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    3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

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    Susanne Gavenis
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    3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mi 30 Sep 2015 - 5:24

    Hier könnt ihr etwas zum 3. Abschnitt schreiben.
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    Lindenblüte
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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Lindenblüte am So 25 Okt 2015 - 9:48

    Jetzt wird’s aber auch für Lilell wirklich spannend!
    Die Entscheidung, Lilell keine Geschwister zu geben, ist insofern sinnvoll, als dass nur so Rohns ganze Aufmerksamkeit auf sie gerichtet sein kann. Während das etwas ist, dass Dayin sich von seinem Vater wünschen würde, würde Lilell lieber den ganzen Tag mit ihren Vögeln verbringen. Hier war ich mir (im Gegensatz zu Dayin, da hatte mich das gar nicht gestört) ein wenig unsicher, ob Lilell sich nicht vielleicht ein wenig zu erwachsen benimmt. Dass sie schon sozusagen in dieser Voliere haust, seit sie drei Jahre alt ist, finde ich ein wenig unlogisch. Klar gibt es ruhigere Kinder, die nicht den ganzen Tag Action haben müssen, aber auch die wollen hin und wieder ein wenig Ablenkung haben.
    Zum Thema Einschränkungen von Fünfjährigen fällt mir gerade spontan noch die Beschreibung des Übungsplatzes ein, die Lilell gibt. Eine normale Fünfjährige würde einem Erwachsenen vielleicht bis zum Bauchnabel gehen, und es wird zudem beschrieben, dass Lilell außergewöhnlich klein ist. Demzufolge bin ich mir nicht ganz sicher, ob sie aus ihrer Froschperspektive heraus wirklich einen so guten Überblick über das Geschehen auf dem Platz hat, wenn sie direkt davor steht.
    Rohn bleibt ein konsistenter Antiheld. Durch die Beschreibung der Gemälde in dem Kapitel, in dem du aus seiner Perspektive berichtest, wird klar, dass sich an seinem Charakter in den letzten fünf Jahren nicht nennenswert etwas geändert hat. Ein paar Mal mehr hätte er seinen Stuhl ruhig noch zerkratzen können.
    Gerade während Rohn Lilell von den Vögeln wegbringt und zum Übungsplatz begleitet, fand ich die subtile Charakterisierung sehr gut gelungen. Hier hat mir auch der Satz gefallen, der erwähnt, dass Lilell früher versucht hat, seine Hand zu halten, dieses Verhalten aber inzwischen abgelegt hat. → Früher hat sie sich seine Aufmerksamkeit gewünscht, doch Rohn, der damals noch dachte, er könnte einen weiteren Nachfolger zeugen, wollte mit ihr nichts zu tun haben. Deswegen hat Lilell sich immer mehr auf ihre Mutter und sich selbst verlassen. Ihr Vater ist für sie eine nahezu fremde Person, von der nicht viel Gutes ausgeht. Rohn interpretiert Lilells Verhalten jedoch ganz anders als ich, nämlich, dass sie sich „endlich Manieren angewöhnt hat“, was seine Arroganz zeigt.
    Rohn scheint noch nicht einmal wirklich klar zu sein, wie sehr er Lilell benutzt, zumindest zu Beginn nicht. Als er ihr jedoch auf dem Übungsplatz gut zuredet, wird seine eiskalte Berechnung deutlich. Hier wird auch klar, dass Lilell, überrascht von der plötzlichen Zuwendung ihres Vaters, mit allem Eifer danach strebt, seinem nicht vorhandenen Sohn ebenbürtig zu sein, jedoch nicht denkt, dass sie dazu wirklich in der Lage ist. Sie hat also die Gedanken ihres Vaters übernommen und lehnt sich nicht gegen diese auf. Obwohl ihr eigentlich klar ist, dass ihr Vater ungerecht handelt bzw. es deutlich nettere Menschen in dieser Welt gibt (wie in dem Vergleich mit Abeffna deutlich wird), denkt sie nicht einmal daran, gegen ihn aufzubegehren.
