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    Lebendes Archiv

    Roy Aal
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    Beitrag von Roy Aal am Sa Okt 19, 2019 9:09 pm

    “Okay.” Zwei knappe Silben, die jetzt schon zitterten. Sie hob ein kariertes Blatt Papier an, das von oben bis unten mit der blauen Farbe eines Kugelschreibers beschrieben war. Sie nestelte nervös an dem Papier, ehe sie ihre Stimme wieder fand. Leise begann sie eine Geschichte auf einer Sprache vorzulesen, die sie bis vor drei Jahren noch nicht sprechen konnte. “Der Krieg brach aus. Und wir wussten, dass wir weg mussten. Sonst würden wir alle sterben.” Ihre Stimme versagte und sie hielt sich eine zitternde Hand, wie beiläufig an die Stirn, um einen Moment durchatmen zu können. Wir alle durchbohrten sie mit unseren neugierigen Blicken und waren dennoch etwas verlegen, weil wir nicht wussten, wie wir ihr helfen konnten, damit sie sich besser fühlte. Wie sollten wir auch? Wir waren sechs Fremde und immerhin waren wir hier, weil wir ihre Geschichte hören wollten. Aber bereits bei ihrem ersten Wort, war uns allen bewusst, dass diese zu erzählen, für sie nicht einfach war. Neben uns stand eine blaue Pinnwand, auf die ihr Name gesteckt war. Ein weiterer Zettel mit dem Wort ‘Syrien’, noch ein Zettel mit der Zahl ‘21 Tage’, direkt darunter die Aussage ‘zu Fuß’ angepinnt. Ich hatte keine Ahnung gehabt, an welchen Tisch ich mich gesetzt hatte, da die Pinnwand in meinem Rücken stand und ich mich nach dem Motto ‘Ich lass mich überraschen’ an einen beliebigen Tisch gesetzt hatte. Und ich war bei einem bezaubernden Mädchen gelandet, die nicht alltäglicher hätte wirken können und sich entschlossen hatte, mit uns in einen Dialog zu treten. Uns, den Neugierigen, die keine Ahnung davon hatten, was es bedeutete, davon zu erzählen. “Wir schliefen fünf Tage in einem Wald. Von dort zu Fuß weiter, dann ein Stück mit dem Bus, zum Meer und dann mit vierzig Leuten in ein Schlauchboot. Wir kamen in Griechenland an und wurden von dort nach Deutschland gebracht.” Sie stolperte immer wieder über die Worte, hielt manchmal unvermittelt an und wir sahen das Trauma in ihren Augen, dass sich in jedem kurzen Satz verbarg und sie beinah in Tränen ausbrechen ließ. Sie legte den Zettel nieder und ein Lächeln zuckte über ihre Lippen. Wir durften Fragen stellen.
     “Du hast gesagt, ihr habt fünf Tage im Wald übernachtet. Wovon habt ihr gelebt?”
    Sie sieht mich kurz an. “Es war schrecklich.” Mit diesen Worten, würde sie noch öfters auf Fragen antworten. “Es war Winter und wir hatten nichts.”
     “Keine Decken?”, hakt ungläubig ein junger Mann nach.
     “Nein. Wir hatten nur unsere Jacken.” Sie zieht eine imaginäre Jacke zu. “Es war sehr kalt und ein paar Afghanen brachten uns am Tag etwas zu Essen und zu Trinken. Wir hatten ein bisschen Geld. Sonst nur unsere Kleidung.”
     “Hattet ihr Zelte?”
     “Nein, wir haben unter freiem Himmel geschlafen. Es war sehr kalt.” Hinter jedem Satz, den sie sprach, schien sich eine Geschichte hinter ihren Augen abzuspielen, die wir nicht immer bereit waren, weiter zu hinterfragen, wenn wir merkten, dass sie nicht in der Lage war, das Trauma über ihre Lippen zu bringen. Wir merkten es jedes mal, wenn sie einen Satz mit leiser Stimme sprach und dann kurz die Augen schloss, weil sie in einer immer noch spürbaren Angst versank.
     “Ihr wart mit vierzig Leuten auf einem Schlauchboot? Wie seid ihr da ran gekommen?”
     “Es gab immer jemanden, der uns gesagt hat, wo wir hin müssen, wenn wir weg wollen. Zwei Männer haben gerudert. Kurz vor Land ist das Boot untergegangen. Es war Nacht. Es war ziemlich schrecklich. Ich und meine Mutter, waren die Ältesten auf dem Boot. Und dann waren da noch meine kleinen Geschwister.”
     “Ach du scheiße.” Ich flüstere die Worte, kann mein eigenes Entsetzen nicht unterdrücken, weil ich in ihrem Gesicht, die Panik von damals ablesen kann.
     “Hast du den Bürgerkrieg in Syrien wirklich mitbekommen oder habt ihr das nur in den Nachrichten gehört?”
    Die Frage scheint sie sichtlich zu irritieren. “Ja, der Krieg war da.”
     “Direkt bei dir in der Straße?”
    Sie begreift nach einen Moment, worauf die Frage des jungen Mannes abzielt.
     “Ja, die Leute hatten immer Angst, weil jederzeit Bomben vom Himmel fallen könnten und Schüsse fielen.”
     “Hast du Menschen sterben sehen?” Die Frage, die jeder auf den Lippen trug, aber nur einer wagte auszusprechen.
    Erneut nickt sie. “In meine Schule sind Leute reingekommen. Sie sahen aus wie vom Militär. Und dann haben sie geschossen.”
     “Weißt du wer das war?”
    Sie schüttelt den Kopf. “Ich weiß es nicht.” Es scheint aber auch keine Frage zu sein, die sie sich je gestellt hat. Ein paar der jungen Leute sind in Schweigen versunken und finden keinen Mut weiter nachzuhaken, weil jede Frage ein schreckliche Geschichte als Antwort zu beinhalten scheint.
     “Willst du wieder zurück nach Syrien?”
     “Ja.” Es war eine schnelle Antwort und sie lächelt. Sie kann auch nicht wirklich sagen, warum sie zurück will. Aber zum ersten Mal leuchteten ihre Augen. Alleine die Vorstellung, eines Tages zurück in ihre Heimat zu kehren, machte sie glücklich. Das sahen wir alle.
    Unangenehm schallte eine Glocke, die eine Pause ankündigte und bedeutete, dass wir uns an einen anderen Tisch setzen sollten. Wir fühlten uns nicht in emotionalen Spinnweben gefangen, sondern hatten das fremde Gefühl, Wissen vor uns sitzen zu haben. Keine ausartenden Adjektive, keine bewusst gewählten Worte, die einer Färbung entsprachen, keine Bewertung von richtig und falsch. Nur eine wahre Geschichte, die jedes Klischee über eine Flucht zu beinhalten schien, ohne in irgendeiner Weise klischeehaft ausgeschmückt worden zu sein. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte und die Ruhe, die in meinen Gedanken herrschte, war erstmalig. Es gab keinen Standpunkt zu vertreten. Es gab nur noch die Pflicht den Kopf zu neigen und Danke zu sagen.

