keine Angst, das mit den Romananfänge einstellen ist bestimmt kein Ausschlusskriterium für dieses Thema der Leserunde! Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass du bisher jeden deiner Romananfänge in den Sand gesetzt hast. Wie man an Gotthelfs Einschätzung des Oberlippen-Einstiegs sehen kann, sind die Geschmäcker doch sehr unterschiedlich, und das offensichtlich auch völlig unabhängig davon, ob der Anfang eine bedeutsame Frage aufwirft oder nicht (denn wie gesagt fand ich den Einstieg mit der Oberlippe so interessant, dass ich ihn mehr als 20 Jahre lang nicht vergessen habe).
    Natürlich kann man nicht mit jedem Anfang jeden Leser erreichen, das ist mir klar. Mir ist nur nicht klar wie ich Leser von meinen Anfängen überzeugen soll wenn ich sie selber bescheiden bis schlecht finde

    Was deinen Anfang angeht, Susanne, wirft er für mich genügend Fragen auf um das Buch erstmal nicht aus der Hand zu legen. Neben den bereits erwähnten Fragen höre ich auch eine subtile Gesellschaftskritik heraus. Dabei stellt sich mir die Frage: Ergreift Alanerisk Partei für eine der beiden (oder mehreren) Seiten oder bleibt er neutral zu diesen und handelt nach seinen eigenen ethischen Prinzipien?
    Wie gesagt, ich würde das Buch nicht sofort aus der Hand legen, allerdings habe ich schon so viele schlechte Drachenromane gelesen, dass ich skeptischer bin als bei anderen Romanen (mir geht es da ähnlich wie Gotthelf mit seinen Prophezeiungen).


    Ich bin ein bischen Zwiegespalten ob Rezensionen wirklich helfen herauszufinden wie gut eine Geschichte ist. Ich halte Klappentexte gänzlich ungeeignet dafür, weil mir schon Geschichten mit miserablem Klappentext untergekommen sind, die sich beim (innendrinnen quer- und hinterher richtig) Lesen allerdings als wirklich gut herausgestellt haben. Ich öffne lieber das Buch an einer beliebigen Stelle und fange an zu lesen. Wenn mir gefällt was ich lese, dann leihe (oder in seltenen Fällen kaufe) ich mir das Buch aus.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Mo Mai 07, 2018 3:19 pm

    Wie gesagt, ich würde das Buch nicht sofort aus der Hand legen, allerdings habe ich schon so viele schlechte Drachenromane gelesen, dass ich skeptischer bin als bei anderen Romanen (mir geht es da ähnlich wie Gotthelf mit seinen Prophezeiungen)
    Genau das meine ich.
    Ein Anfang kann ja gar nicht jeden Leser ansprechen, schon allein weil manche - wie ich- voreingenommen sind. Nun also alle Kreativität in den Anfang stecken und es aufpolieren wie die "Vorzeigeseite" und alles andere dabei vergessen, wird mMn nicht viel bringen, denn die voreingenommenen werden vermutlich so oder so bald abspringen und die interessierten hätten auch bei einem weniger genialen Anfang vermutlich weiter gelesen. So erging es mir bei Metro. Das Gelaber am Anfang ist alles andere als brilliant, aber die Story nimmt dann schon Fahrt auf.

    Insofern ist es aber auch kein Beweis eines schlechten Anfangs, wenn er nicht alle Leser in den Bann zieht. Es wird solche Leute wie mich geben, die eine Story hören wollen, die nicht tausend mal erzählt wurden, und der Anfang erzählt nunmal keine Story.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mo Mai 07, 2018 3:45 pm

    @Gotthelf: Nein, natürlich habe ich nicht dich persönlich gemeint, sondern allgemein über Autoren gesprochen. "Aufs Podest heben" würde ich persönlich den Anfang eines Romans ebenfalls nicht, obwohl er, denke ich, schon eine etwas privilegierte Stellung gegenüber dem Rest einer Geschichte einnimmt (was jetzt im Umkehrschluss allerdings nicht heißt, dass dieser "Rest" unwichtig bzw. vernachlässigbar wäre).