    Hier wäre mein einziger wirklicher Kritikpunkt, dass Lilell und Dayin beide zwei – verschärft ausgedrückt – sehr weiche, kluge und sanfte (und zudem blonde! ) Kinder sind, die Ungerechtigkeit sehr wohl erkennen, wenn man damit nach ihnen wirft, es jedoch nicht wagen, sich dagegen zu stellen. Das merkwürdige ist, dass ich diesen Eindruck beim Lesen überhaupt nicht hatte, sondern erst gerade, als ich meine Notizen sortiert habe. Deshalb schränke ich meine Kritik auch gleich wieder stark ein: rein faktisch mag es so sein, aber es fühlt sich beim Lesen nicht so an.
    Ich habe gerade aber auch noch einmal scharf nachgedacht, wie man die ganze Sache anders lösen könnte, und es funktioniert einfach nicht. Dayin und Lilell müssen beide so sein, wie sie sind, damit ihre jeweiligen Geschichten so ablaufen, wie sie ablaufen. So, und nach dem Satz habe ich jetzt einen akuten Fall von Hirnverknotung.
    Eine weitere Gemeinsamkeit von Dayin und Lilell ist, dass sie beide unter ihren Geschwistern leiden – Dayin unter einem sehr realen Gerrent, und Lilell unter der toten Fehlgeburt Dornaikall und dem „Was wäre wenn“, mit dem ihr Vater ihr ständig in den Ohren liegt.
    Beide können einem wirklich nur leid tun. Ich frage mich, ob sie später irgendwie „zusammen“ finden, oder ob die beiden Handlungsstränge bis zum Ende parallel ablaufen werden.
    Eine kleine Sache ist mir aufgefallen: in Rohns Kapitel wird erwähnt, dass Lilell morgens Anstandsunterricht hat und deswegen erst am Nachmittag auf den Übungsplatz geschickt wird. In Lilells Kapitel geht sie hingegen morgens zum Übungsplatz.
    Wo wir gerade an dieser Stelle sind: die konsequent durchgezogene Vogelmetapher fand ich sehr gut dargestellt. Auch Lilells Angst vor dem Training war sehr intensiv beschrieben. Das Mädchen braucht jemanden, der sie mal umarmt.
    Schließlich kommt noch die prophetische Weissagung hinzu, wie ja im Titel dieses Teils bereits angedeutet wurde. Das wird bestimmt noch höchst interessant.
    Vor allem freue ich mich aber erst einmal für Lilell, dass sie von Rohn weg ist. Die Seherinnen scheinen bis jetzt ja alle recht nett zu sein, und auch wenn Lilell immer noch unter der Fuchtel ihres Vaters steht, hat er wenigstens keine direkte Kontrolle mehr über sie, da er nicht vor Ort ist.
    Übrigens glaube ich ja, dass Abeffna irgendetwas im Schilde führt. Im Gespräch mit Rohn auf dem Übungsplatz hatte ja auch Rohn selbst bereits diesen Gedanken. Vielleicht sind wir beide auch nur gleichermaßen paranoid.
    Ich schätze Abeffna aber so ein, dass er auf keinen Fall ein Komplett gegen Lilell plant, sondern eher eins gegen Rohn – vielleicht sogar, um Lilell ein wenig zu helfen? Natürlich keine offene Rebellion, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass er jetzt, wenn Rohn nicht mehr genau überblicken kann, was Lilell lernt, ein wenig langsamer mit ihr arbeitet, als Rohn das gerne hätte.
    Jetzt möchte ich aber wieder wissen, wie es mit Dayin weitergeht.
    LG Blütchen


