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    7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

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    Susanne Gavenis
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    7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mi Sep 30, 2015 6:16 pm

    Hier könnt ihr etwas zum 7. Abschnitt schreiben.
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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Drachenprinzessin am So Dez 27, 2015 8:17 pm

    Hallo Susanne!

    Wie auch schon im Kapitelabschnitt 6 ist hier einiges passiert - und endlich wird klar, warum Lilell so viel Mühe als Seherin hat.
    Aber der Reihe nach. Dieser Leseabschnitt beginnt ja damit, dass Lilell auf ihrer Lieblingslichtung sitzt und erfolglos nach Visionen forscht. Interessant finde ich dabei, dass die Bewegungen der Vögel ihr verraten, ob noch jemand anders in der Nähe ist bzw. ob ihr jemand folgt. Sie selbst ist in der Lage sich so zu bewegen, dass die Vögel ihr Gezwitscher bzw. Verhalten nicht verändern. Das ist ja mal eine tolle Fähigkeit und kann ihr noch nützlich werden
    Weil sie das Verhalten der Vögel so gut deuten kann, merkt sie auch, das etwas nicht stimmt und findet einen verwundeten Falken, den sie heilt ohne es im ersten Moment zu realisieren. Zum Glück sind Gwaina und Verdell Abeffna bei ihr und können es bezeugen. Für mich war das eine überraschende Wendung, da ich bis dahin nicht genug über die Heilerinnen wusste, um zu erkennen, worauf Lilells starkes Mitgefühl hinaus läuft. Wenn ich mir die Geschichte bis hierhin im Nachhinein anschaue mit dem im Hinterkopf, was ich über die Heilerinnen nun weiß, dann wird Lilells zweite Gabe durch die Vogelreferenz deutlich. Das soll jetzt keine Kritik an deiner Geschichte sein; das ist einfach nur meine Beobachtung Wink Allerdings hast Du hier ein wenig zu viel zurückgehalten, da erst nach dem Vorfall mit dem Falken erwähnt wird (ich glaube es war Gwaina), dass Mädchen/Frauen, die die Gabe des Heilens haben, besonders gut mit Tieren klar kommen.

    Wie Lilells Furcht vor ihrem Vater schon andeuten lässt, ist Rohn immer noch ganz der alte, obwohl er besorgt um seine Sicherheit ist, seitdem er durch seine Spione von Vailias Tod erfahren hat. Rohn wird wohl so schnell niemand nach dem Leben trachten wollen, es sei denn diese Person(en) wollen Lilell so schnell wie möglich auf dem Thron sehen. Irgendwie bezweifle ich das, vor allem weil Rohn daran zurückdenkt, wie sein mittlerweile dritter Waffenmeister seinen Posten erhalten hat. Das scheint mir eine richtige Ellbogengesellschaft zu sein, in der einzig der Stärkste siegt.
    Das Leben der meisten Menschen beruht auf Wettstreit und Kampf.
    passt leider auch sehr gut in unsere Zeit.

    Rohn reagiert auf seine gewohnt angefressene Art als Fiéla ihm von Lilells zweiter Gabe erzählt. Irgendwie macht ihn dieses dauerhaft angefressen sein auf eine gewisse Art und Weise liebenswürdig Very Happy
    Aber Rohn wäre ja nicht Rohn, wenn er nicht an seiner Tochter zweifeln würde und sie nur unter der Bedingung auf Grentnor leben lässt, wenn sie die Köchin ohne Anleitung der Oberheilerin heilt (deren Namen ich leider vergessen habe aufzuschreiben ) Ich hab Lilell die Daumen gedrückt, weil ich es ihr wünsche, dass sie ihrem Vater mal die Stirn bietet. Als sie das dann eine Woche später im Gespräch mit ihm wirklich tut, freue ich mich unheimlich für sie. Übrigens finde ich es gut, dass diese Szene aus Rohns Sicht geschrieben ist, da so gerade erst deutlich wird, wie stark und selbstsicher Lilell auftritt. Ich musste lachen als Rohn versucht ihr den von ihm geplanten Tagesablauf aufzuzwingen, Lilell sich aber dagegen stellt und früher am Tag bereits Rückendeckung von ihrer Mutter erhalten hat, indem Fiéla Gwaina zu Lilells persönlicher Seherin ernannt hat. Bis dahin hatte ich mich auch gefragt, was mit Gwaina geschehen war.


