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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften Empty Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

    Beitrag von Strato Incendus am Mo Dez 02, 2019 8:46 pm

    Ich stimme YouTuber Colttaine zu: Der gesamte Zweite-Welle-Feminismus wäre nicht möglich gewesen ohne die Erfindung der Pille. Ohne verlässliche Verhütungsmethode hätten Frauen nicht im selben Umfang arbeiten können wie Männer, weil irgendwann unweigerlich Kinder für mehr und mehr Ausfälle gesorgt hätten (das tun sie ja heute noch, nur eben bei weitem nicht mehr so flächendeckend). Ohne flächendeckenden Eintritt der Frauen in die Arbeitswelt wiederum hätten die Gesetze und gesellschaftlichen Normen bezüglich Scheidung nicht so gelockert werden können, weil eine Frau ansonsten weiterhin finanziell von ihrem Ehepartner abhängig gewesen wäre. Nicht zu unterschätzen sind auch die hormonellen Veränderungen, die mit der längerfristigen Einnahme der Pille verbunden waren.

    Wer sich also immer schon mal gefragt hat, warum die Frauen sich erst vor so verhältnismäßig kurzer Zeit "befreit" haben - ich denke, damit liegt die Antwort auf der Hand Wink .

    Barrieremethoden gab es dagegen schon seit Ewigkeiten, und wenngleich die ersten Ansätze dafür nicht besonders verlässlich waren (Stichwort Schweineblasen im alten Rom), die modernen Kondome dürften wohl neben der Pille mit am effektivsten sein. Sie alleine scheinen jedoch nicht ausgereicht zu haben: Landläufig spricht man stets nur vom "Pillenknick" in der Geburtenrate - nicht vom "Kondomknick" Wink .

    Wenn es jetzt ums Thema Verhütungsmittel in mittelalterlichen / Fantasy-Welten geht, dann beschränkt sich die Diskussion meistens auf ihre mangelnde Wirksamkeit. Gleichzeitig wird spätestens seit Game of Thrones in den modernen Fantasygeschichten munter durch die Gegend gevögelt, wobei die meisten Charaktere einfach aus Plot Convenience nicht schwanger werden.

    Gerade in Welten mit halbwegs ausgeprägtem Magiesystem jedoch scheint es mir völlig unplausibel, wenn nicht zumindest irgendein Magier sich ein verlässliches magisches Verhütungsmittel überlegt hätte. Einfach schon deshalb, weil es dafür definitiv einen Markt geben wird. In Libyen soll es in der Antike eine Pflanze gegeben haben, die ein relativ verlässliches Verhütungsmittel war. Die alten Griechen waren offenbar damals schon so sexuell aktiv wie heute (Griechenland führt die Statistiken für Sex-Häufigkeit immer noch an, sogar noch vor Brasilien). Mit anderen Worten: Sie haben die Pflanze komplett aufgebraucht. Very Happy

    Welcher Magier oder Druide auch immer also als erster in einer Welt darauf kommt, Magie verlässlich zur Verhütung einzusetzen und dieses Mittel der Masse zur Verfügung zu stellen, wird reich. Smile

    Die eigentlich spannende Frage, die ich diskutieren möchte, ist:
    Heißt das jetzt, dass sich diese Gesellschaft dann auch automatisch relativ zügig auf den Weg zur Gleichberechtigung begibt?
    scratch

    Das ist nämlich alles andere als einheitlich: Es gibt Fantasywelten mit mittelalterlichen Geschlechterrollen, es gibt aber auch solche, die in dieser Hinsicht unsere aus heutiger Sicht "normale" humanistische Einstellung haben - sich deswegen aber noch lange nicht unbedingt bewusst sind, dass das Vorhandensein reliabler Verhütungsmittel dafür ein notwendiges, wenn auch nicht hinreichendes Kriterium zu sein scheint.

    Vielleicht braucht es zusätzlich noch die Tatsache, dass die Pille konkret ein hormonelles Verhütungsmittel ist?

    In meiner Fantasy-Welt etwa ist es relativ simpler: Da können Schildzauber, wie sie im Kampf alle Nase lang verwendet werden, um Pfeile und Feuerbälle abzuwehren, auch auf Größe eines Diaphragmas oder einer Portiokappe verkleinert werden. In Form von Zauberstäben - D&D-gemäß etwa eine handbreit lang und bloß in der Lage, einen einzigen, in sie eingespeicherten Zauber wiederholt zu wirken - können sie unters Volk gebracht und auch von Leuten benutzt werden, die selbst gar keine Magier sind. Eine Barriere, die Pfeile von Langbögen abhalten kann, reißt natürlich auch nicht so schnell wie dünnes Latex, da schlüpft auch nichts dran vorbei, und der Schildzauber endet nach einer vorgegebenen Zeit automatisch, muss also im Gegensatz zu einem Silikonstück auch nicht wieder im richtigen Zeitraum entfernt werden. Wink

    Es ist also eine Barrieremethode, die so verlässlich ist wie die Pille, aber eben im Gegensatz zu dieser nicht in den Hormonhaushalt eingreift. Das könnte im Vergleich zur realen Welt ein wichtiger Unterschied im Hinblick auf die daraus folgenden gesellschaftlichen Entwicklungen sein.

    In meiner Welt hat es jedoch in der Tat in den Regionen, wo diese Zauberstäbe Verbreitung gefunden haben, zu gleichberechtigten Gesellschaften geführt - wenn auch nur lokal. Da, wo es wenige Magier gibt, ist das Schwangerschaftsrisiko wie gewohnt mittelalterlich hoch, und die Geschlechterrollen auch dementsprechend starr.

    Wie handhabt ihr das in euren Geschichten? Wink


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    Beitrag von Red Queen am Mo Dez 02, 2019 9:29 pm

    Hat dieser Youtuber denn irgendwelche Qualifikationen, die ihn zu solchen Aussagen veranlassen? In den ersten paar Absätzen deines Posts sind so viele historische Ungenauigkeiten und Falschaussagen drin, da rollen sich mir die Fußnägel hoch.

    Bevor sich eine Diskussion entspinnt, die darauf aufbaut: Feminismus irgendeiner Welle ist nicht primär von Verhütungsmethoden abhängig, Frauen haben historisch gesehen nicht nach dem Kinderkriegen einfach aufgehört zu arbeiten (das ist eine ziemlich neumodische Erfindung), und die Arbeitsteilung nach Brotverdiener und Hausfrau ist genauso eine Erfindung der Neuzeit. Die systematische rechtliche und soziale Benachteiligung von Frauen hat eine Menge Komponenten, die die ganze Angelegenheit komplex machen, und diese Reduktion ist schlicht haarsträubend.


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    Beitrag von Strato Incendus am Mo Dez 02, 2019 10:44 pm

    Also, bei Mr Selfridge etwa (Fernsehserie über das nach ihm benannte Kaufhaus, spielt Anfang 20. Jahrhundert) war die Ausgangserwartung der Charaktere, dass die Verkäuferinnen jewels aufhören würden zu arbeiten, sobald sie heirateten. Heißt: Sogar noch vor dem ersten Kind - wobei das damals, also prä-Pille, für gewöhnlich ach der Hochzeit nicht lange auf sich warten ließ.

    Und bis 1977 brauchte auch in Deutschland noch eine verheiratete Frau die Erlaubnis ihres Mannes, um arbeiten gehen zu können (=die Berufstätigkeit durfte nicht mit ihren häuslichen Pflichten interferieren). Meine Großmutter mütterlicherseits (Grundschullehrerin) war diesbezüglich damals etwas Besonderes; meine Großmutter väterlicherseits hat hingegen praktisch nie arbeiten müssen.

    Heute hingegen können sich das hier

    @Red Queen schrieb:Frauen haben historisch gesehen nicht nach dem Kinderkriegen einfach aufgehört zu arbeiten (das ist eine ziemlich neumodische Erfindung)

    immer weniger Paare leisten.

    Von daher wäre hilfreich zu wissen, in welchem Zeitrahmen du "neumodisch" definierst. Wink

    Das Video von Colttaine, das ich meine, ist dieses hier:



    Basierend auf den Einstellungen diverser Nutzer/innen, die in anderen Threads zu geschlechtlichen Themen zum Ausdruck kamen, kann ich bereits vorhersagen, dass manches, was er hier aussagt, einige hier provozieren wird. Ich selbst stehe auch nicht hinter allem, was er behauptet - aber mir gefällt der weitgehend sachliche Tonfall und die ruhige, analytische Art, mit der er an dieses Thema herangeht. Natürlich hat er seine eigene soziopolitische Position, aus der macht er aber auch keinen Hehl. Damit kann also jede/r für sich selbst entscheiden, wie weit er oder sie seiner Argumentation zu folgen bereit ist. Wink

    Der wichtigste Part für dieses Thema beginnt so ab ca. 20:00 min.


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    Beitrag von Crackle42 am Di Dez 03, 2019 10:14 am

    @Strato Incendus schrieb:
    Die eigentlich spannende Frage, die ich diskutieren möchte, ist:
    Heißt das jetzt, dass sich diese Gesellschaft dann auch automatisch relativ zügig auf den Weg zur Gleichberechtigung begibt?
    scratch

    Das ist nämlich alles andere als einheitlich: Es gibt Fantasywelten mit mittelalterlichen Geschlechterrollen, es gibt aber auch solche, die in dieser Hinsicht unsere aus heutiger Sicht "normale" humanistische Einstellung haben - sich deswegen aber noch lange nicht unbedingt bewusst sind, dass das Vorhandensein reliabler Verhütungsmittel dafür ein notwendiges, wenn auch nicht hinreichendes Kriterium zu sein scheint.

    Vielleicht braucht es zusätzlich noch die Tatsache, dass die Pille konkret ein hormonelles Verhütungsmittel ist?

    In meiner Fantasy-Welt etwa ist es relativ simpler: Da können Schildzauber, wie sie im Kampf alle Nase lang verwendet werden, um Pfeile und Feuerbälle abzuwehren, auch auf Größe eines Diaphragmas oder einer Portiokappe verkleinert werden.
    Spannendes Video, habe ich mir gleich mal angeschaut.
    Zuerst einmal zu letzterem: Ich habe mich in der Hinsicht bei Peter Brett inspirieren lassen, der die Verhütung mittels spezieller Kräuter und Tees ermöglicht hat. Ich habe in meinem Roman auch Magie als Verhütung eingesetzt, was natürlich auf die Bevölkerung und Lebensweise Veränderungen hat. Allerdings sind in Geschichten im Gegensatz zu unserem heutigen Leben andere Gefahrenquellen vorhanden auf die man sich stützen kann, sodass es nicht zur Bevölkerungsexplosion oder gar -rückgang kommt.

    Diese Umweltfaktoren reichen eigentlich auch schon aus, damit deine Welt so funktioniert wie sie funktioniert. Ich meine, mit Magie als Heilung würde nicht jeder Kratzer, jede Infektion oder Grippe zum Tod führen was die mittelalterliche Gesellschaft ins nächste Zeitalter katapultiert. Aus meiner Sicht ist das einfach eine Bedingung, die man voraussetzt, genauso wie es Magie oder andere Wesen gibt. Ich meine, stell dir vor es gibt Menschen die könnten sich teleportieren. Wahrscheinlich wäre das Auto und Flugzeug nie entdeckt worden schlichtweg weil keine Notwendigkeit dafür besteht.
    Fazit: Es wäre durchaus denkbar und möglich, dass eine Gleichberechtigung in kürzester Zeit angestrebt wird. Aber auch das ist eine Spekulation weil man die kausalen Einflüsse nicht genau kennt oder identifizieren kann. Wenn das in deiner Welt aber nicht der Hauptfokus sein soll, dann kannst du andere Ursachen für die Abwesenheit oder den Mangel an Gleichberechtigung verantwortlich machen. Oder du machst es einfach zur Bedingung - sie ist (noch) nicht vorhanden Punkt. Über wie viele Jahre erstreckt sich deine Geschicht eigentlich? Solche Veränderungen können ja auch ihre Zeit brauchen.
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    Beitrag von Red Queen am Di Dez 03, 2019 11:29 am

    Für das Video hab ich heute Morgen keine Zeit, vielleicht später. Mit "neumodisch" meinte ich hauptsächlich den Zeitraum der Industrialisierung und später.

    Ich frag jetzt sowieso einfach mal: Was bewegt dich dazu, die massive rechtliche und soziale Benachteiligung der halben Spezies Mensch als Status Quo anzusehen, und dann jegliche Form der Gleichberechtigung mit Dingen wie, in diesem Fall, dem Zugang zu Verhütungsmitteln begründen zu müssen? Basiert das auf irgendetwas anderem als "naja, bei uns war das halt so, also muss es auch in der Fiktion so sein"? Mir kommt das immer erstaunlich unkreativ vor, wenn sich Autoren partout keine Welt vorstellen können, in der die Systeme, die bei uns bestimmt Gruppen an der Macht und andere an der kurzen Leine halten, schlicht nicht existieren.

    Warum muss dein Worldbuilding Gleichberechtigung rechtfertigen, aber nicht Ungerechtigkeit?

    Ich glaube, diese Frage ist besser als "kommen mit magischen Verhütungsmitteln Frauenrechte daher?"


    Und damit ich nicht ganz vom Thema weg bin: Bei mir gibt es grundsätzlich Verhütung. Ist ja schließlich eine Geschichte, da kann ich so viele Kondomzauber und Verhütungsfrüchte haben, wie ich will Razz


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    Beitrag von Strato Incendus am Di Dez 03, 2019 12:59 pm

    @Red Queen schrieb:Warum muss dein Worldbuilding Gleichberechtigung rechtfertigen, aber nicht Ungerechtigkeit?

    Das wiederum ist eine Frage, die ich als ziemlich "neumodisch" bezeichnen würde. Razz So wie eine Kollegin meines Vaters, die mal meinte, wofür solle sie dem Feminismus dankbar sein bzw. warum soll sie für etwas dankbar sein, was eigentlich "selbstverständlich sei". Ich finde, für diese Sicht muss man ein Maß an Evolutionsblindheit an den Tag legen, das sonst nur von Kreationisten übertroffen wird:

    Der Ausgangszustand der Natur und des Lebens ist, dass es eben nicht fair ist. Im vorgeschichtlichen Kontext, wo Menschen als nackte Affen in nomadischen Stämmen von ein paar Dutzend Leuten unterwegs waren, wirst du keine Gleichberechtigung finden, weil die biologischen Voraussetzungen einfach zu unterschiedlich sind. Und damit meine ich nicht unbedingt (bloß) zwischen Frauen und Männern, sondern auch zwischen arm und reich, attraktiv und unattraktiv, intelligent oder eben nicht etc.

    Der Mensch hat allerhand Maßnahmen ergriffen, um gegen die natürliche Tendenz des "Survival of the Fittest" anzugehen. Gleichberechtigung ist daher nur einer der vielen Aspekte des Humanismus. Das ändert aber nichts daran, dass der Mensch selbst evolutionär gesehen immer noch ein Affe ist, und seine Instinkte über Jahrtausende hinweg dieselben bleiben. Denk nur immer wieder an das Beispiel, warum uns auch jetzt noch hochkalorisches Essen besser schmeckt, obwohl es für uns heutzutage eher schädlich ist: Unsere Instinkte sind auf den Mangel als Ausgangszustand ausgelegt, nicht auf Überfluss. Im Endeffekt ist sogar der Humanismus selbst immer noch ein Ausdruck von "Survival of the Fittest" - nur dass es uns bei der Fürsorge für und Rücksicht auf unsere Mitmenschen nicht mehr bloß um das individuelle Überleben geht, sondern um das Überleben der gesamten Spezies "Mensch". Mitunter aber dafür auf Kosten anderer Spezies (=Pflanzen und Tiere).


    Nimm das Beispiel mit den Schimpansen aus dem Colttaine-Video. Schimpansen sind die mit dem Menschen am nächsten verwandte Affenart. Die Hälfte der männlichen Schimpansen hat überhaupt keine Nachkommen, das Alphamännchen dagegen gleich sieben. Ist das fair? Wink Und was heißt überhaupt "fair" - vielleicht hat das Alphamännchen sich seinen Rang ja verdient. Stabiler (aber auch weniger meritokratisch) ist eine Gesellschaft dagegen, wenn das, was die meisten ihrer Mitglieder begehren, etwas gleicher verteilt ist (equality of opportunity vs. equality of outcome).

    Die monogame Ehe etwa wird deshalb oft als eine der ersten zivilsatorischen Maßnahmen angesehen. Warum ist klar: Monogamie ist sexueller Sozialismus. Unabhängig von den "Fähigkeiten" und dem "sexuellen Marktwert" wird die Anzahl der Partner für alle Personen auf 1 begrenzt. Zwar werden sich attraktive Menschen immer noch eher mit anderen attraktiven Menschen zusammentun - aber ohne die Beschränkung der Monogamie hätten die Attraktivsten noch zusätzlich die Aussicht auf mehrere Partner, andere dagegen keine.

    "Ehe = sexueller Sozialismus" mag kontraintuitiv erscheinen, weil gerade von Links in der jüngsten Vergangenheit die Ehe eher verteufelt und die freie Liebe für alle gefordert wurde. Im Tierreich sieht man jedoch, was "freie Liebe für alle" in Wahrheit bedeutet: Nämlich sehr viel für ein paar wenige und nichts für den Rest. Die stärksten Verfechter der Monogamie sind dagegen meist konservativ, befürworten dafür wiederum mehr wirtschaftliche Freiheit.



    Darum kurz gesagt:
    Konservative wollen den ökonomischen Markt deregulieren und den sexuellen Markt regulieren.
    Progressive wollen den ökonomischen Markt regulieren und den sexuellen deregulieren.


