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    Wanja und Sira

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    marismeno
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    Wanja und Sira

    Beitrag von marismeno am Mi Mai 09, 2018 3:09 pm

    Erleichtert ließ sich Wanja am Tor der staubigen kleinen Stadt aus dem Sattel gleiten, endlich, nach Stunden und Stunden Reitens unter der glühenden Sonne. Bei den Göttern, er war ein Sohn der kühlen Steppen Amudarias! Diese Hitze war nichts für ihn. Und auch nicht für sein Pferd. Aber immerhin: In Kürze würden die Tore für heute geschlossen werden, so dass keine Reisenden mehr von der Straße hereinströmen konnten. Der Staub würde sich legen und die Dämmerung würde Kühle bringen. Und Wanja würde vielleicht eine saubere Unterkunft und sogar eine Mahlzeit bekommen und ausruhen können.

    Er wischte sich den Schweiß aus dem Gesicht und sah sich träge um. Vier bewaffnete Wächter standen am Tor und kontrollierten die Reisenden, welche in die Stadt wollten. Sie nahmen ihre Arbeit recht genau, im Gegensatz zu den Wachen anderer klysantrischer Städte, in denen er gewesen war. Suchten die Männer etwas oder jemand Bestimmtes? Oder forderte der Fürst dieser Stadt von ihnen nur besondere Strenge? Nun, jetzt hatte er es nicht mehr eilig. Wenn es noch ein Weilchen dauern sollte, bis er eingelassen wurde, sei es drum.

    Ein lautes Jammern ließ ihn zusammenzucken. Eine der Wachen hatte ein Kind am Arm gepackt. An einem erbarmungswürdig dünnen und schmutzigen Arm.



    So, nun kommst Du! Very Happy
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    Sue
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    Re: Wanja und Sira

    Beitrag von Sue am Do Mai 10, 2018 10:50 am

    Dieser Milan! Trotz seines sanften Namens war er ein fieser Schurke. Schon bei ihrer ersten Begegnung hätte ihr das klar sein müssen, als er ihre Muscheln zertreten hatte. Gut, er hatte sie von ihrem brennenden Dorf weggeholt, das war vielleicht ganz nett gewesen, aber dann hatte er sie durch das halbe Land gezerrt bis ihre Füße schmerzten, und nun saß sie in einer fremden Stadt am Sraßenrand wie eine Bettlerin. Noch dazu in einer Gegend, wo sie kein Wort von dem verstand, was die Leute sprachen. Ich komm in ein paar Tagen zurück. Stell nichts an. - ph! Wie ein Massal führte er sich auf. Sira tu dies, Sira tu das; nein, das musst du nicht wissen, meine Geschäfte gehen dich nichts an. Ein schöner Retter!
    Hätte er sie nicht kurz durch die Stadt führen können? Alles hier war so interessant. Oder wenigstens mit ihr in ein Gasthaus gehen - sie war noch nie in einem Gasthaus gewesen! Vom Straßenrand aus betrachtete sie das Treiben der vielen Menschen am frühen Morgen. In dieser Stadt war immer Markt, aber Milan hatte gesagt, es gehörte sich nicht, zu nahe am Markt herumzulungern, also war sie nur einmal kurz daran vorbeigelaufen. Die Nacht hatte sie unter einem Karren in einer Gasse verbracht. Geweckt worden war sie von einem Tritt und dem Wortschwall eines giftigen alten Weibes. Nun saß sie ein paar Gassen weiter und überlegte, was sie heute tun sollte. Wo konnte man hier pinkeln? Und einen Brunnen musste sie auch finden.

    Da, zwei bewaffnete Männer kamen die Gasse entlang. Eine Stadt, die so viele Wachen hatte! Das war beeindruckend. Oh, kamen die beiden auf sie zu? Was wollten sie? Mit beiden Händen packte sie die Tasche, in der ihr Talisman steckte, und hob trotzig das Kinn.
    Der eine Bewaffnete bellte ein paar barsche Worte - sie verstand überhaupt nichts.
    "Ich lungere nicht am Markt herum", sagte sie, doch die beiden wechselten nur ein paar kurze Worte, dann packte einer sie am Arm und zerrte sie auf die Füße.
    "He! Ich muss hier warten", versuchte sie ihn umzustimmen, aber es hatte keinen Sinn. Die Männer sahen sie nicht einmal an, sondern unterhielten sich über ihren Kopf hinweg, während sie sie aus der Gasse zogen, und ihren Arm dabei so fest gepackt hielten, dass es schmerzte.
    Was hatte sie denn falsch gemacht? Unsicher sah sie sich nach den Menschen auf den Straßen um. Was dachten sie nur jetzt von ihr? Aber keiner sah sie an - sie war dieser Stadt egal, dabei hatte sie sich so darauf gefreut, herzukommen! Nur ein kleiner Junge lachte sie aus. Das gab ihr einen kurzen Stich ins Herz.