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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mo 26 Okt 2015 - 4:06

    Wow, du bist wirklich eine aufmerksame Leserin! Das mit der Froschperspektive bei einem Kind habe ich zugegebenermaßen beim Schreiben der Szene gar nicht im Blick gehabt. Du bist auch der Erste, dem das überhaupt aufgefallen ist (d.h., dass es zum Glück offenbar nicht so krass ins Auge springt). Gleiches gilt leider auch für Lilells morgendlichen Gang zum Übungsplatz, obwohl sie ja laut des Kapitels zuvor morgens eigentlich Anstandsunterricht haben sollte. Es ist kaum zu glauben, dass bei allen Gedanken, die ich mir selbst und andere sich zu der Geschichte gemacht haben, dieses Detail niemals irgendjemandem aufgefallen ist    . Da sieht man mal wieder, was für ein kognitiver Kraftakt das Schreiben von Romanen doch ist und wie schnell sich so ein Fehler einschleichen kann, der sogar noch der allerletzten Endkorrektur durch die Lappen geht!

    Keine Frage, Lilell benimmt sich in der Tat für ein so junges Kind sehr vernünftig. Gerade diese Sanftmut und ihre Genügsamkeit, was irgendwelche "Action" angeht, waren in meinen Augen für ihren Charakter notwenig, um einen möglichst großen Kontrast zu Rohn und seinen Ansprüchen zu erzeugen. Der Widerspruch zu seinen Wünschen und Hoffnungen und dem, was er mit Lilell schließlich vom Universum vor die Nase gesetzt bekommt, ist auf diese Weise so groß, wie es mir nur eingefallen ist, um die Konflikte für die Figuren möglichst stark zu machen. Sowohl Rohn als auch Lilell finden sich aufgrund ihrer Persönlichkeiten in einer Situation wieder, die für beide einen großen Konflikt bedeutet. Wäre beispielsweise Gerrent statt Lilell Rohns Kind, wäre das weder für Rohn noch vermutlich für Gerrent ein großes Problem (eher im Gegenteil), da beide jeweils die Erwartungen, die der andere ans Leben hat, ziemlich gut erfüllen würden.

    Du hast es selbst schon gesagt: Dayin und Lilell mussten im Grunde als Charaktere genau so konzipiert sein, wie sie es nun sind, um die Geschichte in dieser Form überhaupt möglich zu machen. Um beim guten Gerrent zu bleiben: Wäre er die Hauptfigur der Geschichte, auf die sich die Prophezeiung richtet, statt Dayin, würde es zum einen nicht eine solche Diskrepanz zwischen dem Inhalt der Prophezeiung und der Art geben, wie Gerrent nach außen hin auftritt und von anderen wahrgenommen wird - ein lautes, energisches, aggressives Kind, das trotzig seinen Willen durchsetzen will, wenn ihm irgendetwas nicht in den Kram passt, könnte schon irgendwann seinen Vater umbringen, undenkbar wäre das jedenfalls nicht (wie ihr bereits selbst vermutet habt). Bei Dayin hingegen fragt sich jeder: "Häh? Wie soll das denn abgehen?" und wird neugierig. Zum anderen würde Gerrent völlig anders mit dem Wissen um die Prophezeiung umgehen als Dayin, und die Art, wie ich in der Geschichte versucht habe, Mitgefühl und Sympathie für Dayin zu erzeugen, wäre völlig unmöglich gewesen, wenn es stattdessen Gerrent gewesen wäre, der unter der Prophezeiung zu leiden gehabt hätte. Je introvertierter und "lieber" die Hauptfigur in diesem Fall ist, desto bessere Möglichkeiten zur Identifikation gibt es - und desto leichter ist es auch, sie leiden zu lassen (was ja ein ganz wichtiger Faktor ist). Bei Gerrent als Protagonist wäre es, denke ich, schwierig geworden, beim Leser das Bedürfnis zu erzeugen, ihn spontan mal in den Arm zu nehmen und ein bisschen zu knuddeln, damit es ihm wieder besser geht (was ich beim Schreiben bei Dayin relativ oft hatte).

    Was für den Charakter von Dayin und Lilell gilt, gilt im Grunde ebenso für ihr Aussehen (auch wenn hier natürlich eine Menge Klischees ins Spiel kommen). Ein zartes, feingliedriges und blondes Kind weckt eher den Beschützerinstinkt beim Leser als ein stämmiges, braungebranntes und schwarzhaariges (dem man instinktiv mehr Robustheit zutraut), sodass auch das Äußere meiner beiden Hauptfiguren für diese bestimmte Geschichte wie ein Deckelchen auf sein Töpfchen gepasst hat.