    Deregulierung führt - zumindest für eine Weile - zur Meritokratie. Das Problem daran ist: Selbst wenn für eine Generation für alle Personen die gleichen Startbedingungen herrschen, würden einige von ihnen (in dem Fall dann eindeutig "verdientermaßen") ganz oben landen, viele in der Mitte, und einige ganz unten. Jetzt hat diese Generation Kinder - und prompt herrschen für die schon wieder keine gleichen Startbedingungen. Die Meritokratie schafft sich also über kurz oder lang selbst ab.

    Regulierung dagegen setzt der Meritokratie Grenzen, was ein gewisses Maß an Unfairness in Kauf nimmt. Dafür stabilisiert sie eine Gesellschaft jedoch. Die Instabilität wird größer, je weiter die Schere zwischen denen, die etwas Begehrtes besitzen, und jene, die es nicht tun, auseinandergeht - bzw. je mehr sich auf der Seite der Nicht-Besitzenden finden. Irgendwann sind die in der Überzahl und verlieren die Geduld, dann kommt es zur Revolution. Solange die "Besitzlosen" dagegen in der Unterzahl sind, wird die Mehrheitsgesellschaft ihnen glaubhaft vermitteln können, sie seien an ihrem Zustand selbst schuld. Folglich finden jene, die ganz unten gelandet sind, in dieser Zeit auch nur wenige Verbündete in der "Mitte".



    @Red Queen schrieb:Mir kommt das immer erstaunlich unkreativ vor, wenn sich Autoren partout keine Welt vorstellen können, in der die Systeme, die bei uns bestimmt Gruppen an der Macht und andere an der kurzen Leine halten, schlicht nicht existieren.

    Das Wichtigste an einer überzeugenden Geschichte ist nicht die Kreativität, sondern die Immersion.

    Immersion verlangt zu einem Teil Kreativität und Originalität, denn bei dem Überfluss an Büchern will heute niemand mehr seine Zeit mit etwas verschwenden, das nur aus Klischees zu bestehen scheint. Zum anderen aber erfordert Immersion auch Realismus und inhaltliche Konsistenz. Und Ausdrücke wie "suspension of disbelief" implizieren dabei ja sogar, dass der Leser eine natürliche Grund-Skepsis gegenüber der Überzeugungskraft deiner Welt hat, die du erst einmal überwinden musst.



    Die Annahme, dass es bei anderen auch so sein muss wie bei uns, deckt sich tatsächlich mit der wissenschaftlichen Herangehensweise an den realen Versuch, neue Welten zu entdecken: Wink

    Wenn im All nach Möglichkeiten für Leben gesucht wird, dann guckt man gezielt an den Orten, die so viel wie möglich mit der Erde gemeinsam haben. Heißt: G-Stern, Gesteinsplanet in habitabler Zone, Magnetfeld, flüssiges Wasser, Sauerstoff in der Atmosphäre, idealerweise das Vorhandensein von Ozon, denn das würde Photosynthese belegen. Man könnte natürlich auch stattdessen an ganz anderen Orten gucken, ob es nicht vielleicht Aliens auf Siliziumbasis gibt. Tut man aber nicht. Man startet erstmal mit dem, von dem man weiß, dass es in der Realität funktioniert hat. Prof. Harald Lesch nennt das den "Physiker-Chauvinismus".

    Auf der Makroebene wird dieses Prinzip im Astronomen-Beispiel hier auf die absoluten Mindestbedingungen angewandt, die anscheinend erfüllt sein müssen, damit Leben überhaupt existieren kann. Das naheliegende Gegenargument wäre, dass das nicht zwingend auch für kulturelle Faktoren gelten muss.

    Die Kernaussage des Colttaine-Videos ist jedoch, dass Kultur letztendlich nichts anderes ist als eine Funktion der Biologie. Wink

    Von daher ist es plausibel, dass die Biologie der Kultur ähnliche Vorgaben und Einschränkungen macht wie die Physik der Biologie selbst.


    @Red Queen schrieb:Ich glaube, diese Frage ist besser als "kommen mit magischen Verhütungsmitteln Frauenrechte daher?"

    Du wirst keine historische Gesellschaft finden, in der Frauen, die potentiell schwanger sein könnten, denselben Belastungen und Risiken ausgesetzt werden wie Männer (werden sie ja selbst heute noch nicht). Und wenn Gesellschaften es versucht haben, dann haben sie nicht lange überlebt, weil zu viele Mütter (und damit auch zu viele ihrer Nachkommen) dadurch gestorben sind.

    Gleichberechtigung kann man jedoch nur fordern, wenn man auch bereit ist, allen die gleichen Lasten und Pflichten aufzuerlegen.

    Und "potentiell schwanger" dürfte bei verheirateten Frauen im gebärfähigen Alter in einer Zeit vor der Einführung verlässlicher Verhütungsmittel die Pauschalannahme gewesen sein.

    Wenn Frauen also in einem Zeitalter vor verlässlichen Verhütungsmitteln einen vergleichbaren Status hatten wie ein Mann desselben Standes (d.h. kein direkter Vergleich zwischen "Königin" und "Bauer" o.ä. Wink ), dann war das aller Wahrscheinlichkeit nach mit Enthaltsamkeit verbunden. Beispiel: das Konzept der "eingeschworenen Jungfrau" auf dem Balkan.


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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften Empty Re: Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

    Beitrag von elTrixi am Mi Dez 04, 2019 8:01 am

    Das ist ein sehr heikles Thema mit dem Feminismus, ebenso wie mit anderen Themen, die noch nicht abschließend geklärt sind wie Piraterie, Sklavenhaltung, Rassenfragen, Demokratisierung, Volkshetze, Fremdenhass und und und. Irgendwie wissen wir, dass es falsch ist, aber dennoch fühlt es sich so weit weg an. Da kann man leicht mal etwas leichtfertiges sagen, womit man jemandem auf den Fuß tritt. Vermutlich werde ich das auch in diesem Post, wobei er wirklich von ganzen Herzen gut gemeint ist. Ich sehe nämlich keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, außer dass die einen eine Tata zwischen den Beinen haben, die anderen einen Wiwi. Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712
    Wenn schon die Frage aufkommt, wer besser (in welchem Sinn auch immer) ist, dann muss ich auch als Mann sagen, dass die Frauen die besseren Menschen sind. Sie sind im Schnitt psychisch stabiler, emotional empathischer, gerechter, umsichtiger und haben nicht das Bedürfnis ihre Weiblichkeit auf Kosten anderer Mitmenschen zu beweisen, wie es gelegentlich bei Männern vorkommen soll.

    Nach diesem Statement pro femina möchte ich auf Stratos Frage eingehen, die ich - wie bei so vielen Posts von Strato - mal wieder klug gedacht und provokant formuliert finde. Es versteckt sich (neben vielen historischen Ungenauigkeiten, auf die RedQueen bereits hingewiesen hat) auch ein wichtiger Denkfehler.

    Wenn du fragst, ob sich das Fantasygenre in der Emanzipation befindet, nur weil du in der Realität Pille und Feminismus in einen Topf wirfst, behauptest du gleichzeitig Realität und Literatur bedingen sich gegenseitig. Dass es in der Realität nicht so einfach ist, Pille und Feminismus in einen Topf zu werfen, wurde bereits mehrfach gesagt. Ich würde wagen zu behaupten, dass Feminismus, wie wir ihn heute kennen, ein Phänomen der Französischen Revolution und im Anschluss daran des Europa des 19. Jhd. ist. Allenfalls kann man sagen, dass die Erfindung der Pille mit dem Feminismus des 20. Jhd. zeitlich zusammen fällt. Mehr als eine zeitliche Korrelation will ich aber nicht gelten lassen. Da ich diese Entwicklung in der Realität anfechte, kann ich sie in der Literatur nicht als selbstverständlich erlauben. Nur dann, wenn der Autor mir diese Entwicklung in seinem konkreten Werk argumentativ stimmig klar macht.
    Ohnehin muss ich ganz allgemein sagen, dass es meiner Ansicht nach völlig falsch ist, davon auszugehen, dass in Literatur und Realität alles gleich verläuft bzw gleiche Gesetze, Naturgesetze und Gesetzmäßigkeiten in historischen Abfolgen gelten könnten. Es mag zwar sein, dass Literatur immer ein Kind ihrer Zeit ist und dass Autoren gerne die Fragen der gegenwärtigen Gesellschaft in eine andere Welt einflechten, dennoch ist es viel zu kurz gedacht, wenn du behauptest, dass im Fantasygenre Erfindung der Pille und damit einhergehende Emanzipation auf dem Plan steht.


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    Beitrag von Crackle42 am Mi Dez 04, 2019 11:35 am

    @elTrixi schrieb:Das ist ein sehr heikles Thema mit dem Feminismus [...]. Da kann man leicht mal etwas leichtfertiges sagen, womit man jemandem auf den Fuß tritt.
    Ich gehe mal auf deinen Beitrag ein und werde das damit wohl auch tun Smile


    Ich sehe nämlich keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, außer dass die einen eine Tata zwischen den Beinen haben, die anderen einen Wiwi. Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712
    Ich sehe das anders. Mir kommt es immer so vor als suggeriere uns der Feminismus dass wir diese Brille aufsetzen müssen und alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen unter den Tisch kehren weil ja alles gleich sei. Dann stelle ich mal eine Gegenfrage: Glaubst du (also nicht nur du elTrixi Very Happy) wirklich, dass der einzige Unterschied zwischen Männern und Frauen das Kinderkriegen und die physischen Unterschiede sind, Tata und Wiwi, um es in deinen Worten zu sagen? Ich finde das einfach nur verblendet von einer Ideologie. Hier werden Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit in einen Topf geworfen und man sagt, dass Männer und Frauen gleichartig seien damit sie gleichwertig sind. Glaubst du wirklich, es gebe keine emotionalen, behavioralen, kognitiven und andere Unterschiede? Es gibt dazu übrigens spannende Experimente von Säuglingen, die im Alter von 6 Monaten schon Präferenzen zeigen - Jungen schauen Objekte länger und lieber an, Mädchen eher Gesichter. Weil es dazu Gegenargumente gab, die Eltern hätten die Ergebnisse mit ihrer Erziehung hervorgerufen, hat man das bei Neugeborenen probiert, die nach ein paar Stunden die Augen zum ersten Mal geöffnet haben. Ratet mal wie das Ergebnis ausfiel.
    Aber genug davon.


    Wenn schon die Frage aufkommt, wer besser (in welchem Sinn auch immer) ist, dann muss ich auch als Mann sagen, dass die Frauen die besseren Menschen sind. Sie sind im Schnitt psychisch stabiler, emotional empathischer, gerechter, umsichtiger und haben nicht das Bedürfnis ihre Weiblichkeit auf Kosten anderer Mitmenschen zu beweisen, wie es gelegentlich bei Männern vorkommen soll.
    Ja und nein. Ich teile deine Ansicht, dass Frauen im Durchschnitt wahrscheinlich schon die besseren Menschen wären. Es gäbe tatsächlich weniger Krieg und physische Gewalt, du kannst aber mitnichten sagen, wie die Wirklichkeit aussehen würde. Weil weniger physische Gewalt bedeutet nicht, dass psychische Kriege geführt werden, Intrigen oder andere Arten von Abhängigkeiten. Die Ausbeutung ist wesentlich subtiler, wenn das Kind unter der Mutter seelisch und psychisch leidet, sieht man das erst wesentlich später als bei einem Vater. Das Argument, dass sie gerechter und umsichtiger sind würde ich stützen, genauso, dass sie ihre Weiblichkeit nicht auf derartigen Kosten beweisen müssen. Allerdings wäre auch hier die Frage, wenn es mehr Frauen geben würde, wie diese um die Männer konkurrieren würden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass gegenseitiges angiften und hinterrücks reden die feinere Art ist. Männer schlagen gerne zu, aber reichen sich in der Hinsicht auch schneller die Hand.


    Wenn du fragst, ob sich das Fantasygenre in der Emanzipation befindet, nur weil du in der Realität Pille und Feminismus in einen Topf wirfst, behauptest du gleichzeitig Realität und Literatur bedingen sich gegenseitig. Dass es in der Realität nicht so einfach ist, Pille und Feminismus in einen Topf zu werfen, wurde bereits mehrfach gesagt. Ich würde wagen zu behaupten, dass Feminismus, wie wir ihn heute kennen, ein Phänomen der Französischen Revolution und im Anschluss daran des Europa des 19. Jhd. ist.
    So wie ich das sehe geht es hier weniger um den gemeinsamen Topf, sondern um die (zwangsläufig) gegebene gesellschaftliche Entwicklung, wenn die Möglichkeit einer sicheren Verhütung besteht. Er hat schon einen Punkt, wenn sichere Verhütung für mehrere hundert Jahre existiert, dann müsste es (eigentlich) zum gesellschaftlichen Umbruch kommen; wie der aussieht sei mal dahingestellt. Die Kernfrage ist dann, ob es damit zur Gleichberechtigung kommt oder ob es auch einen anderen Weg nehmen könnte (und wenn ja, welchen). So verstehe ich das zumindest.
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    Beitrag von Strato Incendus am Mi Dez 04, 2019 2:46 pm

    Vielen Dank erstmal euch dreien, da bahnt sich auf jeden Fall schon mal eine interessante Diskussion an! Very Happy

    @Crackle42 schrieb:So wie ich das sehe geht es hier weniger um den gemeinsamen Topf, sondern um die (zwangsläufig) gegebene gesellschaftliche Entwicklung, wenn die Möglichkeit einer sicheren Verhütung besteht. Er hat schon einen Punkt, wenn sichere Verhütung für mehrere hundert Jahre existiert, dann müsste es (eigentlich) zum gesellschaftlichen Umbruch kommen; wie der aussieht sei mal dahingestellt. Die Kernfrage ist dann, ob es damit zur Gleichberechtigung kommt oder ob es auch einen anderen Weg nehmen könnte (und wenn ja, welchen). So verstehe ich das zumindest.

    In der Tat! Genau so ist es gemeint! Very Happy

    @Crackle42 schrieb:
    Ich sehe das anders. Mir kommt es immer so vor als suggeriere uns der Feminismus dass wir diese Brille aufsetzen müssen und alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen unter den Tisch kehren weil ja alles gleich sei. Dann stelle ich mal eine Gegenfrage: Glaubst du (also nicht nur du elTrixi Very Happy) wirklich, dass der einzige Unterschied zwischen Männern und Frauen das Kinderkriegen und die physischen Unterschiede sind, Tata und Wiwi, um es in deinen Worten zu sagen? Ich finde das einfach nur verblendet von einer Ideologie. Hier werden Gleichartigkeit und Gleichwertigkeit in einen Topf geworfen und man sagt, dass Männer und Frauen gleichartig seien damit sie gleichwertig sind. Glaubst du wirklich, es gebe keine emotionalen, behavioralen, kognitiven und andere Unterschiede?

    Dieser Frage kann ich mich direkt so anschließen Wink - wie du dir wahrscheinlich schon denken konntest. Danke also für deine Unterstützung - ich möchte jedoch auf jeden Fall auf die einzelnen von elTrixi genannten Punkte näher eingehen. Auch auf die Gefahr hin, dass das wieder ein sehr langer Post wird...



    Also dann, los geht's!  Very Happy

    @elTrixi schrieb:Wenn schon die Frage aufkommt, wer besser (in welchem Sinn auch immer) ist, dann muss ich auch als Mann sagen, dass die Frauen die besseren Menschen sind.

    Die Frage habe ich so nicht in den Raum gestellt: Wenn ich sage "im prähistorischen Setting gibt es keine Gleichberechtigung", dann meine ich damit nicht, dass ein Geschlecht generell dem anderen gegenüber im Vorteil war. Vielmehr wird es eine klare Rollenteilung gegeben haben, mit verschiedenen Rechten und Pflichten abhängig vom Geschlecht - und damit ohne Rücksicht aufs Individuum. Diskriminierung passiert ja im Grunde überall da, wo Menschen vorgeschrieben wird, was sie zu tun haben, weil sie Mann oder Frau sind. Die Männer "mussten" dann damals eben mit auf die Jagd und sich in Gefahr begeben; die Frauen "mussten" in der Höhle bleiben (=in verhältnismäßiger Sicherheit), sich um die Kinder kümmern und dabei zumeist noch weitere austragen.

    In der prähistorischen Zeit sehe ich also auch den Ursprung für die heutige "Identitätspolitik". Also Annahmen wie etwa, dass nur Frauen wirklich andere Frauen verstehen können, und dass man deshalb Diversity in Filmen etc. braucht, damit jedes Grüppchen seine Identifikationscharaktere hat. Ich würde dagegenhalten: Wer nur mit Figuren mitfühlen kann, mit denen er möglichst viele willkürliche demografische Marker teilt, beweist damit lediglich einen Mangel an Empathie. Oder aber zumindest eine Form der Empathie, die sich eng umgrenzt auf die eigene Gruppe beschränkt (s. unten).

    Was mich zum nächsten Punkt führt. Wink

    @elTrixi schrieb:dass die Frauen die besseren Menschen sind.

    Das halte ich vor allem für eine Autokorrelation, wenn wir die Frage, wer der bessere Mensch ist, am gleichnamigen Konzept des Humanismus festmachen: Wink Dass man also der natürlichen Tendenz zum strikt-meritokratischen Survival of the Fittest entgegenwirken und "niemanden zurücklassen" möchte.