    Ich finde es übrigens gar nicht so unwahrscheinlich, dass Gerrent in Lumaar einfallen könnte, wenn man mal seinen Charakter bedenkt. In dieser Hinsicht ist er Rohn viel viel näher als Kronot.
    Was die Heilierinnen angeht, finde ich es interessant, dass ihre Kräfte in der entgegengesetzten Richtung zu den Kräften der Seherinnen fließen. Das ist fast wie Yin und Yang, wobei die Heilerinnen auch Tiere heilen können.

    Liebe Grüße


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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mi Dez 30, 2015 5:13 pm

    Dass Lilells Affinität zu Vögeln erst im Rückblick die Bedeutung gewinnt, die sie in Wirklichkeit hat, und nicht schon relativ am Anfang der Geschichte aufgeklärt wird, war Absicht. Hätte ich bereits zu Beginn erwähnt, dass sich Tiere bei Heilerinnen besonders wohl fühlen, da sie deren Mitgefühl und angeborene Empathie spüren und sich daher sicher bei ihnen fühlen, und gleich darauf beschrieben, wie toll Lilell mit den Vögeln umgeht, hätte wohl selbst der dümmste Leser sofort die richtigen Schlüsse gezogen. Eine solche Verbindung zwischen Lilell und der Heiler-Fähigkeit wollte ich aber so früh im Verlauf der Handlung noch nicht so offen herstellen, weil andere Dinge zunächst wichtiger waren.

    Ich finde es eigentlich ganz schön, wenn dem Leser irgendwann wichtige Informationen gegeben werden und er - wenn er sich die Geschichte bis zu diesem Punkt der Handlung noch einmal in der Rückschau betrachtet - das Gefühl hat, dass sich bestimmte Details, die er zwar wahrgenommen, aber vielleicht nicht wirklich beachtet hat, nun zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen. Nun kann man auch verstehen, warum z.B. Gwaina nicht ebenfalls über eine solche empathische und mitfühlende Beziehung zu Tieren verfügt wie Lilell. Die Verbundenheit mit dem elementaren Lebensstrom aller Lebewesen und das intuitive Mitfließen darin ist eine Gabe, über die Heilerinnen in einem weit größeren Maß verfügen als Seherinnen, deren Fähigkeit eher einem punktuellen Abgreifen bestimmter Informationen aus der Essenz eines Menschen gleicht.

    Dies berührt zugleich einen wesentlichen Unterschied zwischen beiden Gaben, auf den vor allem Tiere sensibel reagieren: Während das Heilen in erster Linie ein Geben ist, das untrennbar mit Mitgefühl und emotionalem Mitschwingen verbunden ist - die Heilerin gibt sozusagen die Information darüber, wie der gesunde Körper eines Patienten funktionieren soll, auf der Trägerwelle natürlichen Mitgefühls an den Kranken weiter -, ist das Empfangen von Visionen mehr ein Nehmen, bei dem eine Information von einem bestimmten Menschen zur Seherin fließt. Dieses Nehmen ist bei weitem nicht so abhängig von Mitgefühl und empathischer Anteilnahme wie das Heilen, weshalb deine Assoziation zu Yin und Yang gar nicht verkehrt ist. Das Heilen als mitfühlendes Geben ist etwas Warmes, während das Empfangen von Visionen eher etwas Kaltes an sich hat, sodass beide durchaus als Gegensatzpaar aufgefasst werden können.

    Lilells Affinität gerade zu Vögeln, die sich ja durch die gesamte Geschichte zieht, wollte ich darüber hinaus als ein einheitliches Symbol verwenden, das ihre Sehnsucht nach Freiheit widerspiegeln sollte. Dass sie am Ende des ersten Bandes ihre Vögel in die Freiheit entlässt, stellt auf dieser symbolischen Ebene zunächst den Endpunkt einer Entwicklung dar, die für sie die zunehmende Emanzipation von den Erwartungen ihres Vaters bedeutet hat.