    Dass Lilell sich mit den Erwartungen ihres Vaters identifiziert, auch wenn sie darunter leidet, und nicht dagegen aufbegehrt, ist ganz normal und - zumal in einem solchen frühen Alter - anders gar nicht möglich. Kinder erspüren seismographisch (ich mag dieses Wort!), auch ohne dass sie es bewusst in Worte fassen könnten, wie sie sein müssen, um von ihren Eltern geliebt zu werden. Und dieses Geliebt-werden ist etwas derart Elementares, dass ein Kind sich bis weit über die psychische und körperliche Schmerzgrenze selbst verbiegen würde, um diese Liebe zu bekommen bzw. sie nicht zu gefährden. Dass Kinder ebenso darunter leiden, sich überhaupt verbiegen zu MÜSSEN, ist etwas anderes, führt aber nicht dazu, dass sie heroisch aufbegehren und zornig für mehr Gerechtigkeit kämpfen (manche bzw. viele schaffen das erst als Erwachsene und nach einer intensiven Psychotherapie, wenn überhaupt).

    Dayins und Lilells Handlungsstränge werden NATÜRLICH irgendwann zusammengeführt! Alles andere wäre auch ziemlich unbefriedigend, weil im Grunde - würde ich mal vermuten - kein einziger Leser etwas anderes erwartet, und Lesererwartungen derart heftig zu enttäuschen, wäre sicherlich keine gute Idee (etwa wenn Dayin und Lilell beide alt werden würden, irgendwen heiraten, Kinder und Enkelkinder bekommen und schließlich sterben, ohne sich jemals begegnet zu sein oder vom anderen überhaupt zu wissen. Da würde sich mit Sicherheit jeder zurecht fragen: "Und was sollte das jetzt alles?"). Allerdings dauert es noch einige Zeit, bis es soweit ist, weil vorher eine Menge mit und in den Figuren passieren muss, bevor ein Treffen der beiden sinnvoll ist.

    Verdell Abeffna ist übrigens von allen meinen Geschichten eine meiner Lieblings-Nebenfiguren. Obwohl er keine wirklich große Rolle in dem Roman hat, mag ich seine ruhige und besonnene Art und dieses Gefühl des In-sich-Ruhens, das er vermittelt. So einen lässigen Leibwächter hätte ich auch gerne!  
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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Lindenblüte am Mo 26 Okt 2015 - 5:43

    Hallo

    Was für den Charakter von Dayin und Lilell gilt, gilt im Grunde ebenso für ihr Aussehen (auch wenn hier natürlich eine Menge Klischees ins Spiel kommen). Ein zartes, feingliedriges und blondes Kind weckt eher den Beschützerinstinkt beim Leser als ein stämmiges, braungebranntes und schwarzhaariges (dem man instinktiv mehr Robustheit zutraut), sodass auch das Äußere meiner beiden Hauptfiguren für diese bestimmte Geschichte wie ein Deckelchen auf sein Töpfchen gepasst hat.
    Das sind ja auch beileibe keine großen Sachen, sie sind mir nur aufgefallen, als ich noch mal mit meinen Notizen über den Teil drüber gesehen habe.

    Keine Frage, Lilell benimmt sich in der Tat für ein so junges Kind sehr vernünftig. Gerade diese Sanftmut und ihre Genügsamkeit, was irgendwelche "Action" angeht, waren in meinen Augen für ihren Charakter notwenig, um einen möglichst großen Kontrast zu Rohn und seinen Ansprüchen zu erzeugen.
    Jup. Denn Kontrast = Spannung und Spannung = Story. Das "Zusammenspiel" zwischen Rohn und Lilell gefällt mir auch sehr gut.