    Das ist eine typisch mütterliche Eigenschaft - mütterliche Liebe gegenüber ihren Kindern (nicht gegenüber ihrem Mann) ist im Idealfall bedingungslos, d.h. ein Kind wird nicht mehr geliebt als das andere, egal, wer wieviel leistet. Diese Mentalität schlägt sich dann auch in Schulen nieder, wo man versucht, "kein Kind zurückzulassen".

    Männer dagegen müssen sich ihren Status in der Gesellschaft ab dem Erwachsenwerden erst verdienen. Daher kommt der stärkere Wettbewerbsgeist, und damit auch der Hang zur Aggression. Wettbewerb ist eben in prähistorischen Settings (bei Tieren also immer noch) vor allem physisch geprägt.

    Der Grund ist, in simpler Angebot und Nachfrage ausgedrückt: Es gibt weitaus mehr Spermien als Eizellen, der Zeitraum weiblicher Fruchtbarkeit ist zudem stärker begrenzt, und eine Frau kann für gewöhnlich maximal 1-2 Kinder gleichzeitig austragen, während ein Mann viele Nachkommen parallel zeugen kann. Das macht den einzelnen Mann aber auch eher entbehrlich, weil - wie in Colttaines Beispiel mit den Schimpansen - auch ein einzelnes Alpha-Männchen immer noch einen Haufen Nachkommen zeugen und den Stamm am Leben erhalten kann, selbst wenn die untere Hälfte der Männchen sich überhaupt nicht fortpflanzt.

    Evolutionär gesehen gibt es also weder Gleichartigkeit noch Gleichwertigkeit: Die einzelne Frau ist für die Evolution mehr wert als der einzelne Mann. Daher heißt es stets: "Frauen und Kinder zuerst!" Wink

    Dieser fundamentale Unterschied in der eigenen Wahrnehmung der Welt erklärt z.B. bereits, warum Männer statistisch eher rechts wählen, Frauen eher links:
    Meritokratie, harter Wettbewerb, wenig "Gnade" für die "Verlierer" --> männliche Lebenserfahrung
    bedingungslose Mutterliebe, Gleichheit für alle, daraus resultierend Stabilität der Gemeinschaft --> weibliche Lebenserfahrung



    Interessant ist damit auch, wie Männer und Frauen jeweils darüber denken, wie das andere Geschlecht zu seinem Status kommt. Wink

    Dass der Status einer Frau im Vergleich zu einem Mann viel stärker an ihrem Aussehen hängt, hat ja erst einmal auch wieder evolutionär leicht nachvollziehbare Gründe: Gutes Aussehen signalisiert Jugend und Fruchtbarkeit sowie eine ausreichend stabile Gesundheit, 9 Monate lang einen anderen Menschen im eigenen Körper zu tragen. Insbesondere jedoch, da die weibliche Fruchtbarkeit im Vergleich zur männlichen schneller endet, ist die Jugend oft wichtiger als die Gesamt-Attraktivität.

    Deshalb beklagen sich mittlerweile einige Promi-Damen (Charlize Theron und Emma Watson etwa), dass sie keinen festen Partner finden, obwohl beide mit Anfang 40 bzw. 30 vermutlich immer noch attraktiver sind als die meisten Menschen Anfang 20. Natürlich spielen hier bei Promis auch die persönlichen Standards mit hinein (Stichwort Hypergamie). Aber während das Aussehen bloß ein Indikator dafür ist, wie fit jemand für eine Schwangerschaft sein könnte, entscheidet das Alter darüber, ob eine Schwangerschaft überhaupt noch möglich ist. Und auch, wenn viele heute erst ab 30 überhaupt ihre ersten Kinder kriegen, die Fruchtbarkeit ist da im Vergleich zu den 20ern bereits deutlich gesunken, nach 40 sinkt sie nochmal weiter.

    An seinem Aussehen kann man bekanntlich durch Sport, die richtige Ernährung und diverse kosmetische Kniffe arbeiten - an seinem realen, biologischen Alter dagegen nicht.



    Hier würde ich argumentieren, dass Männer den Status von attraktiven Frauen eher meritokratisch bewerten, und Frauen eher an Identitätsgründe bei mächtigen Männern glauben. Und zwar, weil beide jeweils von sich auf andere schließen.

    Als Mann bin ich z.B. geneigt zu denken: "Meine Position im Job musste ich mir erarbeiten, also habe ich das auch verdient. Eine attraktive Frau verdient ihren Status ebenso, denn sie verbringt dafür bestimmt jeden Tag Zeit im Fitnessstudio."

    Natürlich muss sich seine berufliche Position jede/r irgendwo erarbeiten - der Unterschied ist nur, dass Frauen von der Gesellschaft viel weniger nach ihrem beruflichen Status bewertet werden als Männer, sondern eben nach ihrem Äußeren (und umgekehrt). Wink

    Bettina Zimmermann hingegen äußerte sich jüngst in einem Interview, ihr Aussehen sei doch vor allem Resultat ihrer Gene, daran habe sie nichts geleistet. Und da stimme ich ihr insofern zu, dass nachweislich der Großteil des menschlichen Schönheitsurteils am Gesicht festgemacht wird - an dessen Physiognomie lässt sich auch mit noch so viel Sport und richtiger Ernährung nur bedingt etwas ändern.



    Wenn also das, was über den Status einer Frau in der Gesellschaft entscheidet, viel stärker an Faktoren außerhalb ihrer Kontrolle festgemacht ist - also Gene und Alter - dann nutzt ihr eine meritokratische Weltsicht deutlich weniger. Vielmehr ist es so:

    - Wenn sie attraktiv ist, wird sie in ihrer Jugend von der Gesellschaft auf Händen getragen. Das ist für sie dann der Normalzustand, denn es ist alles, was sie kennt. Irgendwann wird sie diesen Status aber unweigerlich verlieren - sie kann den Zeitpunkt lediglich hinauszögern (und da sind wir dann wieder bei Sport und Ernährung). Wenn es dann soweit ist, wird sie sich ggf. (wie Watson und Theron) fragen, warum sie auf einmal nicht mehr Everybody's Darling ist. Das äußert sich dann gerne mal in der Frage "Wo sind all die guten Männer hin?" Wink

    - Wenn sie dagegen nicht besonders attraktiv ist, erlebt sie, wie andere Personen (Männer wie Frauen) von der Gesellschaft auf Händen getragen werden - und das anscheinend unverdient. Denn was haben die anderen Frauen geleistet, um bessere Gene zu haben als sie? Beruflich kann sie sich derweil anstrengen, wie sie möchte - für die meisten Männer wird das uninteressant sein, da sie eine potentielle Mutter ihrer Kinder nicht in der Versorgerrolle benötigen. Der evolutionäre Nutzen ist an der Stelle im Vergleich zur sexuellen Attraktivität gering.

    Kombiniere das mit der Mutterrolle, die eine meritokratische Bewertung der eigenen Kinder praktisch verbietet, sowie der Hypergamie, die besagt, dass für Frauen im Allgemeinen nur solche Männer als Partner interessant sind, die im Status über ihnen stehen. Also sind diese Männer für sie "sichtbarer" als jene, die unter ihnen stehen - auch, wenn es sich dabei höchstens um die obersten 20% aller Männer handelt.


    TL;DR: Wenn eine Frau jetzt annimmt, dass diese Männer in den obersten 20% genauso unverdient ihren Status erreicht haben wie Frauen, die bloß die genetische Lotterie gewonnen haben - dann wird sie eine Feministin. Razz Damit meine ich: Glaubt an "das Patriarchat", also dass auch in der heutigen Zeit noch Männer in Machtpositionen vor allem dorthin gekommen seien, bloß weil sie Männer sind - und nicht etwa aufgrund der gezeigten Leistungen.

    Eventuell haben unattraktivere Frauen einen etwas höheren Anreiz, diese Weltsicht zu entwickeln (um das Klischee der blauhaarigen Body-Positivity-Feministin zu erklären). Aber wie man an Emma Watson und ihrem HeForShe-Projekt sieht, kann frau diese Sichtweise auch trotz eigener Attraktivität und hohem gesellschaftlichem Status (=Berühmtheit) annehmen.

    @elTrixi schrieb:Ich sehe nämlich keinen Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, außer dass die einen eine Tata zwischen den Beinen haben, die anderen einen Wiwi.

    Als Psychologe denke ich bei solchen "Blank-Slate"-Aussagen immer an den Behaviorismus. Der nahm den menschlichen Verstand als "black box" an und glaubte, alles durch externe Einflüsse, also Reize und Reaktionen, Belohnung und Bestrafung etc. erklären zu können. Diese Sichtweise gilt in der psychologischen Forschung bereits seit langem als überholt.

    Aber auch ohne den "Fachmann" raushängen zu lassen hätte ich eine ganz simple logische Frage an dich:

    Wenn du glaubst, Männer und Frauen unterscheiden sich abgesehen von den physiologischen Unterschieden nicht - wie können dann laut deiner eigenen Aussage Frauen gleichzeitig die besseren Menschen sein? Wink

    Dafür müsstest du annehmen, dass die physiologischen Unterschiede auch das Gehirn betreffen. Und damit wärst du dann bei unserer Position angekommen. Very Happy

    Damit kommen wir nun also zu den Eigenschaften, die du den Frauen attestierst:

    @elTrixi schrieb:Sie sind im Schnitt psychisch stabiler,

    Falsch. Das Persönlichkeitsmerkmal "Neurotizismus" ist ab der Pubertät ganz klar mit dem weiblichen Geschlecht korreliert. Wenn man das Maß "Neurotizismus" umkehrt, wird es als "emotionale Stabilität" definiert - d.h., die wäre dann negativ korreliert mit dem weiblichen Geschlecht.

    @elTrixi schrieb:emotional empathischer

    Kommt auf die Empfänger dieser Empathie an. Wink Alle Menschen haben eine "own-group preference", d.h. man bringt Mitgliedern der eigenen Gruppe mehr Empathie entgegen als anderen. Siehe dazu auch das Video von Mai-Thi Nguyen Kim zum Thema Empathie , wie diese auch dazu führen kann, dass wir Menschen der "outgroup" stärker ausschließen. Die "outgroup" können, je nach Kontext, z.B. "die Ausländer" sein, aber eben auch "das andere Geschlecht".

    Bei Frauen ist es fast fünfmal wahrscheinlicher, dass sie Geschlechtsgenossinnen einen automatischen Sympathievorschuss geben, als bei Männern (Female Own-Group Preference ).

    Auch das halte ich für eine der Erklärungen für feministische Theorien wie "das Patriarchat": Wieder eine Projektion der eigenen Wahrnehmung auf andere. Wenn Frauen nachweislich eine stärkere own-group preference haben, liegt für manch eine der Verdacht nahe, Männer hätten das auch. Das würde aber mit der stärkeren Wettbewerbsorientierung bei Männern im Konflikt stehen: Wie hätten Männer dann sonst so "gut" darin sein können, sich jahrtausendelang gegenseitig die Köpfe einzuschlagen? Wink

    Das legt nahe, dass Männer ihre "in- und outgroup" eher an anderen Dingen festmachen als am Geschlecht. Zum Beispiel an der Frage, wer zur eigenen Nation gehört, zur eigenen Mannschaft etc. Kann man immer wieder sehr anschaulich bei Fußballspielen beobachten! Very Happy

    @elTrixi schrieb:gerechter

    Wie definierst du in diesem Zusammenhang "Gerechtigkeit"? Wink Meritokratisch, oder nach Bedürftigkeitsprinzip? Dass alle gleich viel haben (equality of outcome), oder dass alle die gleichen Startchancen haben (equality of opportunity)?

    Wie in meinem vorherigen Post beschrieben, schafft die Meritokratie sich nämlich zügig selbst ab. Heißt: Wenn alle die gleichen Chancen haben, werden aufgrund der interindividuellen Unterschiede am Ende nicht alle gleich viel haben. Und wenn alle gleich viel haben sollen, muss man ungleiche Start- oder Endbedingungen schaffen. Die Zwickmühle besteht darin, dass die "Endpositionen" der ersten Generation die Startpositionen der zweiten Generation werden.

    @elTrixi schrieb:umsichtiger

    Da bräuchte ich mehr Informationen, was genau du damit meinst. Wenn du "Rücksichtnahme auf andere" beschreibst, also den Zusammenhalt einer Gruppe aufrechterhalten, würde ich das am ehesten mit dem Persönlichkeitsmerkmal "Verträglichkeit" in Verbindung setzen. Das ist in der Tat mit dem weiblichen Geschlecht korreliert. Da würde ich dir also zustimmen.

    Ob einen das nun generell zum besseren Menschen macht, ist eine andere Frage Very Happy . Es macht einen auf jeden Fall, wie der kanadische Psychologe Dr. Jordan Peterson beschreibt, besser im Umgang mit Kindern (s. oben zu den "mütterlichen Instinkten"). Dafür macht es einen jedoch auch weniger wettbewerbsorientiert, sodass man im harten Wettkampf mit weniger verträglichen Personen (=meistens Männern) eher das Nachsehen hat.

    @elTrixi schrieb:und haben nicht das Bedürfnis ihre Weiblichkeit auf Kosten anderer Mitmenschen zu beweisen, wie es gelegentlich bei Männern vorkommen soll.

    Wie würden frau denn deiner Meinung nach ihre Weiblichkeit beweisen, auch auf Kosten anderer, wenn sie es wollte? Wink

    Doch nicht etwa dadurch, dass sie sich rausputzt, sich freizügig und/oder elegant kleidet, um aus der Gruppe herauszustechen, und ggf. noch ein paar unschmeichelhafte Gerüchte über etwaige Konkurrentinnen hinter deren Rücken in die Welt setzt...? Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3434132744

    Aufgrund der höher ausgeprägten Verträglichkeit sind Aggressionen, auch verbale, bei Frauen zwar grundsätzlich weniger häufig als bei Männern. Was Frauen allerdings häufiger tun als Männer, sind sogenannte "indirekte Aggressionen". Dabei greift man nicht die Person face-to-face an, sondern ihre Beziehungen zu anderen Menschen - versucht, sie sozial zu isolieren. Im "Ehrenkodex" der meisten Männer gälte das wahrscheinlich als feige und heimtückisch. Evolutionär ist es jedoch eine sinnvolle Strategien für Frauen, da die direkte Konfrontation, insbesondere mit einem Mann, spätestens dann zu ihren Ungunsten ausgeht, wenn der Konflikt physisch wird (aufgrund der immensen physiologischen Kraftunterschiede). Also geht frau "durch die Hintertür".

    Auch das ist eine von Feministinnen gerne angewandte Strategie - Stichwort "Cancel Culture".


    @elTrixi schrieb:Dass es in der Realität nicht so einfach ist, Pille und Feminismus in einen Topf zu werfen, wurde bereits mehrfach gesagt. Ich würde wagen zu behaupten, dass Feminismus, wie wir ihn heute kennen, ein Phänomen der Französischen Revolution und im Anschluss daran des Europa des 19. Jhd. ist.

    Das nehme ich gerne als alternative Theorie auf! Very Happy Kannst du mir dazu ein paar nähere Beispiele nennen?

    Für mich beginnt der Feminismus mit der ersten Welle bei den Suffragetten nach dem ersten Weltkrieg, die zweite Welle kam dann ab den 1960ern (Pille, Arbeits- und Scheidungsrecht, Abtreibung etc.), die dritte Welle ab den 90ern und dem neuen Jahrtausend. Mittlerweile sind wir ja, je nachdem, wen man fragt, schon bei der vierten Welle angelangt. Die befassen sich dann mit gegenderter Sprache und "Mikroaggressionen" wie Man-Spreading und dem vermeintlichen Gender Wage Gap... Razz


    _______________________________________________________________________________________________________________________
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    Beitrag von Evelyn S am Sa Dez 07, 2019 9:04 am

    Ich hab mir jetzt nicht alle Post in ganzer Länge durchgelesen, aber ich möchte hier trotzdem mal ein Argument in den Raum werfen:

    Wenn die Erfindung der Pille automatisch breite, gesellschaftliche Veränderungen bewirken würde, dann müssten wir heute, 55 Jahre nach ihrer Einführung, in allen Ländern der Welt entsprechende Auswirkungen sehen. Tatsächlich hat sich in vielen Ländern (Indien, viele afrikanische Länder) die gesellschaftliche Stelllung der Frau fast gar nicht verbessert. Selbst Japan hinkt Europa weit hinterher. Wenn man sich Länder wie Saudi-Arabien anguckt, dann ist auch klar, dass es nicht am Geld liegt.

    Wenn es darum geht, wie man die Stellung der Frau in  Entwicklungsländern verbessern kann, dann sind sich Entwicklungshelfer und Experten meist einig: das geht über Bildung. Einfach nur die Pille verteilen, das reicht eben gerade nicht.
    Ich will gar nicht abstreiten, dass die Pille  eine für die Frauen sehr wichtige Erfindung war. Aber die Entwicklung zu einer Gesellschaft mit mehr Gleichberechtigung ist ein langwieriger, komplexer Prozess. Da müssen über einen langen Zeitraum viele Kämpfe ausgefochten und Denkmuster in Frage gestellt werden.

    Übrigens: für mindestens genauso wichtig wie die Pille halte ich die Möglichkeit zur gefahrlosen Abtreibung. Und die gab es bei Game of Thrones: da haben die Frauen doch immer diesen 'Moon Tea' getrunken.
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    Beitrag von uhdrapur am Sa Dez 07, 2019 10:09 am

    Mal ne ganz blöde und ausgesprochen provokative These:

    Oben beweist ja Strato, dass die Frau ihre (annähernde) Gleichberechtigung der Pille verdankt. Müsste dann nicht jede klar denkende Frau ein eingefleischter Todfeind der Homöopathie sein? Ich als Arzt werde ja Homöopathie in dem Moment ernst nehmen, wenn Frauen homöopathisch verhüten.