    Ja, Rohns permanentes Angefressen-Sein fand ich wie gesagt auch ganz witzig. Das hat schon irgendwie etwas Schrulliges (auch wenn es natürlich für ihn bitterernst ist ).
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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Drachenprinzessin am Mi Dez 30, 2015 5:31 pm

    Das witzige daran ist ja gerade, dass Rohn erst durch seine Schrulligkeit auf seine ganz besondere Art und Weise liebenswürdig rüber kommt


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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Lindenblüte am Mi Dez 30, 2015 6:10 pm

    Jetzt hat sie es Rohn aber gegeben.
    Das war irgendwie die ganze Zeit mein Hauptgedanke, während ich diesen Abschnitt gelesen habe. Ich habe mich für Lilell gefreut, als sie ihre "wahre" Gabe entdeckt hat, denn das erklärt ja auch, wieso es mit dem Sehen nicht so gut funktioniert hat, eine Sache, wegen der Lilell sich die ganze Zeit meiner Meinung nach selbst herunter gezogen und fertig gemacht hat.
    Übrigens an dieser Stelle mal ein Kompliment dafür, wie gut du den Sachverhalt einführst, dass es noch nie zuvor jemanden mit beiden Gaben auf einmal gegeben hat. Hätte mir irgendwer einfach die Situation grob erzählt (also Mädchen in einer Welt, in der es zwei Gaben gibt, Heilen und Sehen, und das plötzlich beides kann, obwohl es das noch nie zuvor gegeben hat), hätte ich vermutlich auf der Stelle meinen Mary Sue-Hammer geschwungen. Bei Lilell kam mir dieser Gedanke aber nicht einmal, bis ich den Abschnitt beendet hatte. Das liegt einerseits daran, dass du vorher bereits etabliert hast, dass ihre Gabe im Sehen nur schwach ist. Sie ist also nicht perfekt in beiden Gaben, was noch einmal dadurch betont wird, dass die ganze Zeit die lebenslustige Gwaina um sie herum hüpft, die eine so viel bessere Seherin ist. Andererseits spielt auch Lilells große Unsicherheit mit hinein. Obwohl sie im Heilen einiges an Talent mitzubringen scheint (was ja auch die Oberheilerin später bestätigt), ist sie sich zunächst fast sicher, dass es mit dem Heilen ähnlich laufen wird wie mit dem Sehen. Erst aus ihrer neu gefundenen wirklichen Begabung kann sie die Kraft ziehen, die sie braucht, um Rohn die Stirn zu bieten.
    Womit wir auch gleich zu dem Oberfiesling kommen können. Rohns ganzer schrulliger Zorn, den ich in den letzten Lilell-Abschnitten aufgrund der Tatsache, dass sie ihren Vater nicht gesehen hat, ein wenig vermisst hatte, kommt hier wieder voll zum Tragen. Obwohl er, glaube ich, nicht seinen Stuhl zerkratzt hat. Eigentlich hätte er ja bei und nach dem Gespräch mit Lilell Sägespäne fabrizieren müssen wie nie zuvor.
    Bemerkenswert fand ich auch Fielas Entwicklung, die mir allerdings ein wenig zu plötzlich kam. Das hätte man vielleicht ein wenig schöner in die Wege leiten und vorher bereits andeuten können, allerdings ist Fiela nun mal nicht der wichtigste Charakter, von daher ist es verständlich, dass sie nicht all zu viel Text für sich und ihre Entwicklung bekommen kann.
    Zum Schluss noch zum Heilen. Ich fand es schön, dass Lilell von ihren Erfahrungen bei den Seherinnen zehren konnte, sodass man als Leser auch nicht das Gefühl hatte, die neun Jahre dort wären verschwendete Zeit gewesen. Außerdem hat diese Zeit denke ich auch bewirkt, dass Lilell ruhiger und selbstsicherer geworden ist, wobei ein großer Schub dieser Selbstsicherheit auch sicher erst dadurch enstanden ist, dass sie ihre eigentliche Gabe entdeckt hat. Vorher kam sie sich ganz wie auch schon in den ersten fünf Jahren ihres Lebens immer ein wenig fehl am Platze vor; jetzt aber ist sie stark genug, um Rohn entgegen zu treten und für ihre Ansichten zu kämpfen.
    Damit hast du dann auch genau rechtzeitig für beide Charaktere den Midpoint erreicht. Ich nehme als theoretisches Grundgerüst das Board wie von Blake Snyder beschrieben, welches sich wiederum an der Heldenreise nach Campbell orientiert. Warte, hier ist ein Beispiel anhand von SW EP IV:
    http://www.savethecat.com/beat-sheet/the-star-wars-beat-sheet-part-one
    Dayin hat begonnen, einen Plan zu schmieden und Lilell hat ihren ersten kleinen Sieg errungen, indem sie über ihren Vater triumphiert hat. Allerdings warten auf beide weitere Gefahren und Prüfungen, bevor sie tatsächlich "siegen" können.
    Bis zum neuen Jahr und Band 2!
    LG Blütchen