    Um beim guten Gerrent zu bleiben: Wäre er die Hauptfigur der Geschichte, auf die sich die Prophezeiung richtet, statt Dayin, würde es zum einen nicht eine solche Diskrepanz zwischen dem Inhalt der Prophezeiung und der Art geben, wie Gerrent nach außen hin auftritt und von anderen wahrgenommen wird - ein lautes, energisches, aggressives Kind, das trotzig seinen Willen durchsetzen will, wenn ihm irgendetwas nicht in den Kram passt, könnte schon irgendwann seinen Vater umbringen, undenkbar wäre das jedenfalls nicht (wie ihr bereits selbst vermutet habt).
    Was ich mir eventuell vorstellen könnte, wäre ein Dayin-artiges Kind, das sich durch die Gefühle, die ihm entgegen gebracht werden und durch den Druck der Prophezeiung schließlich einen kleinen Gerrent verwandelt (möglicherweise nicht ganz so krass, aber eben in die Richtung). Wenn aus Dayins Trauer darüber, dass sein Vater ihn seiner Meinung nach nicht liebt, Hass entstehen würde, könnte es sogar so weit kommen, dass er Kronot tatsächlich eines Tages umbringt. Selbsterfüllende Prophezeiung und so.
    Ich denke nicht, dass das die Geschichte ist, die du hier erzählen wirst, denn dann hätte sich Dayin im vierten Teil bereits stärker in diese "negative" Richtung verändern müssen. Aber mMn wäre es möglich und man würde den Leser dabei höchstwahrscheinlich nicht verlieren, da dieser ja noch den Dayin vom Anfang im Kopf hat, der ein nettes und liebes Kind war und erst durch seine Umwelt umgeformt wurde.

    Was für den Charakter von Dayin und Lilell gilt, gilt im Grunde ebenso für ihr Aussehen (auch wenn hier natürlich eine Menge Klischees ins Spiel kommen). Ein zartes, feingliedriges und blondes Kind weckt eher den Beschützerinstinkt beim Leser als ein stämmiges, braungebranntes und schwarzhaariges (dem man instinktiv mehr Robustheit zutraut), sodass auch das Äußere meiner beiden Hauptfiguren für diese bestimmte Geschichte wie ein Deckelchen auf sein Töpfchen gepasst hat.
    Jain? Einerseits stimme ich dir zu, andererseits kann ich mir auch so einen Snape-Typen gut in der Opferrolle vorstellen. Es gibt natürlich gewisse Aussehensmerkmale, die sich besser eignen als andere, aber ich würde nicht sagen, dass die Marke "blond, zart und klein" da die einzige Option ist.


    Dayins und Lilells Handlungsstränge werden NATÜRLICH irgendwann zusammengeführt! Alles andere wäre auch ziemlich unbefriedigend, weil im Grunde - würde ich mal vermuten - kein einziger Leser etwas anderes erwartet, und Lesererwartungen derart heftig zu enttäuschen, wäre sicherlich keine gute Idee (etwa wenn Dayin und Lilell beide alt werden würden, irgendwen heiraten, Kinder und Enkelkinder bekommen und schließlich sterben, ohne sich jemals begegnet zu sein oder vom anderen überhaupt zu wissen. Da würde sich mit Sicherheit jeder zurecht fragen: "Und was sollte das jetzt alles?"). Allerdings dauert es noch einige Zeit, bis es soweit ist, weil vorher eine Menge mit und in den Figuren passieren muss, bevor ein Treffen der beiden sinnvoll ist.

    Ja, ich war auch ziemlich sicher, dass es so kommt, hätte mir aber auch vorstellen können, dass sie mehrmals aneinander "vorbei treiben", sich aber erst im End-Klimax wirklich begegnen.

    Verdell Abeffna ist übrigens von allen meinen Geschichten eine meiner Lieblings-Nebenfiguren. Obwohl er keine wirklich große Rolle in dem Roman hat, mag ich seine ruhige und besonnene Art und dieses Gefühl des In-sich-Ruhens, das er vermittelt. So einen lässigen Leibwächter hätte ich auch gerne!  
    Diese Sorte von Figuren ist immer die beste!
    LG Blütchen


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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mi 28 Okt 2015 - 3:44

    Klar, blond und zartgliedrig ist mit Sicherheit nicht die einzige Option, um Figuren als Opfer in einer üblen Situation zu beschreiben (das wäre ja auch ziemlich merkwürdig). Aber gerade dadurch, dass es neben Dayin auch noch Gerrent gibt und der Kontrast zwischen ihnen sowohl von ihrer Persönlichkeit als auch von ihrem Aussehen her so groß wie möglich sein sollte (und außerdem Gerrent von seinem Äußeren mehr nach seinem Vater als nach seiner Mutter kommen sollte, um die Konflikte zwischen ihm und Dayin dadurch noch mehr zu verschärfen), waren im Grunde ihre jeweiligen Parameter für mich vorgegeben. Es hätte sich in meinen Augen einfach nicht stimmig angefühlt, wenn beispielsweise Dayin das Aussehen von Gerrent und umgekehrt besessen hätte. Das mag sicherlich auch eine Frage des subjektiven Empfindens sein, aber für mich war bei dieser Figuren- und Konfliktkonstellation das Aussehen beider ziemlich klar vorgegeben.