    Und jetzt duck ich mich mal ganz schnell weg und renne, wie ich noch nie zuvor im Leben gerannt bin bounce
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    Beitrag von Crackle42 am Sa Dez 07, 2019 11:02 am

    @Evelyn S schrieb:Wenn die Erfindung der Pille automatisch breite, gesellschaftliche Veränderungen bewirken würde, dann müssten wir heute, 55 Jahre nach ihrer Einführung, in allen Ländern der Welt entsprechende Auswirkungen sehen.
    Ja und nein. Es verhält sich ähnlich mit anderer Medizin wie z.B. Antibiotika. Theoretisch müssten die Menschen an den von dir genannten Orten tatsächlich nicht mehr großflächig sterben, de facto ist die Sterblichkeit an einer Grippe, verunreinigtem Wasser oder anderem trotzdem hoch. Das hat logistische Gründe, dass ich Pille, Kondom, Antibiotika o.a. nicht an jede Frau oder Mann auf der Welt bringen kann, zum anderen kostentechnische. An dieser Stelle Saudi Arabien als Beispiel anzuführen halte ich für gewagt, denn dort hat es aus meiner Sicht weniger mit Gleichberechtigung zu tun sondern mit systematischer Unterdrückung und Machtausübung. Dann ist klar, dass die gesellschaftliche Entwicklung stagniert.
    Japan ist von einer Kultur geprägt, in denen das Frauenbild noch ein anderes ist. Das wurde in dem Video schön erklärt, dass erst biologische Veränderungen (Veränderungen an der Hardware) zu kulturellen (Veränderungen (operating System) führen und das geschieht selbstverständlich nicht über Nacht, sondern braucht Zeit. Aber auch dort gibt es schon Bewegungen.
    Ich glaube Strato hatte auch nicht behauptet, dass die Pille eine kausal determinierte Entwicklung mit sich bringt, sondern eher als notwendige aber unzureichende Voraussetzung zur Gleichberechtigung. Das diese aufgehalten oder zumindest verlangsamt werden kann (aufgrund von Geld, Logistik, Unterdrückung, Zensur im Internet oder andere unzureichende Bildung) würde ich so unterschreiben.

    Wenn es darum geht, wie man die Stellung der Frau in  Entwicklungsländern verbessern kann, dann sind sich Entwicklungshelfer und Experten meist einig: das geht über Bildung. Einfach nur die Pille verteilen, das reicht eben gerade nicht.
    Puh, das ist aber stark verkürzt und Bildung als Allheilmittel anzusehen, ist nicht nur trügerisch sondern auch naiv. Man kann nicht nur an einer Stellschraube drehen und alles wird besser. Auch hier kann ich wieder nur dem Video zustimmen, dass die Einführung der Pille und deren Bekanntwerden (sprich, Kosten spielen keine Rolle und Bildung dahingehend steigt) zu einer Veränderung der Kultur führen konnte; in tausenden Jahren hat es aber keine kulturellen Fortschritt gegeben, ohne biologische Veränderung. Ich hatte vor kurzem eine Quelle in der Hand, in der stand, dass dieses Verhältnis von Mann und Frau und die Idee des Patriachats erst mit dem Sesshaften und dem Ansammeln von Besitz aufgekommen ist, wovon der Mann stärker profitiert hat. Durch seine physiologischen Vorteile und der Tatsache, dass er auch weiter Besitz/Nahrung anhäufen konnte während Frau schwanger war, hat diese Struktur weiter geprägt. Ärgerlicherweise weiß ich nicht mehr, wo ich das gefunden habe weil die Argumentation war ziemlich gut.


    Oben beweist ja Strato, dass die Frau ihre (annähernde) Gleichberechtigung der Pille verdankt. Müsste dann nicht jede klar denkende Frau ein eingefleischter Todfeind der Homöopathie sein? Ich als Arzt werde ja Homöopathie in dem Moment ernst nehmen, wenn Frauen homöopathisch verhüten.
    Ein Beweis ist das nicht, eher eine Hypothese mit Beleg aber wie immer in der Wissenschaft, kann sowas mit logischen und guten Gegenargumenten widerlegt werden Razz. Das mit dem Todfeind habe ich ehrlich nicht ganz verstanden.
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    Beitrag von uhdrapur am Sa Dez 07, 2019 11:37 am

    Das mit dem Todfeind habe ich ehrlich nicht ganz verstanden.
    Nun, nach o.g. Argumentation verliert die Frau ihre Gleichberechtigung, wenn der letzte Arzt auf dem Schaffott der Homöopathie sein Leben aushaucht. Es sei denn, Globuli wirken auch als Verhütungsmittel. Da Schüsslersalze eine Schwangerschaft so sicher verhüten wie den morgendlichen Sonnenaufgang, verträgt sich der emanzipatorische Ansatz nicht mit alternativen Heilmethoden.
    Eigentlich dachte ich, dass ich zu dem Zeitpunkt schon von allen Frauen des Forums mit Macheten gejagt werde :-)
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    Beitrag von Evelyn S am Sa Dez 07, 2019 4:23 pm

    Das hat logistische Gründe, dass ich Pille, Kondom, Antibiotika o.a. nicht an jede Frau oder Mann auf der Welt bringen kann, zum anderen kostentechnische.
    Wenn Frauen die Pille nicht nehmen, kann das logistische und kostentechnische Gründe haben, aber ebensogut kann das religiös oder durch die gesellschaftliche Struktur begründet sein.

    In manchen Gesellschaften befinden sich Frauen in einer Situation, in der sie gar keine Möglichkeit haben, unabhängig zu leben. Beispielsweise stehen sie vielleicht unter der Vormundschaft ihrer (männlichen) Verwandschaft, die ihnen verbietet, zu arbeiten, vielleicht wurden sie auch sehr jung verheiratet, sind schon Mutter, bevor sie überhaupt die Chance hatten, unabhängig zu werden. Sie haben nur eine Chance, einen gewissen gesellschaftlichen Rang zu erreichen und zu Ansehen zu kommen: indem sie viele Kinder, und zwar möglichst Söhne, gebären. Frauen in solchen Situationen können mit der Pille zunächst mal nicht allzu viel anfangen.

    Religiöse Gründe: Ich erinnere mich da an das Buch 'Herbstmilch' von Anna Wimschneider, eine Bäuerin im katholischen Bayern in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Eltern haben einen kleinen Bauernhof, die Mutter gebärt ein Kind nach dem anderen. Das ist nicht nur für die Mutter ein Problem, sondern genauso für den Vater, der nicht weiss, wie er die Kinder ernähren soll. Aber man ist katholisch, der Pfarrer wird nicht müde, der Gemeinde einzubläuen, dass man in der Hölle landet, wenn man seine ehelichen Pflichten nicht erfüllt, und Verhütung ist sowieso eine Todsünde. Und die Mutter gebärt lieber ein Kind nach dem anderen, bis sie bei Kind Nummer neun im Kindbett stirbt, als das Risiko einzugehen, in der Hölle zu landen.

    Japan ist von einer Kultur geprägt, in denen das Frauenbild noch ein anderes ist.
    Das ist nicht nur in Japan so, sondern auch in vielen anderen Ländern, und das ist ja genau das, was ich meine. Die Stellung der Frau wird geprägt durch das vorherrschende Frauenbild, die Kultur und die gesellschaftliche Struktur. Veränderungen zu mehr Gleichberechtigung hin erfordern Veränderungen der Kultur, ein Umdenken auf vielen Ebenen, das ist ein komplexer, langwieriger Prozess. Und nur die Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln allein reicht m.E. nicht aus, um den Wandel herbeizuführen.

    Ich glaube Strato hatte auch nicht behauptet, dass die Pille eine kausal determinierte Entwicklung mit sich bringt, sondern eher als notwendige aber unzureichende Voraussetzung zur Gleichberechtigung.
    Im Eingangspost wurde aber die Frage aufgeworfen, ob die flächendeckende Verfügbarkeit von Verhütungsmitteln dazu führt, dass sich diese Gesellschaft dann auch automatisch relativ zügig auf den Weg zur Gleichberechtigung begibt - und genau das erscheint mir eben zu verkürzt und zu vereinfacht.
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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften Empty Re: Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

    Beitrag von Strato Incendus am So Dez 08, 2019 11:26 pm

    @Crackle42 schrieb:Ich glaube Strato hatte auch nicht behauptet, dass die Pille eine kausal determinierte Entwicklung mit sich bringt, sondern eher als notwendige aber unzureichende Voraussetzung zur Gleichberechtigung. Das diese aufgehalten oder zumindest verlangsamt werden kann (aufgrund von Geld, Logistik, Unterdrückung, Zensur im Internet oder andere unzureichende Bildung) würde ich so unterschreiben.

    Ich glaube, du solltest mein "Interpretierer" werden, denn du triffst das, was ich meine, immer wieder auf den Punkt! Wink

    Evelyn S hat natürlich auch Recht, dass ich in meinem Startpost das Wort "automatisch" gebraucht habe - aber eben auch nur in dem Kontext, dass sich die Gesellschaft "auf den Weg zur Gleichberechtigung begibt". Wie lang dieser Weg dann letztendlich ist, das kann sich natürlich von Kultur zu Kultur unterscheiden. In Saudi-Arabien dürfen Frauen ja bekanntlich seit kurzem Auto fahren. Und die Scheinbegründung, warum sie es vorher nicht durften, hatte tatsächlich auch mit Reproduktion zu tun, nämlich mit einer angeblichen "Gefahr für die Eierstöcke".

    In diesem Fall hat die Änderung des Gesetzes also zwar vermutlich nicht direkt mit der Pille, sondern eher mit der modernen Wissenschaft zu tun, und damit, dass auch in Saudi-Arabien dann irgendwann einmal die Verantwortlichen eingesehen haben, dass diese postulierte Gefahr Unsinn ist. Aber es zeigt anschaulich, wie eng die Bevormundung, aber auch der verstärkte Schutz von Frauen im Vergleich zu Männern mit der Reproduktion zusammenhängen. Letztendlich wird die Absicht zum "Beschützen" der Frau ja auch die Begründung seien, die man in vielen islamischen Ländern als Rechtfertigung für die Vollverschleierung anführt.

    Der flächendeckende Zugang zur Verhütungsmittel ist also lediglich ein Katalysator, der diese Entwicklung möglicht macht bzw. erst in Gang bringt.

    Dass insbesondere islamische Länder in Bezug auf Frauenrechte hinterherhinken, hat mMn eher mit dem Koran an sich zu tun, der für sich beansprucht, das finale Wort Gottes zu sein. Mohammed war der letzte Prophet, danach kommt nichts mehr. Sogesehen ist der Islam eine kulturelle "Software", die zumindest ihrer beabsichtigten Programmierung nach kein Update zulässt.

    Das Christentum dagegen hatte mit dem Papst als "Stellvertreter Gottes auf Erden" immer einen eingebauten "Software-Updater", der auch das, was in der Bibel stand, nach seinem momentanen Empfinden ergänzen, erweitern oder komplett abwandeln konnte.

    Das führte natürlich zu einem Auf und Ab: Hat man einen Papst wie Urban den II., dann kann der auch zum Kreuzzug aufrufen, auch, wenn in der Bibel dafür kaum eine Grundlage gefunden werden kann, insbesondere nicht im Neuen Testament. Hat man dagegen einen Reformer wie Johannes XXIII oder aktuell Franziskus I, dann können diese Personen die Religion an die Gegenwart anpassen. Man geht also auch mal zwei Schritte nach vorne und einen zurück, aber in Summe werden die meisten Betriebssysteme im Verlauf der Zeit immer besser - selbst, wenn mal das ein oder andere schädliche Update dabei ist. Letztendlich ist das also gegenüber dem Stillstand vorzuziehen.

    Wie am obigen Beispiel zu sehen, kann sich selbst ein extrem konservativ-islamisches Land wie Saudi-Arabien nicht von der Außenwelt abschotten und den kulturellen Fortschritt gänzlich verhindern. Aber ich denke, anhand dieses Vergleichs wird klar, warum manche Religionen und andere Überzeugungen den Fortschritt im Vergleich zu anderen zumindest deutlich verlangsamen können. Wink

    Auch das hat Crackle42 ja bereits erkannt:

    @Crackle42 schrieb:
    Ja und nein. Es verhält sich ähnlich mit anderer Medizin wie z.B. Antibiotika. Theoretisch müssten die Menschen an den von dir genannten Orten tatsächlich nicht mehr großflächig sterben, de facto ist die Sterblichkeit an einer Grippe, verunreinigtem Wasser oder anderem trotzdem hoch. Das hat logistische Gründe, dass ich Pille, Kondom, Antibiotika o.a. nicht an jede Frau oder Mann auf der Welt bringen kann, zum anderen kostentechnische. An dieser Stelle Saudi Arabien als Beispiel anzuführen halte ich für gewagt, denn dort hat es aus meiner Sicht weniger mit Gleichberechtigung zu tun sondern mit systematischer Unterdrückung und Machtausübung. Dann ist klar, dass die gesellschaftliche Entwicklung stagniert.

    Um eine Erklärung von Prof. Harald Lesch zu bemühen: Es gibt religiöse Gebote, die sagen "du sollst nicht", und es gibt physikalische Gebote, die sagen "du kannst nicht". Erstere kann man ignorieren - letztere nicht. Wink

    Logistik, Armut und andere Gründe für fehlenden Zugang zu Verhütungsmitteln wären ein "du kannst nicht". Religiöse Abschreckungen wie die Hölle dagegen bloß ein "du sollst nicht". Bis zur Erfindung der Pille in den 1960ern galt "du kannst nicht (die Empfängnis verhindern)" jedoch für die gesamte Menschheit, und zwar Jahrtausende lang.

    Da ist es jetzt nicht so überraschend, dass die religiösen Vorstellungen, die sich auf Basis dieser biologischen Einschränkung entwickelt haben, nicht überall innerhalb von ein paar Jahrzehnten einfach so überwunden werden können. Wink

    @uhdrapur schrieb:Oben beweist ja Strato, dass die Frau ihre (annähernde) Gleichberechtigung der Pille verdankt.

    Da Frauen in westlichen Ländern mittlerweile mehr Rechte haben als Männer, kann man in der Tat nur von annähernder Gleichberechtigung sprechen
    Razz . Und neben der Pille hat die Möglichkeit zur Abtreibung natürlich ebenfalls mit beiden zu tun - also sowohl mit der Entscheidungsfreiheit, als auch mit der "Mehrberechtigung" der Frauen im Westen. Denn Abtreibungsfragen sind tatsächlich eines der wichtigsten Beispiele: Eine Frau kann frei darüber entscheiden, ob sie ein Kind austrägt oder nicht, ob sie es zur Adoption freigibt oder nicht usw. Der leibliche Vater hingegen hat kein Mitspracherecht.

    Wenngleich hier von Feministinnen gerne nur die unidirektionale Situation angeführt wird, dass kein Mann eine Frau zwingen können sollte, ein Kind auszutragen (dem stimme ich zu), so dürfte in Zeiten der "Hookup Culture" das umgekehrte Beispiel viel häufiger zutreffen: Sie entschließt sich, das Kind zu behalten, er ist dagegen. Im umgekehrten Fall kann frau die Verantwortung auf gleich mehrerem Wege loswerden, entweder durch Abtreibung oder durch Freigabe zur Adoption; der Vater hingegen kann der Unterhaltspflicht nicht entkommen.

    Jungen haben desweiteren kein Recht auf "genitale Unversehrtheit" (Frauenbeschneidung ist zurecht in westlichen Ländern verboten; die Beschneidung von kleinen Jungen ist dagegen weiterhin zulässig, selbst ohne medizinische Indikation, aus rein religiösen Gründen, oder einfach so, weil die Eltern das wollen - insbesondere in den USA ein Problem). Dazu kommt ein Haufen Affirmative Action-Programme und andere Quoten-Regelungen, die festlegen, dass bei gleicher Qualifikation eines männlichen und weiblichen Bewerbers die Frau eingestellt werden muss. Und der "Elephant in the Room" ist natürlich die Wehrpflicht, die in den meisten Ländern, wo sie noch existiert, nur für Männer gilt. Die einzigen Ausnahmen sind Israel und Eritrea sowie seit kurzem Norwegen und Schweden (wobei in Israel die Dienstzeit für Frauen auch kürzer ist als für Männer).

    Dagegen gibt es kein einziges Recht in westlichen Ländern, das Männern vorbehalten ist und Frauen nicht.
    @uhdrapur schrieb:
    Müsste dann nicht jede klar denkende Frau ein eingefleischter Todfeind der Homöopathie sein?

    Ja... jede klar denkende Frau müsste das in der Tat. Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3434132744

    Wie zuvor bereits erwähnt, ist das Persönlichkeitsmerkmal Verträglichkeit bei Frauen statistisch höher ausgeprägt als bei Männern. Menschen mit ausgeprägter Verträglichkeit haben ein höheres Bedürfnis nach Harmonie, "unverträgliche" Menschen dagegen nach Wettbewerb. Wem Harmonie wichtig ist, der ist anfälliger für "Groupthink": Man redet vielleicht auch mal anderen eher nach dem Mund oder übernimmt sogar ehrlich ihre Überzeugungen, um den Zusammenhalt in der Gruppe nicht zu stören. Auch das ist evolutionär plausibel, da das Überleben in freier Wildbahn für eine einzelne Frau deutlich gefährlicher war als für einen einzelnen Mann. Da gilt dann Gruppenkohäsion > Wahrheit.