    Sie erreichten das Stadttor. Die Wachen nickten zwei anderen zu, die sie durchließen und vor den Toren von sich stießen, so dass sie stolperte und hinfiel.
    "Aua! Was soll das? Ich hab nichts getan!" Doch die Männer hörten schon nicht mehr hin; sie gingen einfach weg.
    Und nun? Sira rappelte sich auf und tastete nach ihrer Tasche.


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    (Aus der Widmung in Nury Vittachis "Cyberboy") (EDIT: Das Buch ist nicht gerade ein Meisterwerk.^^)
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    marismeno
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    Re: Wanja und Sira

    Beitrag von marismeno am So Mai 13, 2018 3:39 pm

    *Entschuldige, dass ich so lange gebraucht habe. Ich hatte absolut keine Zeit, mich gedanklich auf die Situation einzustimmen und was Passendes zu verfassen..."



    Das Kind erhob sich unsicher, blieb aber dort stehen, wohin der Wachtmann es gestoßen hatte und starrte auf das Tor, durch das es so unsanft der Stadt verwiesen worden war. Dabei drückte es eine abgewetzte Tasche an sich. Es schien wirklich keine Ahnung zu haben, wohin es sich nun wenden sollte.

    "Wer bist du und was willst du in der Stadt?" Diese Frage des Torwächters richtete sich an Wanja. Dieser fuhr aus seiner Betrachtung des kleinen Mädchens auf und suchte sich an seine knappen Kenntnisse der klysantrischen Sprache zu erinnern. Glücklicherweise ähnelte sie sehr der katyrischen, welche er gut beherrschte, so dass viele Worte aus diesem Zusammenhang zu erraten waren. Er nannte also seinen Namen und fügte hinzu, dass er sich auf einer Studienreise befände und deshalb die hiesige Magierschule aufsuchen wolle. Dabei wies er das Empfehlungsschreiben Meister Tarsennas vor. Der 'Wachtposten brummte gnädig und reichte ihm das Schreiben zurück.
    "Sagt, was hat dieses Kind dort getan, dass es abends aus der Stadt gewiesen wird?" Wanja deutete mit einer Kopfbewegung zu dem kleinen Mädchen. "Hat es sich eines Vergehens schuldig gemacht?"
    "Auswärtige Bettler werden in der Stadt nicht geduldet. Gesetz des Fürsten. Wir haben genug einheimische durchzufüttern."
    "Ah, sie hat gebettelt? Und ist nicht von hier? Aber ein so junges Kind kann doch nicht allein hierher gereist sein. Sie muss Angehörige haben, die sich Sorgen machen, wenn sie zur Nacht nicht heimkommt. Und wenn ein so hübsches Mädchen allein vor dem Stadttor übernachtet, muss man befürchten, dass es belästigt wird oder Schlimmeres."

    In der Tat hatte das kleine Mädchen, es musste ungefähr acht bis zehn Jahre alt sein, eine hübsche Zartheit an sich wie ein junges Reh. Die großen, ängstlichen dunklen Augen in dem dunklen Gesicht verstärkten diese Wirkung noch.

    Der Wachtmann zuckte mit den Schultern. "Nicht mein Problem. Wir haben unsere Befehle. Wollt Ihr jetzt in die Stadt hinein oder nicht? Wir schließen gleich das Tor für die Nacht."

    Wanja blickte unentschlossen auf das Kind. Er konnte es doch nicht hier seinem Schicksal überlassen! Die Vorstellung, eine seiner Schwestern wäre so allein und wehrlos unter Fremden, ...
    Amudaren halfen einander und auch jedem fremden Reisenden, der Schutz und Hilfe brauchte. So war es Brauch unter Nomaden, die ja selber ständig auf Reisen waren.

    "Ich habe es mir überlegt. Die Nacht verbringe ich hier im Freien und gehe dann erst morgen früh in die Stadt hinein. Danke."

    Der Wachtmann zuckte abermals mit den Schultern und wechselte einige Worte mit seinen Kameraden, zu schnell, als dass Wanja sie hätte verstehen können. Aber die anderen lachten spöttisch, als sie begannen, die Torflügel zuzuschieben, also handelte es sich vermutlich um eine Bemerkung über dumme Ausländer, die nicht wussten, was sie wollten. Mit einem abschließenden Knall fielen die schweren Tore ins Schloss und die Wachen zogen sich durch die Schlupftür in die Sicherheit der Wüstenstadt zurück.

    Kein weiches Nachtlager also, keine zubereitete Mahlzeit. Keine ausgiebige Wäsche an einem kühlen Brunnen. Wanja seufzte. Nun, dies war nicht die erste Nacht seines Lebens, in der er auf all das verzichten musste. In seiner Satteltasche hatte er noch ein Stück Brot, das ihn und vermutlich auch ein kleines Kind sättigen würde. Und für das Pferd würde sich vermutlich ein wenig Gras finden lassen.