    Dies war ein Projekt von Auszubildenden als FaMIs (Fachangestellte/-r für Medien- und Informationsdienste). Es stand unter dem Motto “Lebendes Archiv” und dazu waren Flüchtlinge geladen, um mit Schülern in einen Dialog zu treten. Ich bin zwar kein FaMI, aber jeder der sich auf einer Liste eingetragen hatte und somit einen Platz ergattert hatte, durfte daran teilnehmen.
    Wir lesen vermutlich alle viel, schauen Videos, lauschen den News im Radio. Wir bedienen die Suchanfrage im Internet, weil wir so hoffen die Wahrheit in der breiten Masse der Ergebnisse zu finden.
    Ich habe festgestellt, dass diese Dialoge mit Fremden, eine Art der Wissensbereicherung für mich waren, deren Ehrlichkeit nur in einem Dialog mit Fremden in einer kleinen Gruppe entstehen kann. Kein Moderator, der das Gespräch lenkt. Kein Journalist mit einem Tonband, auf der Suche nach der Wahrheit. Kein Lektor, der langweilige Sätze streicht, weil er an die Klickzahlen denken muss. Und auch die freie Nacherzählung von mir, kann diesen Dialog nicht einfangen.
    Ich möchte nur die Wissensdurstigen unter uns aufrufen, dass wenn ihr die Möglichkeit habt, in ein Gespräch mit einem Lebenden Archiv zu treten, ihr gefälligst euren Arsch vom Sofa schwingt.