    Generell sind jedoch alle Menschen anfällig für "Groupthink", weil wir nun einmal als "Tribal Creatures" entstanden sind, und unseren Stamm zusammenhalten wollten. Für welche spezifische Art von Schwarmdenken man anfällig ist, das hängt dann wieder, wie zuvor erwähnt, mit In- und Outgroup zusammen. Feminismus etwa wurde mehrheitsfähig durch die ebenfalls zuvor erwähnte bei Frauen fünfmal höhere "own group preference" auf Basis des Geschlechts; eine in Funktionsweise und "Impact" vergleichbare Bewegung für Männer wird man nicht finden. Dafür aber haufenweise nationalistische Ideologien, die die Ingroup anhand von Volkszugehörigkeit definieren. Und diese Art von Schwarmdenken war dann wiederum Männern wichtig genug, dass viele von ihnen sogar freiwillig und mit Enthusiasmus ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt oder sogar geopfert haben.


    @Evelyn S schrieb:
    Sie haben nur eine Chance, einen gewissen gesellschaftlichen Rang zu erreichen und zu Ansehen zu kommen: indem sie viele Kinder, und zwar möglichst Söhne, gebären. Frauen in solchen Situationen können mit der Pille zunächst mal nicht allzu viel anfangen.

    Sehr gut - ich denke, hier bist du einem weiteren "notwendigen Kriterium" für Gleichberechtigung auf der Spur, und das ist ein funktionierender Sozialstaat. Und dabei rede ich noch gar nicht einmal von Mutterschutz und Kindergeld, die einige konservative und libertäre Hardliner aus den USA ja bereits als "Umverteilung von Reichtum" von Männern an Frauen ansehen (weil Männer als Gruppe insgesamt mehr verdienen und damit auch mehr in die Sozialsysteme einzahlen, als sie daraus erhalten, und Frauen mehr daraus entnehmen, als sie einzahlen). Vielmehr braucht es als Mindestgrundlage erst einmal ein funktionierendes Rentensystem.

    Solange es das nicht gibt, sind Kinder heute wie damals die beste "Altersvorsorge". Also werden die meisten Elternpaare versuchen, möglichst viele davon in die Welt zu setzen. Insbesondere, wenn sie in Ländern mit generell schlechterer Nahrungs- und Gesundheitsversorgung oder instabilerer Sicherheitslage leben, wo sie sich ggf. darauf einstellen müssen, dass nicht all ihre Kinder überleben werden.

    Selbst sobald es einmal ein funktionierndes Rentensystem gibt, können sich Vorstellungen von einer "Verpflichtung" zum Kinderbekommen (wohlgemerkt sozial forciert, nicht gesetzlich! Wink ) aber immer noch über Generationen halten. Sogar im Westen halten einige Menschen einen ja noch für einen Sozialschmarotzer, wenn man keine Kinder hat, weil man dann später, wenn man selbst Rentner ist, ein reiner Leistungsempfänger ist, der niemanden in die Welt gesetzt hat, der aktuell weiter einzahlt. Dass man dafür vorher natürlich auch kein Kindergeld und ggf. auch keine ehelichen Steuervorteile erhalten hat, zudem sein ganzes Leben lang die Möglichkeit hatte, Vollzeit zu arbeiten, anstatt den Kindern zuliebe auf Teilzeit zu gehen, also kurzum, während man selbst Teil der arbeitenden Bevölkerung war, den Eltern die Erziehungi ihrer Kinder mitfinanziert hat... das wird bei dieser Argumentation dann gerne mal übersehen. Very Happy

    Letztendlich ist aber auch hier wieder die Evolution mit ihren Instinkten am Werk, die uns dazu bringen, uns zwar vorwiegend für das Fortbestehen der eigenen Gene zu interessieren, sekundär aber auch für das Fortbestehen der menschlichen Spezies als Ganzes. Sogesehen wird Kinderlosigkeit unter den Lebenden immer ein Stück weit ein Stigma bleiben... denn alle, die am Leben sind, sind ja die Nachfahren derer, die weiterhin Kinder bekommen haben. Während jene, die es nicht getan haben, sich selbst aus dem Genpool entfernt haben.

    Ein Extrembeispiel, wie weit die "Schmach, keine Kinder zu haben" führen kann, ist Nigeria. Dort gibt es regelrechte "Kinder-Fabriken ". Und ja, das ist genau so schlimm, wie euer Kopf es sich bei diesem Wort gerade schon ausmalt: Dort werden Frauen gefangen gehalten, um Kinder zu gebären, die dann an reiche Paare oder Familien verkauft werden, die selbst keine haben können... damit diese Paare nicht in die "Schande" der Kinderlosigkeit rutschen. Die Gefangenen sind nur teilweise Entführte; viele geraten wohl auch auf ähnliche Weise dort hinein wie Zwangsprostituierte. Also mit der Aussicht auf einen vermeintlich besseren Job angelockt, in ein Abhängigkeitsverhältnis von einem Schlepper o.ä. gebracht, und dann ausgenutzt. Mit dem Unterschied, dass Prostituierte die Kinder wenigstens nicht noch austragen müssen. Dass Vergewaltigungen dort an der Tagesordnung sind, um die "Arbeiterinnen" in diesen Kinder-Fabriken zu schwängern, dürfte wohl auch niemanden mehr überraschen.

    Tja, und bei einem Land, wo die Schande, keine Kinder zu haben, als so groß angesehen wird, dass daraus ein Markt für diesen kriminellen Geschäftszweig erwächst... braucht man sich dann auch nicht mehr zu wundern, wenn die jährliche Bevölkerungswachstumsrate bei über 2,5% liegt (zum Vergleich: in Deutschland sind es 0,4%). Und das, obwohl die Regierung bereits kostenlose Verhütungsmittel verteilt und kleinere Familien medial propagiert. "Social Engineering" kommt eben nicht so schnell gegen in der Bevölkerung etablierte Vorstellungen an.

    Gleichzeitig gilt aber auch: Selbst in Nigeria ist die Geburtenrate seit den 80ern bereits drastisch gefallen. Auch hier schlägt die Wirkung also bereits an...


    Die Kernaussage von Colttaine ist ja - um wieder den Bogen zum Eingangsthema zurück zu bekommen - Kultur ist eine Funktion der Biologie. Das heißt, die Kultur kann überhaupt erst anfangen, sich zu ändern, sobald die biologischen Voraussetzungen gegeben sind.


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    Beitrag von Nina am Sa Dez 21, 2019 11:41 pm

    Ich finde eine halbwegs sichere Verhütung auch wichtig - und damals: Allzu sicher war es wohl nicht, aber man kann doch auch mit Methoden wie Coitus interruptus die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft niedriger halten. (Bitte nicht nachmachen - heutzutage gibt es bessere Methoden, aber besser als gar nicht ist es noch allemal ... elephant ) Dazu kommt es auch bei einer Frau, die mangelernähert, viel Stress ausgesetzt und schwerer körperlicher Belastung ausgesetzt ist, kommt es oft nicht zu einer Schwangerschaft. - Früher dachte man auch, dass es beim Stillen nicht zu einer kommen kann, aber da wurden einige Frauen, die genug abwechselungsreiche Kost hatten, eines besseren belehrt.
    Also ich würde es bei einer Fantasygeschichte bei einer Frau, die jetzt an einem Feldzug teilnimmt und wo es nicht so tolles Essen gibt, nicht so ungewöhnlich finden, dass sie nicht gleich bei einem Abenteuer gleich schwanger ist.

    Aber wie dem auch sei, am wichtigsten finde ich, dass es eine Aufklärung gibt und dass ein Mann und eine Frau auch über so was reden können. Und es eben nicht drum geht, dass einfach nur die sexuelle Lust vornehmlich des Mannes gestillt wird. Man kann ja in sexueller Hinsicht einiges machen, das durchaus befriedigend sein kann und eben nicht Vaginalverkehr ist.

    Ich denke allerdings, dass auch der Umgang mit den Kindern wichtig ist. Steht da eine Frau praktisch gesellschaftlich isoliert damit da? Gibt es Möglichkeiten der Betreuung anderswo? (Schule, Kindergarten, Hort) Wie weit lässt sich der Vater in die Pflicht nehmen? - Da hat sich viel getan, bei meinen Großeltern galt es z.B. teils als "Schande" für einen Mann, sein eigenes Kind (und ein anderes erst recht) im Kinderwagen spazieren zu fahren! Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3174843735 - Viel gebracht haben sicher auch Vaterschaftstests, wo sich einer dann auch nicht so leicht wegdrücken und zumindest finanziell in die Pflicht genommen wird.
    Aber auch die anderen Frauen, wie die damit umgehen. Also wie die einander oft angehen, wenn es um den Umgang mit Kindern geht, speziell mit Themen wie Berufstätigkeit oder wie lange man stillen muss oder wie man die Schlafeinheiten eines Babys einteilen muss, da gehen die Damen oft ziemlich aufeinander los, statt dass jede die andere einfach machen lässt. Das ist immer so ein Problem, weil viele Menschen halt denken, dass es nur einen richtigen Weg gibt. Aber wenn ich mir heute die Kinder von damals anschaue, wie die als Erwachsene sind - also ich sehe da nicht unbedingt, dass die einen erfolgreich und die anderen verkorkst wären, egal, wie genau das bei denen zu Hause war. (Misshandelt oder vernachnachlässigt wurde keines.)

    In der Fantasy ist aber so gut wie alles möglich. Man kann sich auch ganz andere Gesellschaften ausdenken, wo z.B. Kinder ohnehin gemeinsam großgezogen werden und jeder beiträgt, was er kann. Es wäre ja nicht unlogisch, wenn diejenigen, die körperlich nicht schwer arbeiten können, die Kinder hüten und die anderen tragen halt in Form von Gütern (Essen, Heizmaterial etc.) dazu bei. Oder diverse Kräutertränke, magische Formeln etc.
    Oder es sind auch gar keine Menschen. Dann könnte das mit der Fortpflanzung auch ganz anders funktionieren ... Aber ob das dann so sexy in der Beschreibung ist ... Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3434132744

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    Beitrag von Alandra Ossenberg am Sa Feb 22, 2020 8:25 pm

    Man könnte sich übrigens auch in der Fantasy mal matriarchaler Strukturen annehmen. Soll es ja über die Menschheitsgeschichte auch gegeben haben (so viel zu Begriffen wie "modern", das sind so wertende Begriffe, die ich schwierig finde, zumal zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Gegenden Frauen sehr verschiedene Möglichkeiten und Rechte gehabt haben, z.B. im alten Ägypten durchaus viele).
    Mit Bezug auf die Verhütungsmöglichkeiten stimme ich da Nina durchaus zu.
    Bei "Game of Thrones" (zumindest bei den Büchern) ist die Wahl der Verhütung ja auf ein Gebräu gefallen, das so zu wirken scheint wie bei uns heutzutage die "Pille danach".


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    Beitrag von Strato Incendus am Di Feb 25, 2020 11:38 am

    @Alandra Ossenberg schrieb:Man könnte sich übrigens auch in der Fantasy mal matriarchaler Strukturen annehmen. Soll es ja über die Menschheitsgeschichte auch gegeben haben

    Ähm, nein... der anthropologische Konsens ist, dass es so etwas nicht gegeben hat.  Rolling Eyes  Und das will schon etwas heißen, denn ein Existenzsatz ("es gibt / hat gegeben...") ist relativ leicht zu belegen, da genügt ja schon ein einziges Beispiel. Unter "Matriarchat" verstehe ich hier eine Gesellschaft, in der Frauen insgesamt mehr politische Macht haben als Männer.

    Dass es da keine historischen Vorlagen gibt - zumindest keine stabilen Zivilisationen, an denen man sich orientieren könnte - ist mit einer der Gründe, warum ich es so schwierig finde, mir für fiktionale matriarchalische Gesellschaften wie z.B. die Dunkelelfen in Dungeons & Dragons ein schlüssiges Konzept zu überlegen. Dieser Teil des Worldbuildings ist auch einer der Haupt-Stolpersteine beim ersten Teil meiner Geschichte. Wobei ja eh die Frage ist, ob ich diese Vorgabe (Dunkelelfen = matriarchalisch) übernehmen möchte, wenn ich mich langfristig eh von der D&D-Vorlage lösen sollte / muss.

    Sollte ich mich jedoch entscheiden, dieses Matriarchats-Element beizubehalten, bleibt mir im Endeffekt auch da wieder nur der altbewährte Magiejoker. Ein solcher fiktionaler Faktor ist das einzige, was mir einfällt, das in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, wo Frauen als ganzes über den Männern stehen, die männliche Bevölkerung langfristig daran hindern könnte, irgendwann einfach wieder zu physischer Gewalt zu greifen und diese Gesellschaftsordnung über den Haufen zu werfen. Sobald Konflikte physisch werden, zieht frau im Großen und Ganzen den Kürzeren.



    Ein Matriarchat bzw. dessen Nichtexistenz sollte man allerdings nicht verwechseln mit Gynozentrismus (wie weiter unten ein Irokese zitiert wird "In our society women are the centre of all things"). Das "Wohl der Frauen" ins Zentrum der Gesellschaft zu stellen geht nicht zwangsläufig mit politischer Macht einher, ggf. sogar eher im Gegenteil. Eine Gesellschaft kann bspw. auch "das Wohl der Kinder" ins Zentrum stellen, trotzdem würden dadurch Kinder nicht in Machtpositionen gehievt. Vielmehr gehen "Schutz" und "Bevormundung / Einschränkung der Freiheit" oft Hand in Hand.

    Feministinnen behaupten ja gerne, auch die heutige westliche Gesellschaft sei "patriarchalisch". Die Man-O'-Sphere behauptet, sie sei gynozentrisch. Beides schließt sich nicht gegenseitig aus. Das würde bedeuten, die Welt wird "von Männern für Frauen" gemacht.

    Wobei hier mit "Männern" eher generell Personen in Machtpositionen gemeint sind (was eben größtenteils Männer sind), die politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Einfluss ausüben können.
    Der Großteil der Männer, also die unteren 80%, hat von dieser "Macht" jedoch nichts. Männer haben keine "own-group preference" in dem Sinne, d.h. sie geben Geschlechtsgenossen nicht einen automatischen Sympathievorschuss, wie Frauen es tun. Im Gegenteil, Männer stehen untereinander viel stärker im Wettbewerb, sodass ein Mann in einer Machtposition diese Macht und ggf. damit verbundenen Reichtum vor allem für sich selbst und seine Familie einsetzen wird.



    Deshalb begeht jemand, der in der heutigen Gesellschaft ein Patriarchat annimmt, den sogenannten Apex-Fehlschluss:
    Alle Personen, die Macht haben, sind Männer, daher haben alle Männer Macht.
    Das ist derselbe Denkfehler wie bei Verschwörungstheoretikern, die an eine "jüdische Weltverschwörung" oder so einen Unsinn glauben.

    In beiden Fällen wird aus einer bloßen Überrepresentation einer Bevölkerungsgruppe (d.h. Anteil dieser Gruppe an Menschen in Machtpositionen > Anteil der Gruppe an der Bevölkerung) eine systematische Bevor- oder Benachteiligung abgeleitet, also eine kausale Behauptung aufgestellt, obwohl einem nur Korrelationen vorliegen. Und der Rest der genannten Bevölkerungsgruppe, d.h. der Großteil, der sich genausowenig dieser Machtpositionen "erfreut" wie jeder andere, hat absolut nichts von der vermeintlichen "Vormachtsstellung".


    Es ist also schon schwer genug, sich als Mensch in der heutigen Zeit ein echtes Patriarchat vorzustellen. Wink Im Prinzip liegt das nur vor, wenn man im Gesetz festgeschriebene unterschiedliche Standards und Regeln für Männer und Frauen hat, und zwar dann auch noch konkret solche, die eindeutig zum Nachteil der Frauen / zum Vorteil der Männer sind. So etwas findet man heutzutage mMn vor allem in konservativen islamisch geprägten Ländern, wo z.B. ganz offiziell die Zeugenaussage einer Frau vor Gericht halb so viel wert ist wie die eines Mannes.

    Wenn es dagegen einfach nur unterschiedliche Vorschriften für Männlein und Weiblein sind (z.B. Wehrpflicht für Männer vs. die Unterstellung einer Ehefrau unter ihren Ehemann), dann ist das zwar eine illiberale Gesellschaft, weil sie ihren Mitgliedern Pflichten aufzwingt auf Basis von Faktoren, über die sie keine Kontrolle haben. Aber es ist nicht etwa ein Geschlecht gegenüber dem anderen generell im Vorteil. Wie lange hielt sich die Vorstellung "Männer sterben im Krieg, Frauen im Kindbett", und das war halt eben so hinzunehmen. Ob eine Art zu sterben jetzt generell besser ist als die andere, darf man bezweifeln. Rolling Eyes

    Und zu einem Matriarchat wäre es dann noch einmal einen Schritt weiter.   Rolling Eyes Damit solch eine Gesellschaftsform sich überhaupt etablieren könnte, müssen erst einmal unzählige biologisch-physiologische Hürden überwunden werden, und selbst dann wäre eine solche Gesellschaftsform aus oben genannten Gründen nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit langfristig stabil.


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    Beitrag von Red Queen am Di Feb 25, 2020 5:12 pm

    Dass es da keine historischen Vorlagen gibt - zumindest keine stabilen Zivilisationen, an denen man sich orientieren könnte - ist mit einer der Gründe, warum ich es so schwierig finde, mir für fiktionale matriarchalische Gesellschaften wie z.B. die Dunkelelfen in Dungeons & Dragons ein schlüssiges Konzept zu überlegen.
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    Find ich lustig.