    Zweifellos muss man jede einzelne Szene eines Romans wichtig nehmen, und wenn man sich als Autor hier auf den Standpunkt zurückziehen würde: "Ich widme nur dem Anfang meiner Geschichte (weil der die Leser packen soll) und den paar spannenden Actionszenen, die ich in der Handlung habe (weil die den Leser mit ihrer Spannung wegflashen sollen) besondere Aufmerksamkeit, alles Übrige kann ich vernachlässigen, weil ich es selbst nicht so interessant finde", dann wird man, denke ich, am Ende eine schlechte Geschichte haben.

    Was ihr über meinen Dracheneinstieg geschrieben habt, geht vollkommen in Ordnung für mich, da ihr offenbar genau die Fragen als auffällig empfindet, die ich in den ersten paar Zeilen aufwerfen wollte. Ich denke, dass man die Sache mit den "Fragen aufwerfen am Anfang", obwohl ich das wie gesagt schon wichtig finde, andererseits aber auch nicht überstrapazieren und versuchen sollte, eine möglichst große "Packungsdichte" an interessanten Fragen auf möglichst wenig Raum an den Leser zu bringen, damit er auch auf jeden Fall weiterliest. Gar keine Fragen zu Beginn fände ich definitiv zu wenig, zu viele Fragen, die den Leser gewissermaßen überschwemmen, würden im schlimmsten Fall keine Neugier, sondern bloß Verwirrung und Orientierungslosigkeit bewirken (das wäre dann vermutlich mehr so etwas wie postmaterialistische experimentelle Prosa mit heftigem intellektuellem Anspruch, die gar nicht wirklich von Lesern verstanden werden will).

    @Drachenprinzessin und Fred: Ja, ich finde auch, dass sich Rezensionen nur bedingt eignen, um mich für eine Geschichte zu interessieren, weil es einfach zu viele heterogene Geschmäcker gibt und ich es schon des öfteren erlebt habe, dass ich bei einer Rezension über einen Roman, den ich ebenfalls gelesen hatte, nur ungläubig und entsetzt den Kopf schütteln konnte, weil der Rezensent in meinen Augen weentliche Aspekte der Geschichte und ihrer Figuren komplett falsch wahrgenommen und dargestellt hatte (wenn einem das bei seinen eigenen Romanen passiert, muss man noch einmal ein bisschen heftiger auf seinen Gefühlen herumkauen, bis man sich wieder im Griff hat, aber das ist wieder eine andere Geschichte). Von daher ist für mich als Leserin der Einstieg in einen Roman (also jetzt nicht nur die ersten zwei oder drei Zeilen, sondern die erste Szene) schon recht wichtig, um zu entscheiden, ob der Autor sein Handwerk so gut versteht, um meine Zeit und Aufmerksamkeit für seinen kompletten Roman zu gewinnen. Bei einem strunzlangweiligen und/oder schlecht geschriebenen Beginn lege ich einen Roman in der Regel wieder zurück, weil ich nicht das Vertrauen habe, dass ein Autor, der den Anfang vergeigt, es später in der Geschichte auf wundersame Weise besser hinbekommt.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Mo Mai 07, 2018 4:16 pm

    Gar keine Fragen zu Beginn fände ich definitiv zu wenig
    Das wäre genau meine Frage gewesen. Kann man einen spannenden Anfang schreiben, ohne Fragen aufzuwerfen, zumindest ohne diese "gewichtigen Fragen", die den Plot betreffen?

    Ich weiß, dass ich bei meinem Anfang zumindest nicht aktiv versucht habe, Fragen aufzuwerfen, wohl aber aktiv versucht habe, meine Prota auf eine Weise einzuführen, die sie interessant macht.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mo Mai 07, 2018 5:24 pm

    Ich habe mir eben deinen Rose-Anfang in der Romanschmiede noch mal angeschaut. Ich denke, dass du, was interessante Fragen angeht, deine Szene durchaus noch optimieren könntest. Im Moment weckt dein Beginn (also der erste Absatz) in meinen Augen noch nicht das Interesse, das er wecken könnte, wenn du deine Szene ein wenig umstellen würdest.