    Witzigerweise hatte einer meiner Probeleser eine drollige Assoziation zu "Dayin" - er fragte, ob der Name vom Englischen abgeleitet wäre (Day in, also gewissermaßen: "Lass die Sonne in dein Herz!") und auf diese Weise das Helle und Unschuldige ausdrücken sollte, während "Gerrent" vom lateinischen "gerrere" stammen und so viel wie "streiten" oder "kämpfen" bedeuten solle (ich habe mein lateinisches Wörterbuch gerade nicht zur Hand, aber ich glaube, so etwas in der Richtung hat er gesagt). Diese Gedanken habe ich mir zwar bei keinem von beiden gemacht, ich finde sie allerdings gar nicht übel. Dabei muss ich mal wieder an das denken, was ein Autor mal in einem Interview gesagt hat, wo er meinte: "Ich wusste gar nicht, wie klug ich bin, bis ich die Rezensionen meiner Romane gelesen habe." Das gefällt mir.    

    Durchaus, eine Geschichte, wo die Hauptfigur immer tiefer in einen Strudel aus destruktiven Ereignissen und falschen Entscheidungen hineingerät und am Ende sich und alles um sich herum in den Abgrund reißt, wäre natürlich ohne weiteres möglich. Solche Geschichten haben auf alle Fälle ihren Reiz (so was wie etwa "Jenseits von Eden", "Lolita" u.ä.), weil sie oft auf eine elementare Weise etwas über den Menschen und Menschlichkeit aussagen und von starken Gefühlen und tiefer Tragik gekennzeichnet sind. Ob es mit Dayin ebenfalls in eine solche Richtung geht, wird sich erweisen.
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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Drachenprinzessin am So 1 Nov 2015 - 1:58

    Sieht ganz so aus, als wäre ich etwas sehr spät dran...

    Rohn ist ja doch mehr Antiheld als Antagonist, was zu Beginn dieses Abschnittes noch mal deutlich wird (ich mein die durchs Unwetter verlorene Ernte).
    Lilell kommt mir wie ein zartes Blümchen vor, das eigentlich nichts auf dem Übungsplatz verloren hat. Kann sie denn mit ihren fünf Jahren denn schon so einen guten Überblick über den Übungsplatz haben? Das wollte sich mir jetzt nicht so direkt erschließen. Dafür ist es umso logischer, dass sie sich dem Training hingibt, weil sie Rohn gefallen will, der das natürlich schamlos für seine Zwecke ausnutzt und sie in den folgenden drei Wochen immer wieder mit ihrem als Säugling gestorbenen Bruder vergleicht. Es ist ziemlich grausam und setzt Lilell verständlicherweise nur noch mehr unter Druck. In gewisser Weise endet mit dem Beginn des Trainings ihre Kindheit für sie, auch wenn es nicht auf die gleiche grausame und ... ruckartige Art geschehen ist, wie das bei Dayin der Fall war. ("ruckartig" ist glaub ich nicht das richtige Wort, mir fällt aber gerade nichts besseres ein)

    Der Waffenmeister Verdell Abeffna scheint ja ein netter Kerl zu sein, nicht nur Lilell gegenüber. Ich find's süß, dass sie sich sicher auf dem Übungsplatz fühlt, wenn er in der Nähe ist. Er könnte im weiteren Verlauf der Geschichte auch noch so etwas wie eine Vaterfigur für sie werden? Jedenfalls wäre er ein besserer Vater für sie als Rohn *hust hust*, der ja ziemlich arrogant ist und ihr fügsames Benehmen als "gelernt, Manieren zu haben" interpretiert, wobei sich Lilell aber eigentlich von ihrem Vater distanziert hat. So klingt es jedenfalls für mich, vielleicht hab ich da auch einfach nur zuviel hinein interpretiert?