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    Beitrag von Strato Incendus am Di Feb 25, 2020 6:25 pm

    Das ist mir völlig bewusst, und ich habe schon damit gerechnet, dass jemand meine Signatur als berechtigtes Gegenargument anführen würde Wink .

    Wie ich bereits in anderen Threads etabliert habe, muss der Fantasie mMn jedoch die Immersion gelingen, damit sie überzeugend wirkt. Immersion erfordert suspension of disbelief. Wenn ich über natürliche Gegebenheiten einfach unerklärt hinweggehe, ohne zu erklären, WIE konkret diese Gegebenheiten überwunden werden, ist das für mich eine mentale Abkürzung, die ich dem Autor nicht abkaufe.

    Nehmen wir mal ein klassisches SciFi-Beispiel:

    Regel im Star Trek-Universum: Raumschiffe reisen mit Überlichtgeschwindigkeit.
    Reale Gegebenheit: Materie kann sich nicht schneller als mit Lichtgeschwindigkeit bewegen.

    Würde man also einfach nur behaupten, in diesem Universum seien Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit möglich, würde das die suspension of disbelief unterbrechen.

    Das passiert jedoch nicht, sondern es wird eine Erklärung geliefert: Die Warpblase funktioniert per Raumkrümmung. Der Raum vor dem Schiff wird verkürzt, der Raum hinter dem Schiff expandiert. Raum ist keine Materie und kann durchaus schneller als das Licht expandieren (deshalb ist der Großteil des Universums ja für uns nicht beobachtbar, weil der Raum sicht dort schneller ausbreitet als das Licht, wir also nicht weiter gucken können, sondern von der Expansion "abgehängt" werden). Das Schiff selbst bewegt sich innerhalb der Blase mit normaler Unterlichtgeschwindigkeit.

    Das ist also immer noch SciFi, weil wir diese Technologie noch nicht haben. Aber Raumkrümmung zu interstellaren Reisen zu verwenden ist zumindest eine von Wissenschaftlern ernsthaft in Erwägung gezogene Möglichkeit.

    Das ist der Unterschied zwischen Fantasie, die auf realistischen Grundlagen fußt, und Fantasie, die aus der Luft gegriffen Wunschvorstellungen aufbaut. Wink

    Im Beispiel Matriarchat wäre eben mMn die wichtigste zu beantwortende Frage: Wie verhindert eine Gesellschaft, in der Frauen als Gruppe über den Männern stehen, dass diese Männer einfach irgendwann zu physischer Gewalt greifen und eine neue Herrscherklasse etablieren? Rolling Eyes

    Ich bin gespannt auf eure Antworten! Very Happy


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    Beitrag von Alandra Ossenberg am Di Feb 25, 2020 8:18 pm

    Also, mein Mann meinte, es habe in Thailand ein Matriarchal gegeben, in Lateinamerika (von wo er stammt) gebe es noch heute matriarchalische Strukturen.

    Hier evtl. noch eine interessante Lektüre : https://uni.de/redaktion/matriarchate

    Laut Wikipedia gibt es übrigens keine einheitliche Definition für den Begriff.


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    Beitrag von Crackle42 am Mi Feb 26, 2020 10:35 am

    @Strato Incendus schrieb:Ähm, nein... der anthropologische Konsens ist, dass es so etwas nicht gegeben hat.  Rolling Eyes  Und das will schon etwas heißen, denn ein Existenzsatz ("es gibt / hat gegeben...") ist relativ leicht zu belegen, da genügt ja schon ein einziges Beispiel.
    Dann darfst du den Absatz aber auch zu Ende lesen bis zu "Matriarchs, according to Peoples and Bailey, do exist" Wink Die meisten Anthropologen können immer noch im Unrecht liegen. So können beispielsweise 99% behaupten, es gäbe keinen schwarzen Schwan und sie haben auch noch nie einen gesehen, nur der eine, der ihn gesehen hat und das Gegenteil behauptet. Das ist schwierig zu diskutieren, weil hier verschiedene Ansichten und Definitionen zugrunde liegen, du beziehst es ja auf politische Macht, was aber laut den gegebenen Matriarchaten eher eine soziale(-politische) Macht wäre.

    Dass es da keine historischen Vorlagen gibt - zumindest keine stabilen Zivilisationen, an denen man sich orientieren könnte - ist mit einer der Gründe, warum ich es so schwierig finde, mir für fiktionale matriarchalische Gesellschaften wie z.B. die Dunkelelfen in Dungeons & Dragons ein schlüssiges Konzept zu überlegen.
    Das eine Problem ist, dass dieses Patriarchat (ich bin kein Freund des Begriffs, es ist zu negativ behaftet) schon seit Urzeiten in unserer Kultur und wohl auf der gesamten Welt zu verbreitet ist, sodass wir nicht wissen, wie es früher war. Man kann nur Annahmen über das Steinzeitalter und Bronzezeitalter treffen, wie aber die Gesellschaft organisiert und ob das eine oder andere stärker geherrscht hat, können wir nicht zuverlässig bestimmen. Das andere Problem betrifft die Dokumentation, da man alleinig von ein paar Knochen, Werkzeugen und Höhlenmalereien Rückschlüsse ziehen muss. Den Buchdruck gab es ja noch nicht und damit ist sämtliche Sprache zu der Zeit verloren.
    Übrigens ist es immer schwierig sich von bestehenden Konzepten zu lösen. Ich hatte unter Freunden mal die Diskussion, ob es biologisch determiniert ist, dass es immer zwei Geschlechter gibt oder ob es an anderen Stellen des Universums auf anderen Planeten unter anderen Bedingungen auch drei, vier oder mehr Geschlechter geben kann. Ich will die Frage hier nicht diskutieren, das führt auch vom Thema weg, will aber aufzeigen, dass man selbst bei anderen Aspekten wie Völker (Elfen, Zwerge, Gnome etc.) immer auf dem biologischen Urkonzept unserer Welt bleibt. Einzig Star Trek hat sich meines Wissens nach davon mal abgehoben und mehrere Geschlechter in den Raum geworfen.


    Sollte ich mich jedoch entscheiden, dieses Matriarchats-Element beizubehalten, bleibt mir im Endeffekt auch da wieder nur der altbewährte Magiejoker. Ein solcher fiktionaler Faktor ist das einzige, was mir einfällt, das in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft, wo Frauen als ganzes über den Männern stehen, die männliche Bevölkerung langfristig daran hindern könnte, irgendwann einfach wieder zu physischer Gewalt zu greifen und diese Gesellschaftsordnung über den Haufen zu werfen. Sobald Konflikte physisch werden, zieht frau im Großen und Ganzen den Kürzeren.
    Würde ich so nicht sagen. Du gehst wahrscheinlich von größeren Siedlungen, Dörfern und Städten aus, wo das durchaus zutreffend ist. Gerade kleinere Dörfer und Siedlungen (ich sage mal bis zu einem niedrigen dreistelligen Personenbereich) haben ein starkes Interesse zu funktionieren und wenn sich dort Strukturen herausbilden, die das garantieren - eben weil sie isoliert und damit keine fremde Beeinflussung erlebt haben - dann kann sich sowas durchaus etablieren. Nach dem verlinkten Beitrag nach, scheint das ja bei solchen indogenen Völkern der Fall zu sein. Du könntest also eine Gesellschaft haben, indem das Konzept der Ehe nicht bekant ist und nur die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht und Bumm, du hast die richtigen Voraussetzungen. Physische Gewalt geht nämlich nicht von jedem Mann aus und bringt als Konsequenz nur Chaos und Unordnung, bis ein Sieger feststeht.

    Feministinnen behaupten ja gerne, auch die heutige westliche Gesellschaft sei "patriarchalisch". Die Man-O'-Sphere behauptet, sie sei gynozentrisch. Beides schließt sich nicht gegenseitig aus. Das würde bedeuten, die Welt wird "von Männern für Frauen" gemacht.
    Jaja, die Frau ist überall Opfer des Mannes. Ich kanns nicht mehr hören und ernst nehmen kann ich solche Menschen auch nicht mehr. Erst wenn sie sich dafür einsetzen, dass Frauen die gleiche Gefängnisstrafen wie Männer bekommen und auch bei der Müllabfuhr eine Frauenquote eingeführt wird, dann höre ich wieder zu.

    Deshalb begeht jemand, der in der heutigen Gesellschaft ein Patriarchat annimmt, den sogenannten Apex-Fehlschluss:
    Alle Personen, die Macht haben, sind Männer, daher haben alle Männer Macht.

    In beiden Fällen wird aus einer bloßen Überrepresentation einer Bevölkerungsgruppe (d.h. Anteil dieser Gruppe an Menschen in Machtpositionen > Anteil der Gruppe an der Bevölkerung) eine systematische Bevor- oder Benachteiligung abgeleitet, also eine kausale Behauptung aufgestellt, obwohl einem nur Korrelationen vorliegen. Und der Rest der genannten Bevölkerungsgruppe, d.h. der Großteil, der sich genausowenig dieser Machtpositionen "erfreut" wie jeder andere, hat absolut nichts von der vermeintlichen "Vormachtsstellung".
    Nice Very Happy


    Und zu einem Matriarchat wäre es dann noch einmal einen Schritt weiter.   Rolling Eyes Damit solch eine Gesellschaftsform sich überhaupt etablieren könnte, müssen erst einmal unzählige biologisch-physiologische Hürden überwunden werden, und selbst dann wäre eine solche Gesellschaftsform aus oben genannten Gründen nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit langfristig stabil.
    Welche Hürden meinst du genau? Ich würde dir da nämlich widersprechen aber hier keine Vorannahmen treffen.

    Würde man also einfach nur behaupten, in diesem Universum seien Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit möglich, würde das die suspension of disbelief unterbrechen.

    Das passiert jedoch nicht, sondern es wird eine Erklärung geliefert: Die Warpblase funktioniert per Raumkrümmung.
    Naaaajaaa. Das Ding ist, der Leser/Zuschauer hat - zumindest meiner Meinung nach - heute immer häufiger den Anspruch, alles wissenschaftlich korrekt erleben zu wollen und trotzdem verzaubert zu werden. Wenn irgendwo etwas nicht funktioniert, braucht es sofort eine Erklärung. Das ist ja auch gutes Recht aber löst eben auch eine Faszination der Magie auf. Siehe Harry Potter, da wurde nie explizit erwähnt, woher Zaubersprüche genau kommen und warum sie Person X einsetzen kann, Person Y aber nicht. Das wurde auch nicht infrage gestellt und manchmal benötigt man solche Dinge einfach, damit eine Welt funktioniert. In SciFi wird heutzutage gerne "Nano-Technologie", "Quanten-Ding" oder ein drittes Ding, was mir gerade nicht einfällt, aus dem Hut gezaubert.
    Die genannte Erklärung ist also eine olle Kamelle, mit der man abgespeist wird. Das ist genauso der Trick der Bahn: "Der Zug hat 5 Minuten Verspätung", was zu wütendem Protest führt (übertrieben), wenn es aber heißt "Der Zug hat aufgrund einer technischen Störung 5 Minuten Verspätung", dann ist die Welt in Ordnung weil man ja jetzt einen Grund hat. Da fällt mir das witzige Experiment ein, wo an der Kasse eine Schlange von mehreren Personen war und die Aufgabe der Personen sich vorzudrängeln. Fragen wie "Darf ich vor?" wurden meist ignoriert, Fragen wie "Darf ich vor weil ich noch einkaufen muss?" (also völlig absurde Begründungen), wurden dagegen vorgelassen.



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    Beitrag von Strato Incendus am Mi Feb 26, 2020 12:16 pm

    Wieder einmal danke für deine ausführliche Antwort, Crackle42! Smile

    Dann darfst du den Absatz aber auch zu Ende lesen bis zu "Matriarchs, according to Peoples and Bailey, do exist"

    Das habe ich in der Tat gelesen, deshalb ist hier der unterschied zwischen "individual matriachs" (=Einzelpersonen) und "matriarchy" als Form einer gesamten Gesellschaft. Natürlich kann eine Mutter das Familienoberhaupt sein und die Zügel in der Hand halten. Ob sich das deshalb im Rest der Gesellschaft, in der sie lebt, auch so ausbreitet, ist eine andere Frage. Wink

    Das Beispiel der kleinen Stämme, das du erwähnst, wäre da eine Erweiterung dieses Familienkonzepts. Wir haben ja in anderen Threads bereits etabliert, dass in einem kleinen Stamm der gesamte Stamm unterschiedliche Teile der Kindererziehung übernehmen kann. Je größer hingegen die Zivilisation wird, desto mehr schrumpft dieser erzieherische Teil auf die "nukleare Familie", die in konservativen Kreisen deshalb ja auch gerne als der "building block of society" bezeichnet wird.

    Wenn du also einen kleinen Stamm hast, der matriarchalisch lebt, sind die Anforderungen für die Stabilität dieser Gesellschaft viel geringer, als wenn es eine große Zivilisation (antike Ägypter / Griechen / Römer etc.) sein soll. Diese großen Zivilisationen hatten zwar durchaus Phasen, wo Frauen verhältnismäßig viele Rechte genossen (meistens ging das einher mit Phasen materiellen Wohlstandes). Deswegen waren sie aber noch lange nicht die Herrscherinnen, eher im Gegenteil.

    Für kleine matriarchalische Gesellschaften scheint es also schon wenig Belege zu geben, von großen, stabilen Zivilisationen mit diesem Konzept ganz zu schweigen.

    Physische Gewalt geht nämlich nicht von jedem Mann aus und bringt als Konsequenz nur Chaos und Unordnung, bis ein Sieger feststeht.

    Auch das bezog sich auf die Stabilität der Gesellschaft. Wink Natürlich werden die meisten zivilisierten Menschen Gewalt erst als allerletztes Mittel in Betracht ziehen. Aber wie J. F. Kennedy mal gesagt hat: "Those who make peaceful revolution impossible make violent revolution inevitable." Wenn es also wirklich irgendwo eine matriarchalische Gesellschaft, wo die Macht so klar anhand der Geschlechtertrennung verläuft, also eine tatsächliche Unterdrückung der Männer als Kollektiv stattfindet, würden die das nicht lange mit sich machen lassen.

    Was ich mir am ehesten noch vorstellen könnte, ist das die Gesetzeshüter (=Exekutive) weiterhin größtenteils Männer sind und lediglich die politischen Ämter größtenteils von Frauen besetzt. Auch die anderen physisch-herausfordernden, unangenehmen oder sogar gefährlichen Jobs würden weiterhin von Männern erledigt (wie du am Beispiel des Fehlens einer Frauenquote für die Müllabfuhr gezeigt hast).

    Die Männer in der Zivilgesellschaft würden also von anderen Männern (Polizisten, Soldaten etc.) daran gehindert, über die Stränge zu schlagen. Das wäre erst einmal gar nicht so abwegig, da es wie gesagt unter Männern keine so ausgeprägte "own-group preference" gibt wie unter Frauen. Wenn der einzelne Mann sich davon einen Vorteil verspricht, den Status Quo in seiner Funktion als Gesetzeshüter zu erhalten, kann er auch dabei mithelfen, eine Revolution zu unterbinden, die ihm am Ende mehr Rechte einräumen würden.

    Ein solches System könnte also nur aufrecht erhalten werden, solange die Frauen an der Macht clever genug sind, dafür zu sorgen, dass die Männer, die ihnen die exekutive Macht über die Bevölkerung gewähren, mitspielen.

    Das wäre dann das, was Feministinnen gerne Frauen unter dem Begriff "internalised misogyny" unterstellen Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 . Nur eben andersherum, also "internalised misandry".

    Der erstgenannte Begriff wird vor allem gerne bemüht, wenn Frauen übereinander lästern und im Rahmen sogenannter "indirekter Aggressionen" die Beziehungen von Konkurrentinnen angreifen. In diesem Kontext ist der "misogyny" aber unsinnig, denn wie YouTube-Skeptiker TL;DR treffend beobachtet hat: Dieses "hinter dem Rücken anderer Gerüchte in die Welt setzen" lernen Frauen nicht etwa von Männern, die auf sie herabblicken o.ä., sondern vor allem von anderen Frauen. Es ist ihre Form des Konkurrenzkampfs, wo Männer sich stattdessen lieber in physischen Konflikten (inkl. Sport) oder auf der Karriereleiter messen.
    "Internalised misogyny" wäre daher wenn überhaupt wieder einmal eher ein Begriff, den ich für islamische Länder verwenden würde (oder sehr stark konservative christliche Regionen). Wenn Frauen in diesen Gesellschaften bspw. akzeptieren, dass sie weniger Rechte haben, sich verhüllen müssen etc. und dann vermeintlich "freiwillig" Verschleierung tragen, weil sie glauben, ihr Gott wolle das so (und nicht die Menschen, die sich diese Gesetze ausgedacht haben).

    Jaja, die Frau ist überall Opfer des Mannes. Ich kanns nicht mehr hören und ernst nehmen kann ich solche Menschen auch nicht mehr. Erst wenn sie sich dafür einsetzen, dass Frauen die gleiche Gefängnisstrafen wie Männer bekommen und auch bei der Müllabfuhr eine Frauenquote eingeführt wird, dann höre ich wieder zu.

    Da sind wir ja erfreulicherweise auf einer Linie Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 .

    Was ich meinte mit "die Welt ist von Männern für Frauen gemacht", ist, dass die Entscheidungen auf den höchsten Ebenen (Politik, Management-Positionen etc.) zwar größtenteils von (ein paar wenigen) Männern getroffen werden - das ist das, was Feministinnen mit dem Apex-Fehlschluss "Patriarchat" nennen, weil sie den Großteil der Männer, die eben nicht in Machtpositionen sind, ignorieren - dass jedoch die Gesellschaft als ganzes dann wieder primär das Wohl der Frauen im Sinn hat (Gynozentrismus). Und das sich das nicht gegenseitig ausschließt.