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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Susanne Gavenis am Do Dez 31, 2015 11:54 am

    Freut mich sehr, dass dir die Sache mit den zwei Gaben in einer Person nicht negativ ins Auge gesprungen ist. Du hast meine Überlegungen, um genau das zu verhindern, sehr schön auf den Punkt gebracht. Ohne diese differenzierenden Modifikationen hätte es wahrscheinlich wirklich wie ein deus-ex-machina-Holzhammer gewirkt (Verpassen wir dem Protagonisten halt mal schnell ein paar Super-Fähigkeiten, bis er auch ganz bestimmt in der Lage ist, seine Probleme zu lösen und etwaige Bösewichte in die Tonne zu stampfen. Dabei bleibt dann oft jede kreative Problemlösung und Figurenentwicklung - und jede Plausibilität - auf der Strecke).

    Ich denke auch, dass es schnell die Spannung töten kann, dem Helden auf magische Weise - einfach weil er natürlich von vornherein die Anlagen zum mächtigen Thor in sich trägt, die nur noch im richtigen Moment erwachen müssen - mehr und mehr spektakuläre Kräfte anzudichten, um damit Schwächen in der Storykonzeption zu vertuschen. Die Entwicklung bei Lilell ist hingegen - wie du es erfreulicherweise auch empfunden hast - ein integraler Bestandteil der Geschichte und für die weitere Handlung sehr bedeutsam.

    Schön, dass du die Storykonzeption der Geschichte im Sinne der Heldenreise bis jetzt gelungen findest. Ich hatte mal vor einiger Zeit auf N24 (glaube ich) eine Reportage über die Heldenreise am Beispiel der Star Wars-Filme gesehen. Das war sehr interessant, und man konnte als Autor durchaus einiges davon lernen.

    So, ich werde in den nächsten ein, zwei Tagen mal die Abschnitte für den zweiten Band zusammenstellen. Wer Lust hat, kann gern schon mal in die ersten Kapitel des zweiten Teils hineinlesen.


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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Lindenblüte am Fr Jan 01, 2016 11:41 pm