    Er holte das Brot hervor, brach es in der Mitte durch, während er auf das Kind zu ging. Als er es ihm hin hielt, starrte es ihn misstrauisch an.
    "Hast du Hunger, Kleine?"
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    Re: Wanja und Sira

    Beitrag von Sue am Mo Mai 14, 2018 10:01 pm

    Sira hatte sich noch immer nicht entschlossen, was sie tun sollte. Sie hatte Hunger und Durst und musste pinkeln. Vor den Stadttoren gab es ein paar windschiefe Hütten, aber kein Gebüsch, wohin sie sich hätte verziehen können. Da hätte sie schon ein Stück von der Stadt weggehen müssen. Weiter hinten war die steinige Steppe teilweise bewachsen, und vielleicht könnte sie dort auch eine Eidechse fangen. Die schmeckten gar nicht so schlecht.
    Aber was war mit Milan? Dort würde er sie ganz gewiss nicht finden, doch er war der einzige, der ihre Sprache sprach. Sie war auf ihn angewiesen. Auch wenn er keine große Hilfe war, kam sie sich verloren vor ohne ihn.
    Ob sie sich nicht einfach wieder in die Stadt schleichen konnte? Sie sah hinüber zu den Wachen und entdeckte einen schwarzhaarigen Mann mit einem Pferd am Zügel, der auf sie deutete. Er redete mit dem Wachmann, doch der zuckte nur die Schultern und wandte sich ab, um das Tor zu schließen.
    Dann kam der Fremde auf sie zu - würde sie schon wieder verscheucht werden? Nein, hier vor den Toren der Stadt hatte ihr keiner etwas zu sagen; sie würde bleiben, wo sie war!
    Trotzig sah sie geradeaus und wandte sich dem Fremden erst zu, als der Schatten seines Pferdes auf sie fiel. Er wirkte nicht so unfreundlich wie die Wachen. Zwar war sie vor Männern gewarnt worden, die allzu freundlich zu jungen Mädchen waren, aber darauf gab sie nicht viel. Pah, Nana hätte sie lieber vor solch gemeinen Kerlen wie Milan warnen sollen!
    Als der Fremde ein Stück Brot herausholte und ihr die Hälfte anbot, zögerte sie nicht lange und nahm es, bevor er es sich anders überlegte. Er hatte auch etwas zu ihr gesagt, aber seine Worte waren für sie ebenso unverständlich wie der Kauderwelsch der restlichen Menschen hier.
    Sie nickte dem Mann dankend zu, nahm einen kleinen Bissen vom Brot und kaute ihn in aller Ruhe - so würde es länger vorhalten. Peinlich achtete sie darauf, das Pferd nicht aus den Augen zu lassen. Wenn es so verfressen war wie die Ziegen aus ihrem Dorf, dann wäre sie ihr Mahl gleich wieder los.


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    Re: Wanja und Sira

    Beitrag von marismeno am Do Mai 17, 2018 10:46 pm

    Gestern mussten wir unser Pferd wegen einer Kolik in die Tiermedizinische Hochschule bringen und operieren lassen. Keine Zeit zum Schreiben. Jetzt ist es wieder besser.


    Das Mädchen kaute andächtig auf winzigen Bissen von ihrem trockenen Brot herum. Gewiss hatte sie nicht zum ersten mal im Leben Hunger. Ihre Blicke auf Wanja waren dabei ebenso misstrauisch wie die auf sein Pferd. Er lächelte mitfühlend. Nicht nur zart wie ein Reh, sondern auch genauso scheu. Hatte sie wirklich niemanden, der auf sie aufpasste?

    "Was willst du jetzt tun?", fragte er sie. "Das Tor ist zu. Hast Du einen Ort zum Übernachten? Wo ist deine Familie? Werden sie dich nicht vermissen?"

    Dass er sie abermals ansprach, schien das Mädchen zu erschrecken. Was er sagte , hatte offenbar keine Bedeutung für sie. Sprach sie die hiesige Sprache etwa nicht? Er versuchte es mit Kathyri und Ormurisch, sogar mit der Sprache Vinitessas, die auch hier manche Händler beherrschten. Aber keine davon weckte einen Funken des Verstehens im Ausdruck des Kindes.
    Nun, er konnte nicht die ganz Nacht hier vor dem Tor stehen. Da er nun einmal im Freien würde übernachten müssen, war es an der Zeit, einen geeigneten Platz zu suchen. Er brauchte Wasser und Gras für das Pferd, wenn möglich ein wenig Brennholz, ...Vermutlich würde er einiges davon in den Hügeln finden, an denen er vorhin vorbei gekommen war. Vielleicht würde die Kleine ja während der Nacht dort in seiner Nähe bleiben, so dass er sie unter seinen Schutz nehmen konnte.

    Er ging zwei Schritte vom Stadttor fort und sah sich fragend nach ihr um. Wenn sie keine gemeinsame Sprache kannten, würden Gesten und Zeichen ausreichen müssen.


      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Mo Mai 21, 2018 1:09 am