    Vielleicht habt ihr dergleichen auch schon mitgemacht und hattet eine ähnliche Erfahrung?
    Es war auf positive Art seltsam und schien sich, für mich, nicht richtig in Worte einfangen zu lassen. Daher hatte ich vermutlich den Drang, einen Teil davon niederzuschreiben. Falls etwas total verwirrend ist, dürft ihr mir das gerne auch mitteilen. Wink

    Gibt es Fremde, mit denen ihr euch gerne einfach mal unterhalten möchtet? Die ein Wissen / eine Geschichte haben, von der ihr das Gefühl habt, dass diese nur in einem Gespräch vermittelt werden kann?
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    Beitrag von _Mishra am Mo Dez 02, 2019 2:01 am

    Hi Smile

    Interessant, dass ich dieses Thema so lange übersehen habe. Surprised

    Deine Nacherzählung allein hat schon eine immense Kraft in sich. Es liest sich bisweilen bedrückend, wenn man sich vorstellt, wie die Frau von dem erzählt, was sie durchlebt hat. Die Situation, anderen vom eigenen Leidensweg zu berichten. Und im nächsten Schritt das Bewusstsein, dass das tatsächlich passiert ist. Und immernoch und immer wieder passiert.

    In jedem Fall ist das ein spannendes Projekt gewesen. Und ich finde, dass sich die Kernaussage des Ganzen gut mit unserem Forum vergleichen lässt. Im Grunde geht es doch darum, einen anderen Blickwinkel zu erleben, oder nicht? Hier stellen wir unsere eigenen Texte zur Schau und hoffen, dass ein Anderer, der nicht blind für die eigenen Mängel ist, diese sieht und uns das aufzeigt, was wir nicht mehr sehen. Wir suchen also einen anderen Blickwinkel auf das, was wir tun.
    In diesem Projekt habt ihr einen anderen Blickwinkel auf das Leben bekommen. Auf die Welt, wie sie in anderen Augen zu sehen ist. Und letztendlich lässt sich das auf jeden Menschen anwenden, der uns tagtäglich über den Weg läuft. Wir kennen die Geschichte des anderen nicht.
    Mir kommt dieser Gedanke in der letzten Zeit relativ häufig. Ich arbeite in Hamburg in der Nähe vom Hauptbahnhof. Dort und auch in der Bahnfahrt zur Arbeit sehe ich viele Obdachlose. Manche wirken einfach wie Pechvögel, andere sind derart gezeichnet von ihrem Leben, haben Verletzungen, sind mehr oder minder offensichtlich auf Drogen oder sonst irgendetwas. Immer wieder keimt in mir die Frage auf, wie es dazu gekommen ist, dass diese Menschen sind, wo sie sind. Was ist in ihrer Vergangenheit passiert? Haben sie sich für ein Leben auf der Straße entschieden oder ist etwas passiert, dass sie dazu gezwungen hat? Und ich würde wohl gerne ihre Geschichten hören, wenn ich mich nur trauen würde, mal zu fragen.
    Ein anderer Blickwinkel. Ich kenne nur mein Leben. Meine Startsituation und was bis heute passiert ist. Aber von sonst niemandem.

    Solche Sachen werden in der Regel mit negativen Erfahrungsberichten n Verbindung gebracht. Wie bei dir die Flüchtlinge oder bei mir die Obdachlosen, von denen man wissen möchte, wie es war oder wie es dazu kommen konnte oder wie es jetzt ist. Auf der einen Seite hofft man vermutlich auf eine positive Wendung der Geschichte. Als Autoren jagen wir nach einem guten Ende und die Möglichkeit, dass es nicht dazu kommt, ist unangenehm.
    Ich denke, man kan sich bei dergleichen immer die Frage stellen, was man für sich persönlich aus der Geschichte lernen kann. Hört man Leuten zu, deren Leben aus viel Leid bestand und die kaum positives zu berichten haben, dann lernt man, wie Schmerz zu ertragen ist. Ganz salopp ausgedrückt.
    Fragt man einen glücklichen Menschen, oder erfolgreichen, wie sein Weg ausgesehen hat, warum er jetzt dort ist, wo er ist, kann man ganz andere Dinge lernen. Vielleicht eine Blaupause für ein glückliches Leben.
    Das ist dann auch eine Frage der persönlichen Einstellung. Sieht man sich den Leidensweg anderer Menschen an, erscheint das eigenen Leben doch gar nicht so schlecht und man ist womöglich zufriedener mit dem, was man hat. Sieht man sich hingegen Menschen an, die mehr haben, als man selbst, dann spornt das doch an und man versucht sich daran zu orientieren und mehr aus sich zu machen.
    Vermutlich ist es gesund beides wahrzunehmen. Nach oben zu streben aber gleichzeitig die Demut zu lernen, mit weniger zufrieden zu sein.