    Ich denke auch, dass es schnell die Spannung töten kann, dem Helden auf magische Weise - einfach weil er natürlich von vornherein die Anlagen zum mächtigen Thor in sich trägt, die nur noch im richtigen Moment erwachen müssen - mehr und mehr spektakuläre Kräfte anzudichten, um damit Schwächen in der Storykonzeption zu vertuschen. Die Entwicklung bei Lilell ist hingegen - wie du es erfreulicherweise auch empfunden hast - ein integraler Bestandteil der Geschichte und für die weitere Handlung sehr bedeutsam.
    Jup. So etwas Ähnliches habe ich auch zum Beispiel bei Mythos Academy empfunden, weil
    Spoiler für Band 6 (Frostkiller):
    in dem Buch einfach niemand stirbt. Ich meine, dass man die entführte Oma in einem Stück zurückbekommt, lasse ich mir gerade noch so als glückliches Wunder verkaufen. Aber selbst im Endkampf wird genau ein Charakter von den vielen abgemurkst, die man überhaupt mit Namen kannte, und dieser Charakter kam im betreffenden Buch in drei Szenen vor, die er größtenteils damit verbracht hat, im Hintergrund herum zu stehen.
    Das bestärktedann noch das Gefühl, dass die Prota sich überhaupt nicht anstrengen musste. In der Mitte des Buches (zu dem Zeitpunkt, als sie auch mal eben so die Oma rettet), zaubert sie einfach ein Artefakt aus dem Ärmel, dass die Bösen eigentlich haben wollten, und bewirkt durch eine Art Verzauberung, dass es den Bösen stattdessen schadet. Klartext: der Anta kommt geschwächt zum Endkampf, während die Prota auf Höhe ihrer Macht ist. Funktioniert schon mal gar nicht. Hinzu kommt, dass sie ihre eigentliche Gegenspielerin zu einem Kampf herausfordert, in dem es zwar erst mal tatsächlich zur Sache geht, sie dann aber einfach ihre Magie einsetzt, um ihre Gegnerin bis in den Wahnsinn zu foltern. (Über die ethische Seite dieses "Kampfes" könnte ich jetzt ebenfalls noch ein paar Worte verlieren, lasse es aber mal lieber.)
    Diese Gegenspielerin und die andere wichtigste Figur der Bösen werden in wenigen Seiten besiegt, die zweite Figur sogar in einem einzigen Satz durch einen Schwertstreich. Und der eigentliche Anta kriegt keinen Endkampf, sondern wird mithilfe einer magischen Opferung zurück in seine Welt vertrieben.
    Zugegeben, diese Idee ist noch die beste von allen, weil ich von den ganzen epischen Endkämpfen in Fantasy langsam die Nase voll habe. Das Problem hier ist nur, dass es in dieser Reihe wirklich immer einen Kampf gab. Die Charaktere konnten noch nicht mal in Ruhe einen Kaffee trinken gehen, ohne dass eine böse Kreatur der Finsternis aus einem Busch hervor gesprungen kam und sie angefallen hat. Und dann, wenn ein Kampf mal wirklich angesagt wäre, wird der Anta durch einen mMn recht plumpen Trick dazu gebracht, sich so zu verhalten, dass die Prota ihn in Ruhe besiegen kann. Die Idee an sich hatte durchaus ihren Charme (im Endeffekt wirkt der Anta von eigener Hybris zu Fall gebracht), aber durch die Umsetzung wirkt es eben nicht wie eine moralische Lehre a la "Hochmut kommt vor dem Fall", sondern einfach so, als hätte die Prota plötzlich ungefähr zweihundert Prozent Kräfte mehr, als gut für sie sein kann.

    Schön, dass du die Storykonzeption der Geschichte im Sinne der Heldenreise bis jetzt gelungen findest. Ich hatte mal vor einiger Zeit auf N24 (glaube ich) eine Reportage über die Heldenreise am Beispiel der Star Wars-Filme gesehen. Das war sehr interessant, und man konnte als Autor durchaus einiges davon lernen.
    Ich liebe solche Modelle irgendwie, obwohl ich als Nicht-Plotter immer erst nach dem Schreiben des ersten Entwurfs mit ihnen rumspielen kann. Aber man lernt wirklich unglaublich viel über innere Zusammenhänge, wenn man sich ein wenig in die Materie einliest.

    Wer Lust hat, kann gern schon mal in die ersten Kapitel des zweiten Teils hineinlesen.
    Kommentar im entsprechenden Thread ist da.  Very Happy
    LG Blütchen


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    Re: 7. Abschnitt: Lumaar - Die Wärme ihres Herzens