    Der Grund, warum die sexuelle Revolution eben nicht gewaltsam war, sondern bloß ausreichend laute politische Forderungen erforderte, ist, dass Frauen, ähnlich wie Kindern, mehr Empathie entgegengebracht wird als Männern. Feministinnen können also immer die "won't somebody please think of the women"-Karte spielen, und zumindest den Mainstream-Feministinnen wird dann bereitwillig Gehör geschenkt. Natürlich gibt es auch im Feminismus besonders aggressive und nervige Vertreterinnen, die von der Allgemeinheit verlacht werden, wie die zum Meme gewordene "Big Red"; im Vergleich zu so jemandem wirken dann jedoch Leute wie Emma Watson mit ihrem HeForShe (a.k.a.Hermines Real-Life-Version von "B.ELFE.R" / "S.P.E.W" Razz ) direkt "vernünftiger", obwohl sie immer noch auf einseitige Bevorteilung von Frauen hinarbeiten und eben nicht, wie sie sich auf die Flaggen schreiben, auf Gleichberechtigung. Dieser Empathie-Bonus verstärkt sich natürlich insbesondere, wenn man seine feministische Kampagne mit den Gesichtern attraktiver Vertreterinnen versieht.

    Männerrechtler dagegen können nicht auf diesen Sympathiebonus setzen
    , selbst wenn sie auf reale, bereits im Gesetz festgeschriebene Ungleichheiten hinweisen (Wehrpflicht, Affirmative Action / Quoten zugunsten von Frauen, Gesetzeslage zu häuslicher Gewalt (s. unten), das Fehlen eines Verbots von Beschneidungen bei Jungen, während dieses Verbot bei Frauen zurecht existiert - ob das reicht, um es in der Praxis zu verhindern, steht auf einem anderen Blatt).

    Die Feldexperimente dazu kennen die meisten wahrscheinlich: Ein Schauspielerpärchen inszeniert auf der Straße einen Streit; greift er zuerst zu physischer Gewalt, eilen zahlreiche Fremde der Frau zur Hilfe. Greift sie zur physischen Gewalt, gucken die meisten weg oder lachen sogar drüber.

    Jetzt ist die Frage, wer hier belächelt wird: Die Frau, die glaubt, mit bloßen Händen dem Mann ernsthaften physischen Schaden zufügen zu können, oder der Mann, weil er das mit sich machen lässt. Das Problem ist jedoch: Sobald er sich wehrt, also zurückschlägt, sind wir wieder beim Szenario mit der Frau als vermeintlichem Opfer - selbst, wenn die Gewalt eigentlich von ihr ausging. Auch das hat wieder mit den physiologischen Kraftunterschieden zu tun - die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann der Frau ernsthaften Schaden zufügt, wenn er zuschlägt, selbst, wenn es nur aus Selbstverteidigung geschieht, ist höher als umgekehrt. Im selben Maße sehen wir es ja auch heute nicht mehr als okay an, dass eine Mutter ihr Kind schlägt, nur weil das Kind versucht, sie zu schlagen. Dem Kind muss sie also irgendwie anders physisch Einhalt gebieten (seine Hände festhalten reicht da ja im Zweifel schon). Der Unterschied ist eben, dass die Mutter bei weitem nicht so schnell als "Täterin" verdächtigt wird, wenn sie ihr Kind erzieht.

    Diese Pauschalannahme von "Mann Täter, Frau Opfer" hat zu Dingen wie dem unsäglichen Duluth-Model geführt, auf dem - analog zu dem "Streit auf der Straße"-Beispiel - in vielen Ländern die Gesetze zur häuslichen Gewalt basieren. Die können dazu führen, dass ein Mann, der die Polizei ruft, weil seine Frau ihn attackiert, trotzdem derjenige sein kann, der im Gefängnis landet - weil die physische Aggression der Frau per default als "Selbstverteidigung" ausgelegt wird. Das ist ein bisschen, als würde ein Kind seine Mutter schlagen, die Mutter maßregelt es / sorgt dafür, dass es aufhört, und in der Folge ruft das Kind das Jugendamt. Wäre die Gesetzeslage so, hätte eine Mutter keine Möglichkeit mehr, ihr Kind zu erziehen. Und in einem Land, wo das Duluth-Model die Gesetze beeinflusst, hat ein Mann nur wenige Möglichkeiten, einer "wahnsinnigen" Frau Einhalt zu gebieten.

    Natürlich verhalten sich nur die wenigsten Menschen so. Doch da, wo dieses Verhalten auftritt, ist häusliche Gewalt tatsächlich annähernd gleichverteilt zwischen den Geschlechtern. Und nur, weil die meisten Menschen aus sich auch z.B. niemanden ermorden würden, würden wir ja trotzdem nicht wollen, dass Mord legal wäre. Wink

    Welche Hürden meinst du genau? Ich würde dir da nämlich widersprechen aber hier keine Vorannahmen treffen.

    1) Die bereits zuvor mehrfach erwähnte im Durchschnitt größere Körperkraft bei Männern. Versuchen Frauen ohne die Hilfe anderer Männer (erreicht durch Manipulation / Erpressung etc.) den Großteil der männlichen Bevölkerung aktiv zu unterdrücken, bliebe diesen Männern als letzte Möglichkeit immer noch der Schritt zur physischen Gewalt. Durch Technologie und bessere Waffen könnten die herrschenden Frauen diese Vorteile natürlich nichtig machen. Auch hier wäre jedoch wieder die Frage: Wer entwickelt und baut denn diese Waffen? Wer sorgt für den technologischen Fortschritt? Da werden auf den Etagen, die dieses System aufrechterhalten, zwangsläufig Männer involviert sein müssen. Und die können diese Waffen im Nu gegen ihre Herrscherinnen wenden, wenn sie von der Masche genug haben.

    2) Individualismus. Männer sind weitaus schwieriger durch rein sozialen Druck in eine Rolle zu zwängen als Frauen. In einem prähistorischen "Stammes"-Setting musste eine Frau den Ausschluss aus ihrer Gruppe viel stärker fürchten, weil sie - wieder einmal aufgrund der Kraftunterschiede, aber auch aufgrund anderer schwächender Faktoren (durchschnittlich stärker ausgeprägtes Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus = geringere emotionale Stabilität, höhere Schmerzempfindlichkeit, ggf. auch Dingen wie der Monatsblutung) in der freien Wildbahn weitaus gefährdeter war als ein männlicher "einsamer Wolf". Tatsächlich werden bei vielen Tierarten ja die Männer sogar aktiv aus den Herden, in denen sie aufgewachsen sind, verstoßen - sie müssen sich ihre Partnerinnen dann anderswo suchen. Das ist eine etablierte Methode in der Natur, um Inzest zu vermeiden. Den Ausschluss aus seiner Gruppe wird ein durchschnittlicher Mann also vielleicht nicht angenehm finden, aber er wird sich weniger davon beeinflussen lassen als die durchschnittliche Frau.

    Naaaajaaa. Das Ding ist, der Leser/Zuschauer hat - zumindest meiner Meinung nach - heute immer häufiger den Anspruch, alles wissenschaftlich korrekt erleben zu wollen und trotzdem verzaubert zu werden.

    Natürlich, das ist immer ein Stück weit "wasch mich, aber mach mich nicht nass!" Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 Ich habe auch mWn anderswo schon mal gesagt (ich glaube, als es um mein Magiesystem ging o.ä.): Irgendwo kommt dann immer der Punkt, wo die Fantasie den Boden der Realität verlässt und Sachen hinzudichtet, die wahrscheinlich nicht möglich sind.

    Die Frage ist eben, ob man ein Physikprofessor sein muss, um diesen Punkt identifizieren zu können - oder bei Dr. House eben ein Mediziner etc. - oder ob der Bruch mit der Realität so deutlich ist, dass selbst ein halbwegs informierter Laie ihn erkennt.

    Die von mir genannte Erklärung zur Warpblase etwa ist für einen Laien völlig ausreichend. Ein Harald Lesch wird natürlich ins Detail gehen können, wo auch dabei die Probleme liegen, woher man überhaupt die nötige Energie nehmen will für solch eine Blase, ob sie stabil wäre etc. Aber man verstößt nicht direkt im Ansatz gegen eine allgemeine Binsenweisheit wie der Tatsache, dass sich nichts schneller als mit Lichtgeschwindigkeit durch den Raum bewegen kann.

    Das "moderne" Star Trek, wie bspw. Star Trek Picard, erlaubt sich dagegen schon deutlich hanebüchenere Erklärungen:

    Star Trek Picard:
    Es wird z.B. in der allerersten Episode behauptet, man könne das Bewusstsein eines Androiden (wie Data) aus einem einzigen Positron in dessen Gehirn "klonen". Die Analogie dazu soll offensichtlich die DNA des Menschen sein. Das hier ist jedoch in so kleinen Teilen gedacht, dass es nicht etwa der Behauptung entspricht "ich kann aus einer einzelnen Zelle deinen gesamten Körper klonen", sondern "ich kann aus einem einzigen Atom in deinem Gehirn eine exakte Kopie deiner Persönlichkeit erzeugen".  Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3174843735

    Siehe Harry Potter, da wurde nie explizit erwähnt, woher Zaubersprüche genau kommen und warum sie Person X einsetzen kann, Person Y aber nicht.

    Du hast zwar Recht, dass es nie explizit erklärt wird, aber die Summe der Hinweise legt eine vor allem erbliche Begabung für Magie zugrunde (also eine Art genetisch weitergegebener "Superkraft"). Manchmal entsteht die durch Spontanmutation (wenn beide Eltern Muggel sind, das Kind aber Zauberer, abwertend "Schlammblut" genannt), manchmal gibt es den umgekehrten Fall, dass die Eltern Zauberer sind, das Kind aber nicht (ein Squib, wie bspw. Filch oder Mrs. Figg, die Nachbarin der Dursleys), und in den meisten Fällen wird es eben einfach normal vererbt (bei "Halb- oder Reinblütern", d.h. wo mindestens ein Elternteil Zauberer ist).

    Interessant wird jetzt die Frage, ob, wenn es ein einzelnes Zauberer-Gen gibt, dieses Gen dominant oder rezessiv ist... Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 253937370 Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 Da käme man in Widersprüche, denn egal, wie man diese Frage beantwortet, dürfte es entweder keine "Schlammblüter" geben oder keine Squibs. Wahrscheinlich ist jedoch eine Kombination verschiedener genetischer Merkmale erforderlich. Und die Zauberer sind eben solange "unter sich" geblieben, haben also "inbreeding" betrieben (sich komplett von den Muggeln abgeschottet, ihre Existenz geheimgehalten etc.), dass sie jetzt praktisch schon eine Spezies für sich sind. Sowohl Muggelgeborne als auch Squibs sind ja im Harry Potter-Universum insgesamt relativ selten.


    _______________________________________________________________________________________________________________________
    Wer sich mit der Realität begnügt, dem muss es an Fantasie mangeln.
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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften Empty Re: Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

    Beitrag von Strato Incendus am Mi Feb 26, 2020 2:13 pm

    So, und jetzt in einem separaten Post mal ein Vorschlag für eine matriarchalische Gesellschaft meinerseits. Das führt zwar ein Stück weit weg vom Ursprungsthema "gleichberechtigte Gesellschaften" (und dem Zusammenhang zum flächendeckenden Zugang zu Verhütungsmitteln), aber die Bait-and-Switch-Taktik, in einem Moment für Gleichberechtigung zu stehen und im nächsten Moment für weibliche Vorherrschaft zu kämpfen, ist ja nun etwas, was viele Feministinnen durchaus gut beherrschen. Razz

    Finde ich immer besonders ironisch, wenn sich Leute überall für geschlechtsneutrale Begriffe einsetzen, aber der Begriff für die Bewegung selbst ist explizit nicht geschlechtsneutral, obwohl er behauptet, von seiner Zielsetzung her genau das zu sein. Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 Mit dem Begriff "Matriarchat" wird offenbar, wie Alandra mit dem von ihr verlinkten Artikel gezeigt hat, ein ähnliches Baiting-and-Switching betrieben - benannt mit einem Begriff, der eine Vorherrschaft der Frauen suggeriert, im nächsten Moment möchte man dann doch wieder gleichberechtigt sein, aber mit "nach Geschlechtern verteilten Rollen" (was andere dann wieder als diskriminierend bezeichnen würden).



    Tatsächlich würde ich, wenn mein Ziel wäre, eine stabile, fiktionale matriarchalische Zivilisation zu erschaffen, die größer ist als ein steinzeitlicher Stamm, nicht als erstes in die Vergangenheit schauen - sondern mich an der heutigen Gegenwart in der westlichen Welt orientieren.

    Zur Klarstellung: Damit behaupte ich nicht, dass wir zur Zeit bereits in einem Matriarchat leben. Allerdings existiert bereits eine im Gesetz festgeschriebene Bevorteilung von Frauen gegenüber Männern in mehreren Bereichen, während das umgekehrte Szenario in keinem einzigen Gesetz in einem westlichen Land mehr zu finden ist.

    Man braucht also nur den aktuellen Status Quo zu nehmen und ihn weiter und weiter ins Extreme zu treiben. Wink Allerdings eben, wie vorher etabliert, nicht so extrem, dass die Gesellschaft instabil wird. Solche Überlegungen gibt es auch haufenweise auf YouTube: "Wie sähe ein feministisches Utopia aus?" (das dann unweigerlich in eine Dystopie umschlägt).

    Der Nebeneffekt, wenn man so etwas in seine Geschichte einbaut, ist natürlich, dass viele das trotzdem als Aussage über die aktuelle Gegenwart, mit anderen Worten als politische Aussage auffassen werden. Dann ist man entweder ein Verschwörungstheoretiker, oder jemand, der zurecht ein warnendes "währet den Anfängen"-Szenario aufbaut (gerne beschrieben mit den Worten "1984 war nicht als Handbuch gedacht" Very Happy ).


    Dann legen wir mal los! Ich sehe schon, dass ich hier bestimmt einigen auf die Füße treten werde, aber irgendwo ist das ja auch der Spaß an solchen hypothetischen Überlegungen... Razz

    Spoiler:
    Staatsform: Parlamentarische Demokratie / konstitutionelle Monarchie. Wahlrecht gibt es zwar für Männer und Frauen, allerdings gibt es in der Gesellschaft etwas mehr Frauen als Männer (u.a., weil letztere häufiger abgetrieben werden). Dadurch stellen Frauen die Mehrheit der Wahlberechtigten.

    Gesetzeslage:

    • Scheidung. Legal und jederzeit möglich (wobei der Großteil der Scheidungen von Frauen initiiert wird, wie auch in der realen Welt). Das Vermögen wird 50-50 auf beide Partner aufgeteilt. Verdient der Ehemann mehr als seine nun Ex-Frau, ist er weiter zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. Im umgekehrten Fall, dass die Frau mehr verdiente als der Mann (was eh selten genug vorkommen wird), ist das nicht der Fall. Das alleinige Sorgerecht für die Kinder erhält die Mutter, es sei denn, sie möchte es explizit abgeben oder mit dem Ex-Partner aufteilen.
    • Abtreibung. Legal bis zur Geburt, wenn die Mutter es wünscht. Der Vater hat kein Mitspracherecht; entschließt sie sich, das Kind zu behalten, ist er auf jeden Fall in Unterhaltszwang. Ob er der leibliche Vater ist, ist dabei irrelevant - es genügt, wenn er der Lebenspartner der Mutter ist und sie ihn als Vater benennt.
    • Todestrafe. Nicht legal. Das Phänomen, das Männer für dasselbe Verbrechen höhere Strafen bekommen als Frauen, ist nicht im Gesetz festgelegt - es etabliert sich aber von alleine, wie aktuell auch schon / noch.
    • Armee und Wehrpflicht. Nur für Männer. Frauen können beitreten, wenn sie wollen.
    • Quotenregelungen. Frauenquote von 50% für alle politischen Gremien, Komissionen, Führungsetagen von Institutionen, Firmen etc. Sollten irgendwo mehr als 50% Frauen sein, ist das kein Verstoß - es dürfen lediglich nicht mehr als 50% Männer sein.
    • Häusliche Gewalt. Duluth-Model (oder ein Fantasy-Äquivalent davon) ist etabliert. Frauenhäuser als Zufluchtsorte gibt es zuhauf im Land, Männerhäuser dagegen nicht. Wann immer jemand versucht, eines zu errichten, gibt es lautstarke Proteste, und die Person wird mit politischem, sozialem und wirtschaftlichem Druck wieder davon abgebracht.
    • Sexuelle Gewalt. Die Gesetze sind so formuliert (wie bspw. in England), dass ein Mann definitionsgemäß gar nicht vergewaltigt werden kann. Bei einer Anschuldigung eines Mannes durch eine Frau entsteht eine Beweislastumkehr, d.h. der Angeklagte muss aktiv seine Unschuld nachweisen anstatt umgekehrt. Bei geringeren Vergehen (sexueller Belästigung etc.) entscheidet nicht die Absicht desjenigen, der eine Aussage oder Handlung getätigt hat, sondern, wie diese Aussage oder Handlung beim Empfänger (ggf. Opfer) ankommt. Ein Kompliment der einen Person kann also bereits sexuelle Belästigung sein, wenn es von einer anderen Person ausgesprochen wird.
    • Waffenbesitz. Generell illegal (außer für Sicherheitsorgane wie Polizei, Armee etc.). Alle Magier müssen sich staatlich registrieren, um Magie anwenden zu können. Da dies jedoch beim Großteil der Gesellschaft der Fall ist, ist das vergleichbar damit, den Führerschein oder den Schulabschluss zu machen. Wer keine Magie wirken kann, steht entsprechend ganz unten in dieser Gesellschaft. Physische Gewalt generell ist stark geächtet und die Strafen dafür sind unverhältnismäßig hoch. Die Gefängnisinsassen sind daher praktsich ausschließlich männlich. Dort drinnen herrschen jedoch quasi-anarchische Zustände, da sich für die Lebensbedingungen von Gefangenen niemand interessiert.