    Fiéla trägt auch schwer an ihrer Fehlgeburt, weil sie gehofft hatte, durch einen Sohn Lilell behüteter aufwachsen lassen zu können. Vielleicht hab ich auch hier zuviel hinein interpretiert? Irgendwie kommt es mir auch so vor, als ob Du durch den Prunk Grentnors sowohl Rohns als auch Fiélas Charakter unterschwellig beschreibst, da Rohn den Prunk immer wieder bewundert und geradezu darin aufzugehen scheint, während Fiéla ihm mehr oder weniger gleichgültig gegenübersteht. Ihre Lieben scheinen ihr viel wichtiger zu sein als jeglicher Reichtum, was sie in meinen Augen sehr sympathisch macht.

    Durch die Vision, mit dessen Hilfe Lilell einem Kutscher das Leben rettet, wird sie ins Dorf der Seherinnen aufgenommen. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll, da ich noch nicht wirklich weiß, was ich von den Seherinnen halten soll, aber ich hoffe, dass Lilell zumindest glücklich aufwächst. Na ja, ich werde es wohl sehr bald erfahren
    Dieses Dorf der Seherinnen (dessen Namen ich bereits wieder vergessen hab ), leben dort nur die (angehenden) Seherinnen aus Lumaar oder aus beiden Königreichen? Das ist für mich nicht so ganz klar.

    LG
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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Élandor am So 1 Nov 2015 - 6:08

    Puh, zum Glück ging es noch nicht weiter, wie ich sehe.
    Diesen dritten Abschnitt hatte ich zwar schon vor einer Woche abgeschlossen, war dann aber in Berlin und kam nicht dazu, etwas beizusteuern. Zudem habe ich meinen Reader vergessen, was heißt, dass ich auch nicht weiterlesen konnte. Jetzt bin ich aber wieder zuhause und versuche, ohne nachzulesen, eine Rückmeldung abzuliefern.

    Zu aller erst möchte ich noch eine allgemeine Sache loswerden. Ich finde die Idee, die einzelnen Kapitel der Abschnitte immer aus verschiedenen Sichten zu schreiben, sehr interessant und vor allem gelungen. So hat man nicht konstant das Gefühl, einer und derselben Person die ganze Zeit hinterher zu rennen, da die Schwerpunkte auf diverse Personen verteilt werden, statt bloß auf eine oder zwei.

    Ich glaube, ich brauche nicht zu wiederholen, was bereits vor mir ausführlich behandelt wurde. Grob zusammengefasst schließe ich mich Lindenblüte komplett an, was die Charakterisierung Rohns und Lilells betrifft: Gelungen, spannend und alles andere als schwarz weiß. Sehr schön finde ich hier wieder die Sache mit den familiären Umständen und Verhältnissen. Lilell ist zwar Einzelkind, aber das kann, wie hier sehr gut dargestellt, eine genauso große Last sein, wie ein bevorteiligter Bruder. So wird Rohn in diesen Kapiteln zwar nicht unbedingt sympathisch, aber zumindest habe ich keinen imensen Hass auf ihn, wie bei anderen Königen, Herrschern oder halt Vätern. Vielleicht ist einfach nur schon zu lange her, aber trotzdem habe ich bei Fiéla das Gefühl, dass sie ihre Tochter zwar liebt und beschützt, so gut es geht, aber nicht so hinter ihr steht wie Dayins Mutter hinter ihm. Vermutlich wird das aber von der Prophezeiung beeinflusst, welche Dayin ja wie eine Wolke umgibt.

    Und dann, die eigentlich kaum zu erahnende Wendung: Lilell wird Seherin. Von diesem Punkt an wird es hoch interessant. Ich persönlich bin in anderen Romanen und Geschichte nur selten Seherinnen begegnet und weiß nun nicht besonders viel über die allgemeine Klischee-Seherin und ihr Leben und bin gespannt, wie sich Lilell hier entwickeln wird, das erste Mal unter gleichaltrigen Mädchen und komplett ohne Jungs...
    Auf der Fahrt kommt dann auch wieder das Wetter ins Spiel Wink

    Irgendwie habe ich das Gefühl mich total verrannt, oder schon alles gesagt zu haben. Darum sei meine kurze Rückmeldung hiermit beendet und ich mache mich an Abschnitt Numero vier.