    Beitrag von Susanne Gavenis am So Jan 03, 2016 11:15 am

    Wow, die Konflikt-Konzeption von diesem "Mythos Academy" klingt wirklich schlecht. Es ist schon klar, dass der (vielleicht auch deutlich unterlegene) Held im Endkampf gegen den Bösewicht eine reelle Chance bekommen muss, das Blatt zu wenden, aber dabei sollten seine eigene Anstrengung und seine eigenen Fähigkeiten an erster Stelle stehen. Glückliche Zufälle oder Umstände, die den Kampfverlauf begünstigen, sind sicherlich zulässig, sofern sie eine bestimmte Grenze nicht überschreiten, so wie du es offenbar bei der "Mythos Academy" empfunden hast. Wenn der Held unmittelbar vor dem Endkampf (oder in anderen wichtigen Auseinandersetzungen) plötzlich ein Kraft-Karnickel aus dem Hut zaubert, das bisher niemals auch nur mit einem Wort erwähnt wurde, fühlt sich der Leser einfach betrogen, weil der Autor das Versprechen, dass sich der Protagonist auch wirklich anstrengen muss, um sein Ziel zu erreichen, nicht gehalten hat.

    Ein probates Mittel ist es natürlich, bestimmte Fähigkeiten des Protagonisten, die im Endkampf oder sonstwann eine wichtige Rolle spielen werden, frühzeitig und sinnhaft in die Handlung einfließen zu lassen, sodass es später nicht wie eine deus-ex-machina-Keule wirkt, die jegliche Spannung kaputt schlägt. Sehr geschickt macht das z.B. Brandon Mull m.E. in seinen "Fabelheim"-Bänden, wo man als geschulter Leser sehr genau seine konzeptionellen Überlegungen erkennt, wenn er beispielsweise ein bestimmtes magisches Artefakt, das dem Helden bestimmte Fähigkeiten wie z.B. zeitlich begrenztes Schrumpfen verleiht, sehr früh und scheinbar beiläufig in der Handlung erwähnt, um später - beim Eindringen in den Schlupfwinkel des Schurken - darauf zurückgreifen zu können. Für meinen Geschmack reizt er dieses Muster zwar variantenlos etwas zu sehr aus, dennoch funktioniert es gut, weil er dem Leser niemals das Gefühl gibt, er würde den Helden in schwierigen Situationen ohne Vorankündigung eine plötzliche Superkraft andichten.

    Wie man dieses Muster "Held bekommt tolle Fähigkeiten, um im Kampf gegen den Bösewicht zu obsiegen" auf eine spannende Weise ins Gegenteil verkehren kann, hat z.B. der Film "Gladiator" gezeigt. Wenn dem besten Schwertkämpfer Roms unmittelbar vor dem Endkampf in der Arena noch schnell mal versteckt von dem Antagonisten ein Messer zwischen die Rippen gestoßen wird und er den kompletten Finalkampf mit beständig nachlassender Kraft bestreiten muss, ist das natürlich viel dramatischer, als würde er ausgeruht und nach einem herzhaften Frühstück gegen den Bösewicht in den Ring steigen. Den Helden vor wichtigen Kämpfen irgendwelche Handicaps zu verpassen, die sie behindern, und sie dann trotz dieser unerwarteten Probleme dennoch siegen zu lassen, ist sicherlich für den Leser oder Zuschauer viel befriedigender als das Gegenteil (aber auch viel schwieriger für den Autor zu handhaben).

    Das mit dem unwichtigsten Charakter der gesamten Geschichte, der am Ende als Einziger den Löffel abgeben muss, finde ich auch unsäglich. Ich erinnere mich noch gut an den "Denver Clan" aus meiner Jugend (wer nicht mehr weiß, was das war - so etwas wie GZSZ auf Amerikanisch), wo am Ende einer Staffel eine Horde Terroristen das Haus stürmen, in dem gerade eine Hochzeit stattfindet, und wild mit ihren Maschinenpistolen in die Menge ballern. Am Ende der Folge liegen alle wichtigen Figuren der Serie reglos in der Halle, und kein Zuschauer weiß, wer überlebt hat. In der ersten Folge der nächsten Staffel stehen alle unverletzt wieder auf - bis auf den Butler, den armen Bub, der blutüberströmt und von Kugeln durchsiebt tot liegen bleibt. Das war - gelinde gesagt - grotesk. SO sollte man auf jeden Fall keine Spannung erzeugen!


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