    Die gefährlichen Arbeiten werden weiterhin größtenteils von Männern verrichtet. Es ist also nicht so, dass in dieser matriarchalischen Gesellschaft einfach alles "auf den Kopf gestellt wird", also Frauen Soldaten sind und Männer zuhause bleiben und sich um die Kinder kümmern. Frei gemäß der von der österreichischen Comedienne Lisa Eckart satirisch getätigten Aussage:

    Lisa Eckhart schrieb:"Ich will keine Rechte - ich will Privilegien!"

    Körperliche Arbeit ist jedoch ohnehin weitgehend wertlos geworden, weil Magie in der Gesellschaft so weit verbreitet ist, dass vieles, wozu man einst Körperkraft brauchte, jetzt mit Gedankenkraft, d.h. Telekinese erledigt werden kann. Das reduziert auch gleichzeitig die Gefahr, dass nicht-magisch-begabte Männer mit rein physischer Gewalt die Macht an sich reißen. Telekinese ist auch das, was Abtreibungen so unkompliziert macht (der Embryo wird einfach telekinetisch aus der Gebärmutter herausbewegt und kann außerhalb dieser nicht überleben). Gängigstes Verhütungsmittel sind jedoch die von mir bereits eingangs erwähnen Schildzauberstäbe, die ähnlich wirken wie ein Diaphragma, nur eben noch deutlich sicherer.

    Die magische Durchsetzung der Gesellschaft ist also der Ausgangspunkt, wie diese Gesellschaft überhaupt matriarchalisch werden konnte. Das ist also analog zu dem, was bei uns Forschung (Medizin --> Pille) und Technologie (Maschinen, die körperliche Arbeit ersetzen) übernehmen.

    Warum jedoch scheinen nun Frauen disproportional von der weiten Verbreitung der Magie zu profitieren?

    Die anfängliche Erklärung war, dass (zumindest bei den Dunkelelfen) aus genetischen Gründen die magische Begabung häufiger bei Frauen auftritt. Genaugenommen wurde bei Elfen als "magischer Spezies" eine Begabung für Magie als Ausgangszustand angesehen, sodass "Magielosigkeit" ein genetischer Defekt war. Dieser wurde, ähnlich wie Rot-Grün-Blindheit und einige andere erbliche Schwächen, rezessiv auf dem X-Chromosom vererbt, sodass Magielosigkeit bei Männern häufiger auftritt als bei Frauen (da bei Frauen der Defekt auf beiden Chromosomen vorliegen muss, damit er zur Ausprägung kommt). Das war also eine ähnliche Erklärung wie bei Harry Potter - Magie ist erblich. Das war mir jedoch zu unoriginell.

    Erbliche magische Begabungen gibt es bei mir immer noch, das sind dann aber - basierend auf der D&D-Vorlage - die sogenannten Hexenmeister. Deren angeborene magische Fähigkeiten würde ich vergleichen mit den Kräften von Mutanten bei X-Men. Die meisten können ihre angeborenen Begabungen nur bedingt kontrollieren, sodass ihre magischen Kräfte stark von ihren Gefühlszuständen abhängig sind.

    Magier dagegen bereiten bei D&D ihre Zauber vor, indem sie sich einprägen. Diese Prämisse ist im Fantasy derart selten, dass ich mich entschlossen habe, sie zu übernehmen, weil sie eine interessante Limitierung schafft, die ohne "Mana" und andere obskure Ressourcen auskommt: Ein Magier muss seinen Verstand packen wie einen Koffer, und was er nicht dabei hat, kann er eben auch nicht spontan buchstäblich aus dem Hut zaubern. Very Happy



    Die Art, wie Zauber aufgebaut sind und wie dieses Vorbereiten funktioniert, das ist jetzt jedoch mein eigener Twist:

    Zauberformeln sehen bei mir aus wie Computerprogramme. Nur eben auf Lateinisch.  Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 1242722650 Das ist ja erstmal etwas, was man landläufig eher mit Männern assoziiert. Und in der Tat, die meisten neuen Zauber, die entwickelt werden, werden auch in dieser matriarchalischen Gesellschaft von Männern geschrieben. Die meisten Nutzerinnen sind jedoch Frauen.

    Warum? Nun, um einen Zauber vorzubereiten, muss man ihn sich einprägen. Und zwar in seiner Gänze. Auf gut Deutsch: Man muss den gesamten Code dieses "Programms" auswendig lernen.

    Ja, Mädels, das könnt ihr nun einmal besser... Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3434132744 Tatsächlich haben Frauen im Durchschnitt einen etwas größeren Hippocampus, was mit der Gedächtnisleistung zusammenhängt (allerdings vor allem bei älteren Frauen). Gut, Elfen werden aber bekanntlich auch deutlich älter als Menschen. Es ist keine perfekte Analogie, aber es ist ein erster Ansatz.

    Hexenmeister also wirken Magie aus dem gesamten limbischen System, Magier dagegen gezielt vom Hippocampus ausgehend. Ein Magier, der sich mehr Zauber pro Tag merken kann, wird immer mächtiger sein als einer, der sich weniger Zauber merken kann. In einem physischen Konflikt zwischen zwei Magiern kann genau das der Unterschied sein zwischen dem, der keine Zauber mehr zur Verfügung hat, und dem anderen, der den tödlichen Stoß versetzen kann.

    Hinzu kommt auch die Art, wie Magie unterrichtet wird - und hier zeigt sich eine Parallele zum heutigen Bildungssystem:

    In der Schule kommt vor allem gut voran, wer still sitzen, zuhören und sich konzentrieren kann. Fleiß, Gehorsam und Ordentlichkeit werden belohnt (Stichwort Kopfnoten, wo es sie gibt), Sympathie beim Lehrer erwecken schadet auch nicht. Wer dagegen im Unterricht noch überschüssigen Bewegungsdrang hat, ist der Störenfried, was meistens auch die Sympathie des Lehrers einem gegenüber reduziert (und sich dementsprechend auf die Noten auswirkt). Raufereien auf den Gängen tun dies erst recht. Störungen wie ADHS werden die Jungen ebenfalls häufiger diagnostiziert als bei Mädchen. Oft bleibt dann nur das Ruhigstellen mit Ritalin. Das Bildungssystem wird in dieser Hinsicht gerne zusammengefasst mit den Worten: "Boys are treated like defective girls."

    Das überträgt sich auf die Unis: In allen Fächern mit Numerus Clausus haben diejenigen bessere Chancen, die auch in der Schule bereits gut waren und den besseren Schnitt mitbringen. Deshalb sind an den Unis mittlerweile mehr Frauen als Männer eingeschrieben. Magie ist in meiner Welt ein Studienfach wie jedes andere (s. den Thread über meine Zauberakademie).



    Wie reagiert nun die männliche Zivilbevölkerung auf diese Situation?

    • Physische Gewalt / Revolution? Nein. Gegen die meisten Magierinnen, insbesondere die in höheren Machtpositionen, verlieren sie, da sie sich weniger Zauber merken können. Die direkte physische Konfrontation von Magiern mit materiellen Waffen wie Schwertern etc. - die ja eh illegal sind - grenzt ohnehin an Selbstmord.
    • Friedliche Proteste / Männerrechtsaktivismus? Nein. Wer das versucht, wird im Bestfall verlacht, im Schlimmstfall als Frauenhasser abgestempelt, was ihn seine Karriere und seinen Ruf, unter Umständen sogar seine Freiheit kosten kann. Mit Empathie seitens der Gesamtgesellschaft ist nicht zu rechnen - zumindest nicht in ausreichenden Maßen, dass sich an der Gesetzeslage etwas ändern würde.


    Die Antwort: Resignation und Rückzug. Anstatt zu versuchen, eine Revolution zu starten, die die Verhältnisse ändert ("Vormärz"), ziehen sich mehr und mehr Männer ins Private zurück ("Biedermeier"). Aufgrund der hohen Risiken, die mit Scheidungen verbunden sind, heiraten viele nicht mehr; aufgrund der hohen Risiken in Bezug auf Anschuldigungen wegen sexueller und/oder häuslicher Gewalt gehen viele keine langfristigen Beziehungen mehr ein. Sie leben als Einsiedler und vertiefen sich in ihre persönlichen Hobbies.

    Dazu gibt es viele reale Vorlagen: Die (größtenteils) amerikanischen Men Going Their Own Way, die japanischen "Herbivores" bzw. als leichte Variation davon die Hikikomori, die nie mehr das Haus verlassen, sowie im Tierreich die "Beautiful Ones" in Calhouns Mäuse-Utopia-Experiment.

    Der Hauptgrund, warum z.B. die Men Going Their Own Way im Gegensatz zu Männerrechtlern (MRAs) nicht versuchen, existierende Gesetze zu ändern, ist, dass sie im Gegensatz zu Feminist/innen eher biologische Deterministen sind, wohingegen der Feminismus vom sozialen Konstruktivismus ausgeht. Feministen glauben also, dass sie die Gesellschaft ändern können, weil sie die meisten Gesetze und Normen als von eben dieser Gesellschaft willkürlich auferlegt betrachten - und eben nicht so fundamental in der menschlichen Biologie verankert, dass man mit Willenskraft kaum dagegen ankommt, weil unsere Instinkte eben seit Jahrtausenden mehr oder weniger die gleichen geblieben sind.

    Deshalb gehen die Men Going Their Own Way nicht davon aus, dass sich das "zu stark in eine Richtung geknickte Blatt Papier" wieder glattbügeln lässt, indem man es zurück in die andere Richtung knickt. Die eingangs erwähnte Empathieschiene "won't somebody please think of us" funktioniert einfach in Richtung der Männer bei weitem nicht so stark wie in Richtung der Frauen. Das wird in diesen Kreisen als biologische Konstante betrachtet, begründet in der evolutionären Tatsache, dass ein einzelner Mann für das Fortbestehen des Stammes entbehrlicher ist als eine einzelne Frau.


    Die Frage ist: Wohin führt das Ganze? Verlassen die dunkelelfischen Männer in immer größeren Scharen ihre Heimat, um anderswo ihr Glück zu suchen? Wenn immer weniger heiratswillige Männer zur Verfügung stehen, greift der Staat irgendwann durch und wird illiberal, d.h. führt hier einen Zwang ein? Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften 3402984712 Das scheint mir unter einigen sehr lautstarken Vertretern der Men Going Their Own Way eine beliebte Verschwörungstheorie zu sein - die scheinen ihre Gesamtzahl bzw. ihren Anteil an der Bevölkerung bislang gehörig zu überschätzen.

    Tatsache ist, den meisten Menschen ist eine romantische Beziehung zu wichtig, um sich von gesetzlichen Hindernissen davon abhalten zu lassen. Selbst, wenn das Scheidungsrisiko einem Münzwurf gleicht und diese Gesetze rein rational gesehen ganz klar zu ihrem Nachteil sind. Und viele sind dazu gerade bei der ersten Ehe auch einfach noch zu naiv, zu sehr von ihren Gefühlen geblendet. Auch das wird sich nicht ändern, da das - wieder einmal biologischer Determinismus - hormonell und instinktiv bedingt ist. Es ist also zu bezweifeln, dass die Beziehungen zwischen den Geschlechtern jemals so stark zusammenbrechen, dass ein Staat auf eine Idee wie eine "Heiratspflicht" o.ä. käme.

    Vielmehr ist es umgekehrt: Damit es zu einem solchen Zusammenbruch käme, müsste eine Gesellschaft erstmal derart massiv illiberal werden, also Frauen auf eine Weise bevorzugen / Männer auf eine Weise benachteiligen, die die Levels eines umgedrehten Saudi-Arabiens oder mehr erreicht, ehe Dating, Beziehungen und Ehe auch für den männlichen Normalbürger so riskant würden, dass die breite Masse der Bevölkerung dies aufgäbe und die überzeugten Junggesellen sich in der Mehrheit befänden.

    Die Frage ist jedoch: Würdet ihr das, was ich in dem Spoiler beschreibe, überhaupt schon als Matriarchat bezeichnen? Wink Und wenn nicht, wie viel illiberaler müsste diese Gesellschaft werden, damit von einer eindeutigen Vorherrschaft von Frauen über Männer gesprochen werden kann?

    Wenn es nämlich erst so repressiv werden muss wie in einer Diktatur oder eben in Saudi-Arabien, dann würde ich abermals sagen: Ein Matriarchat (gemäß dieser harten Definition) ist nicht stabil.

    Selbst, wenn die Männer in einer solch repressiven Gesellschaft sich nicht mit physischer Gewalt und aktivem Widerstand auflehnen können, bleibt ihnen immer noch der passive Widerstand: Sie gehen keine Beziehungen mehr ein, hören auf zu arbeiten, bzw. machen nur so viel, wie sie brauchen, um sich selbst zu versorgen - und wenn das bedeutet, als Einsiedler im Wald zu leben und von der Jagd zu leben (in Fantasy-Welten sogar deutlich besser vorstellbar als in der heutigen Zeit). Wenn es Sozialsysteme gibt, gehen denen damit auch die Einnahmen aus (denn statistisch gesehen zahlen Männer mehr in Sozialsysteme ein und Frauen entnehmen mehr daraus). In der Man-O'-Sphere wird das zusammengefasst unter dem Ausdruck "dropping off the grid", also "von der Landkarte / aus dem Raster verschwinden, unauffindbar werden".

    Eine matriarchalische Gesellschaft wäre also immer noch auf die Arbeitskraft ihrer männlichen Mitglieder angewiesen - im selben Maße wie eine patriarchalische Gesellschaft immer noch auf ihre weiblichen Mitglieder angewiesen ist, um am Leben zu bleiben und die nächste Generation in die Welt zu setzen.

    Der Unterschied ist bloß:

    Patriarchalische Gesellschaften haben historisch gesehen funktioniert (leider), weil eine Frau eben nicht so einfach die unverzichtbare Funktion einstellen kann, die sie für die Gesellschaft hat: Sie kann nicht einfach ihre Fruchtbarkeit abstellen.
    Versucht sie, enthaltsam zu leben, kann sie in solchen Gesellschaften immer noch zwangsverheiratet werden, es gibt sexuelle Gewalt etc., und selbst, wenn Verhütungsmittel existieren, kann ihr durch ökonomischen und sozialen Druck der Zugang zu diesen abgeschnitten werden (s. die vorherigen Beispile aus Niger / Nigeria). Diese Hindernisse können ihr durch die Gefahr des sozialen Ausschlusses in den Weg gesetzt werden, oder aber im Zweifel einfach mit physischer Gewalt durchgesetzt.

    Der Grundstein für jegliche patriarchalische Gesellschaften liegt also in der menschlichen Biologie - der Tatsache, dass wir das ganze Jahr über fruchtbar sind und das nicht kontrollieren können. Reproduktion ist passiv, sie erfordert keine Willenskraft, und deshalb kann sie (leider) im Zweifelsfall auch von außen erzwungen werden. Manche Tierarten handhaben das anders. Die sind in dieser Hinsicht zu beneiden.

    Matriarchalische Gesellschaften hingegen sind immer noch auf die Arbeit ihrer männlichen Bevölkerung angewiesen, also auf etwas, das diese Männer aktiv leisten müssten. Das bedeutet auch, sie können jederzeit aus eigenem Antrieb entscheiden, einfach damit aufzuhören. Sie müssen sich dann zwar immer noch von etwas ernähren, aber eben nur noch für sich selbst sorgen - nicht mehr zum Wohle der Gesellschaft zusammenarbeiten. Das Rudel löst sich auf, jeder einsame Wolf jagt für sich allein.

    Mit anderen Worten: Die Zivilisation bricht zusammen.

    Oder aber, sie kriegt vorher die Kurve. Höchstwahrscheinlich, indem sie aufhört, ein Matriarchat zu sein. Rolling Eyes


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    Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften Empty Re: Mittelalterliche / Fantasy-Verhütungsmethoden... und gleichberechtigte Gesellschaften

    Beitrag von Strato Incendus am Mo März 02, 2020 1:26 pm

    Hier nochmal eine schöne Video-Aufbereitung des Ursprungsthemas vom allseits beliebten Shadiversity:



    Es beginnt mit einer recht langen Diskussion über physiologische Kraftunterschiede, die wir ja auch schon oft hatten. Am Ende kommt er aber eben zu dem Schluss, dass das Vorhandensein von Verhütungsmitteln der weitaus wichtigere determinierende Faktor ist, wenn es um die Frage geht, ob man Frauen in mehr oder weniger großer Zahl in mittelalterlichen Armeen sehen würde.

    Und da politische Konflikte damals ja schließlich häufig mit Waffengewalt gelöst wurden, schließt sich dann auch die Frage nach der gesellschaftlichen Macht damit an: Wer mit einer Waffe umgehen kann, kann sich auch im Alltag besser verteidigen und ggf. seinen Standpunkt durchsetzen. Wo lernt man den Umgang mit einem Schwert o.ä.? Höchstwahrscheinlich bei der Stadtwache oder im Militär. Und so weiter... Smile


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