    Liebe Grüße
    Élandor


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    Re: 3. Abschnitt: Lumaar - Mit den Augen einer Seherin

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mo 2 Nov 2015 - 7:35

    Ich stimme euch bei allen euren Gedanken zu. Bei Dayin endet seine Kindheit ganz sicher mit einem größeren und dramatischeren Knall als bei Lilell, weil bei ihm durch das Wissen um die Prophezeiung die fundamentalen Gewissheiten, auf die ein Kind eigentlich vertrauen können sollte, viel brutaler und nachhaltiger als bei Lilell kaputt geschlagen werden. Für Lilell geht es im Grunde in einem mehr oder weniger fortdauernden Kontinuum der Enttäuschungen weiter, während Dayin verdauen muss, dass sein eigener Vater Todesangst vor ihm hat. Das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit ist dadurch für Dayin deutlich stärker zerstört als für Lilell, die sich irgendwo immer noch an die Hoffnung klammern kann, ihren Vater zufriedenstellen zu können (und damit von ihm geliebt zu werden).

    Bei Fièla hatte ich mir in der Tat gedacht, dass sie es sich selbst nicht wirklich verzeihen kann, Lilell durch die Geburt eines Sohnes nicht aus Rohns Schusslinie herausbekommen zu haben. Immerhin kennt sie ja ihren Mann und weiß, wie fixiert er auf einen männlichen Erben ist. Und ich finde auch, so wie du, Elandor, dass Fièla im Vergleich zu Dayins Mutter die charakterlich schwächere Figur ist. Zweifellos liebt sie ihre Tochter, aber ihre Liebe hat insofern Grenzen, als sie sich nicht offen gegen ihren Mann stellen würde. Sie würde zwar viel für ihre Tochter tun, aber sie würde nicht ALLES für sie tun. Dayins Mutter ist da ganz sicher viel rückhaltloser, wenn es darum geht, ihren Sohn zu beschützen (wie sich bald erweisen wird).

    Verdell Abeffna wäre, glaube ich, jedermanns Lieblings-Papi. Von daher ist seine Rolle für Lilell nicht zu unterschätzen. Dass er ihr das Gefühl gibt, sie so zu akzeptieren, wie sie ist, ohne sie zu einer zweiten Xena umformen zu wollen, ist für Lilell gerade im Hinblick auf Rohns fortwährende Enttäuschung über ihre Fähigkeiten von großer Bedeutung für sie.

    Jedes Königreich hat sein eigenes Seherinnen-Dorf. Dort, wo Lilell nun aufwächst, leben also nur die Seherinnen Lumaars. Ich bin ja mal gespannt, Elandor, wie dir das Leben der Klischee-Seherinnen so gefällt (Parties und Alk ohne Ende, nur Sonntags wird ausgepennt. Und mit dem Zölibat nehmen es die Mädels auch nicht so genau ).

    Mit der Abschnittseinteilung des ersten Bandes bin ich auch ganz zufrieden. In meiner allerersten Version gab es diese Zeiteinteilung noch nicht, sondern Dayins und Lilells Kapitel und Szenen waren bunt gemischt. Ich hatte aber das Gefühl, dass das zu unruhig und chaotisch gewirkt hat, und habe mich deshalb für die strikte Trennung beider Handlungsebenen entschieden (die erst im zweiten Band aufgehoben wird, wenn die beiden Handlungsstränge sich langsam einander annähern).

    Ich finde auch, dass Rohn ganz sicher ein Unsympath vor dem Herrn ist, aber Hass in irgendeiner Form kann man, glaube ich, nicht für ihn empfinden. Wie gesagt musste ich beim Schreiben seiner Szenen sogar des öfteren grinsen, weil er in seiner übertriebenen Macho-Art manchmal einfach komisch ist (zumindest für mich), etwa wenn ihn Fièla mit ihren Argumenten wieder einmal über den Tisch zieht und ihm nichts anderes bleibt, als mit seinen Fingernägeln die Lehne seines Stuhles zu malträtieren. Da merkt man dann, finde ich, recht deutlich, dass Rohn kein zweiter Joffrey ist (zum Glück für Lilell!).

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Mi 23 Aug 2017 - 19:51