    Wenn du z.B. die Info mit der Krankheit der Mutter bereits in diesem ersten Absatz geben und mit Roses Nähen verknüpfen würdest, wäre ihr Konflikt gleich von Beginn an vorhanden (z.B. etwas in der Art wie "Rose!" Der qualvolle Ruf ihrer Mutter ließ Rose zusammenzucken. Die Nadel, mit der sie eben das Loch in ihrer Bluse hatte stopfen wollen, glitt ab und drang in ihren Finger. Der Schmerz trieb ihr Tränen in die Augen, doch sie beachtete ihn nicht. Mit ängstlich klopfendem Herzen wandte sie den Kopf dorthin, wo ihre Mutter gerade dabei war, die Wäsche auszuwringen. usw.). Die dadurch aufgeworfenen Fragen wären zwar jetzt nicht unbedingt weltbewegend dramatisch, aber der ungewisse Zustand der Mutter stünde sofort mehr im Zentrum. Das wäre eine Idee, die deinen Einstieg m.E. sowohl dynamischer als auch fragentechnisch interessanter machen würde.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Mo Mai 07, 2018 7:26 pm

    Dazu muss ich sagen, dass ich den Anfang vermutlich am Ende nochmal von Grund auf neu schreiben werde...
    Vermutlich fange ich auch mit der woertlichen Rede der Mutter an. Mein Ziel ist es, ihren Konflikt zwischen ihren eigenen Wuenschen und ihren haeuslichen Pflichten RELATIV frueh einzubringen.

    Koenntest du den evtl nochmal unter die Lupe nehmen wenn ich mit der Ueberarbeitung fertig bin? Zusage waere nicht verbindlich, ist wo erst naechstes Jahr soweit Wink


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Susanne Gavenis am Di Mai 08, 2018 12:39 pm

    Sicher, das ist kein Problem. Sag mir einfach Bescheid, wenn du soweit bist.

    Noch mal kurz zu deinem Einstieg, um meine Worte von gestern noch ein wenig zu präzisieren: Sowohl was potenzielle (innere) Konflikte angeht als auch hinsichtlich der Möglichkeit, gleich zu Beginn interessante Fragen aufzuwerfen, wäre es in meinen Augen gut, nicht nur Roses häusliche Pflichten im Allgemeinen, sondern diese Pflichten speziell bezogen auf die Krankheit der Mutter und Roses diesbezügliche Ängste, Schuldgefühle und Loyalitäten am Anfang stärker ins Zentrum zu rücken, als du es im Moment tust. Ich denke, dass du die Symptome der Mutter, ihre Schmerzen, zunehmende Hinfälligkeit etc. durchaus noch deutlicher herausstreichen könntest, um damit gleich zu Beginn stärkere Anknüpfungspunkte für Roses Gefühle, Ängste, Zweifel zu haben, die Möglichkeiten für spannende Fragen eröffnen könnten. Krankheit, Siechtum, Angst vor dem Tod und ihre Verleugnung sind ein reichhaltiger Fundus, aus dem du dich für deinen Einstieg bedienen kannst. Im Moment tust du das m.E. noch relativ dezent und schöpfst das dramatische, emotionale und fragentechnische Potenzial noch nicht so aus, wie es in meinen Augen möglich wäre.

    @allgemein: Falls jemand, der nicht "offiziell" an dieser Leserunde teilnimmt, den Einstieg in seine Geschichte bezüglich interessanter Fragen ebenfalls gerne diskutieren möchte, kann er jederzeit seinen Text hier einstellen. Was mich angeht, so steht diese Leserunde jedem offen, der gerne etwas zu den einzelnen Themen schreiben möchte oder Fragen dazu hat.


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    Re: Welche Merkmale sollte die Einstiegsszene der Hauptfigur aufweisen, um den Leser in die Geschichte zu ziehen? - Spannung erzeugen durch bedeutsame Fragen

    Beitrag von Gotthelf am Di Mai 08, 2018 12:54 pm

    Ich verstehe, was du meinst, aber ich will da nicht zu dramatisch werden, denn es soll nicht aussehen, als waere ihr Leben nur scheiße. Ich habe da immer deine Geschichte vom Waechter des Elfenhains in Gedanken, wo alles so negativ war, dass ich mich gewundert habe, dass der Prota sich noch nicht die Pulsader aufgeschlitzt hat... Hab ich uebrigens bisher nicht kapiert.
    Jedenfalls, klar die Mutter ist krank und viel haben sie nicht, aber die Mutter ist auch nicht kurz vor dem Tod, das Verhaeltnis ist einigermaßen intakt und sie hungern nicht. Daher moechte ich die Anfangssituation zwar als schwierig, aber nicht als hoffnungslos darstellen. Ein Leser hat sich bereits davon gemacht, weil es ihm zu negativ war.


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