    Vor vielen Jahren habe ich ganz zufällig ein Gespräch mit meiner Großmutter gehabt. Ich habe sie nach ihrer Jugend gefragt und wie ihr Leben damals war. Ich war jung und das Gespräch recht oberflächlich, aber ich erinnere, dass sie mir davon erzählte, wie sie ins Kino ging, um Nachrichten zu sehen. Ich fand ihre Erzählung spannend. Es war anders zu ihrer Zeit, aber irgendwie sind Menschen doch immer gleich. Die Erkenntnis hat mir überrascht, aber auch amüsiert und ich habe es sehr genossen mit ihr zu reden.
    Erstaunlicherweise war es das einzige Gespräch dieser Art, dass ich mit ihr hatte. Der Zusammenhalt bei uns war nicht sehr stark, eines kam zum anderen und inzwischen sind meine Großeltern alle verschieden. Ich habe keine Möglichkeit mehr zu fragen, wie sie ihre Jugend verbacht haben. Was sie dachten, als der Krieg ausbrach. Wie sie flüchten konnten und was sie auf ihrem Weg gesehen und erlebt haben. Ich weiß nicht mal, wo sie geboren wurden. Ich weiß im Grunde nichts über ihr Leben. Obwohl genug Zeit war, danach zu fragen. Ich weiß, dass ich damals zu jung war, um es zu begreifen. Dennoch gehört das zu den Dingen, die ich heute schon bereue, nich getan zu haben. Dass ich niemals gefragt habe.

    Auf der anderen Seite geht es doch aber bei den eigenen Eltern schon los, oder nicht? Wie viel weiß man über die eigenen Eltern? Da bin ich vermutlich auch eher ein Extrem, aber wisst ihr, wie eure Eltern zu irer Jugend waren? Was für Klamotten sie getragen haben, oder wie sie Tchernobyl erlebt haben. Meine Mutter erzählte mal, dass es zu der Zeit hieß, Kinder sollten nicht draußen im Sand spielen, weil man Angst vor der sich ausbreitenden Strahlenwolke hatte. Scheint mir jedenfalls nicht sonderlich geschadet zu haben. Smile
    Aber da geht es schon los. Welche Geschichten können einem die eigenen Eltern erzählen?
    Und welche Geschichten können wir irgendwann oder jetzt schon unseren eigenen Kindern erzählen?
    Oder was wurde schon erzählt? Wir tragen ja alle Wissen mit uns herum und sind selbst ein lebendes Archiv.

    Im restaurant haben wir einen Auszubildenden und ich merke, wie ich ihm das ein oder andere mitteilen möchte. Informationen geben, die ich gerne früher gehabt hätte. Und ich ertappe mich dabei, wie ich anfange zu schwafeln. Beweisstück A ist dieser Text. ^^" Aber er hört geduldig zu und denkt sich seinen Teil. Mehr will ich ja gar nicht.


    _______________________________________________________________________________________________________________________
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    und nirgends ist ein Tor hinaus.
    - aus "Ich bin derselbe noch", Rainer Maria Rilke, 1901
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    Beitrag von uhdrapur am Mo Dez 02, 2019 8:23 am


    “Okay.” Zwei knappe Silben, die jetzt schon zitterten. Sie hob ein kariertes Blatt Papier an, das von oben bis unten mit der blauen Farbe eines Kugelschreibers beschrieben war. Sie nestelte nervös an dem Papier, ehe sie ihre Stimme wieder fand. Leise begann sie eine Geschichte auf einer Sprache vorzulesen, die sie bis vor drei Jahren noch nicht sprechen konnte.


    “Der Krieg brach aus. Und wir wussten, dass wir weg mussten. Sonst würden wir alle sterben.”


    Ihre Stimme versagte und sie hielt sich eine zitternde Hand, wie beiläufig an die Stirn, um einen Moment durchatmen zu können.
    Was hat die Hand an der Stirn mit der Fähigkeit zum durchatmen zu tun?


    Wir alle durchbohrten sie mit unseren neugierigen Blicken
    Perspektive?


    Aber bereits bei ihrem ersten Wort, war uns allen bewusst, dass diese zu erzählen, für sie nicht einfach war.
    Den Satz könnte man etwas entschachteln


    Neben uns stand eine blaue Pinnwand, auf die ihr Name gesteckt war. Ein weiterer Zettel mit dem Wort ‘Syrien’, noch ein Zettel mit der Zahl ‘21 Tage’, direkt darunter die Aussage ‘zu Fuß’ angepinnt. Ich hatte keine Ahnung gehabt, an welchen Tisch ich mich gesetzt hatte,
    Oben schreibst du, dass er gekommen war, um ihre Geschichte zu hören. Auch wenn das jetzt im Folgenden geklärt wird, lässt es den Leser zunächst stutzen ... ->>


    ‘Ich lass mich überraschen’ an einen beliebigen Tisch gesetzt hatte.
    <<... aber es wird ja nicht geklärt


    Und ich war bei einem bezaubernden Mädchen gelandet, die nicht alltäglicher hätte wirken können
    enweder "Frau" und nicht "Mädchen", oder "das" und nicht "die" - egal, was die Frauenbewegung dazu sagt  pirat


    Uns, den Neugierigen, die keine Ahnung davon hatten, was es bedeutete, davon zu erzählen.
    Perspektive! Auktorial, oder personal - weiß der Prota, was in den Köpfen dern anderen Anwesenden vorgeht?


    “Wir schliefen fünf Tage in einem Wald.
    Dichte Wälder gibts in Syrien und im Grenzgebiet selten, vielleicht Olivenhaine


    “Es war Winter und wir hatten nichts.”
    Wie sieht er denn aus, der Winter in Syrien? Laut Diagramm in Wikipedia - hab es grad angesehen, ist Januar der kälteste Monat mit tags 12 und nachts 4 Grad, wenn man richtig Pech hat. Ok, das reicht, ab 6 Grad kann man mit etwas Pech erfrieren. Ich würd es aber dennoch etwas überarbeiten. Das hier ist nicht Grönland, sondern die Steinwüste von Nahost.


    Afghanen brachten uns am Tag etwas zu Essen und zu Trinken.
    Wie kommen Afghanen nach Syrien, und woher weiß sie, dass es keine Syrer waren? Mongolen? Eskimos? Kleien grüne Männchen von Antares?


    Es war sehr kalt.
    grrrrr


    Hinter jedem Satz, den sie sprach, schien sich eine Geschichte hinter ihren Augen abzuspielen,


    die wir nicht immer bereit waren, weiter zu hinterfragen, wenn wir merkten, dass sie nicht in der Lage war, das Trauma über ihre Lippen zu bringen. Wir merkten es jedes mal, wenn sie einen


    Es war ziemlich schrecklich.
    Der Satz auch :-)


    Mut weiter nachzuhaken, weil jede Frage ein schreckliche Geschichte als Antwort zu beinhalten scheint.
    Meine Meinung (und nur die): Die Stimmung würde viel bedrohlicher wirken, wenn du auf die vielen Adjektive und Adverbien wie "schrecklich" verzichtet. Lass lieber das Gesagte wirken. Es reicht doch, wenn du schreibst: "An Bord waren auch meine Kleinen Geschwister. Als ich an Land war ..." Ende und Beginn des Kopfkinos. Da schreibst es war kalt. Jetzt ist sie nass. Pitsch Nass. Wäre DAS nicht DER Moment, die Kälte zu erwähnen? Lass doch ihre Mutter hier erfrieren ... Indem sie ihrer Tochter ihre letzte Körperwärme gibt.


    zurück in ihre Heimat zu kehren, machte sie glücklich. Das sahen wir alle.
    Unangenehm schallte eine Glocke, die eine Pause ankündigte und bedeutete, dass wir uns an einen anderen Tisch setzen sollten. Wir fühlten uns nicht in emotionalen Spinnweben gefangen, sondern hatten das fremde Gefühl, Wissen vor uns sitzen zu haben. Keine ausartenden Adjektive, keine bewusst gewählten Worte, die einer Färbung entsprachen, keine Bewertung von richtig und falsch. Nur eine wahre Geschichte, die jedes Klischee über eine Flucht zu beinhalten schien, ohne in irgendeiner Weise klischeehaft ausgeschmückt worden zu sein. Ich wusste nicht, was ich erwartet hatte und die Ruhe, die in meinen Gedanken herrschte, war erstmalig. Es gab keinen Standpunkt zu vertreten. Es gab nur noch die Pflicht den Kopf zu neigen und Danke zu sagen.
    Schade, jetzt geht es los mit Tell



    Ich habe festgestellt, dass diese Dialoge mit Fremden, eine Art der Wissensbereicherung für mich waren, deren Ehrlichkeit nur in einem Dialog mit Fremden in einer kleinen Gruppe entstehen kann. Kein Moderator, der das Gespräch lenkt.
    Braucht es das wirklich? Bis hierher hat die Geschichte super gewirt, hat mich gebannt, ich habe die Bilder gesehen. Ab hier muss ich mich zwingen fertigzulesen.

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