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    Übung: wertender Dialog

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    Susanne Gavenis
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    Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Susanne Gavenis am Fr Apr 20, 2018 1:45 pm

    Übung B)


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Drachenprinzessin am Do Jun 14, 2018 7:39 pm

    Mich beschleicht so langsam das Gefühl, dass diese Leserunde auch fast auf "lustiges Warten auf Fred" umbenannt werden könnte (wo ist eigentlich der Rest, der sich bisher eher mager beteiligt hat?). Ich würde ja gern noch mehr zu dieser Leserunde beisteuern, aber aus Gründen, die ich rein gefühlsmäßig schon viel zu oft breitgetreten hab, kann ich das leider nicht. Deswegen hab ich mich dazu entschieden hier mal meinen Text zu Übung B) einzustellen, den ich eigentlich nicht vorzeigen wollte, weil er doch arg von meiner Angst getrieben ist, mich bald Nichtmusikern und generell Menschen aussetzen zu müssen, die glauben sie wüssten wie die Welt funktioniert, aber noch nie ein Instrument in den Händen gehalten haben bzw. gar nicht alles wissen können weil das einfach unmöglich ist. D.h. wenn ich mit meinem Kontrabass den musikalischen Weg beschreite, auf den ich gerade zusteuere.
    Ich hoffe der Text ist nicht zu arg stereotyp.


    Krea schrieb hastig etwas auf ihr Tablet. Die Zeit rannte ihr davon und sie wollte diese Sache beenden before Theodor in dem kleinen, gemütlichen Café ankam. Einen Moment später schloss sie die Datei und stellte ihr tablet auf stand by. Gerade noch rechtzeitig. Theodor erreichte das Café nur einen Moment später, das helle Gelb seines T-Shirts und seine stylische kurze Hose stachen in den verschiedenen Brauntönen des Cafés und seiner generellen antik-artigen, rostigen Atmosphäre hervor. Sogar aus der Ecke, in der Krea saß, konnte sie ihn sehen. Sie war nicht im Geringsten überrascht. Theodor liebte es hervorzustechen wo immer er hin ging. Sie konnte die Umhängetasche, die er für gewöhnlich trug, nicht sehen und die Art und Weise wie er in der Tür stand, Blick gelangweilt durch den Raum streifend, deutete irgendein Gepäck an, was nur bedeuten konnte…
    Er hatte sie gesehen bevor sie ihm zuwinken konnte und einen Moment später stand er an ihrem Tisch, ein Arm um sein Cello Case und ein vorgetäuschtes Lächeln auf den Lippen. „Versteckst Du dich vor mir?“
    „Nein tu ich nicht. Ich möchte einfach nicht da sitzen, wo mich all diese selbsternannten Hipster sehen können. Du weißt, dass ich keine Schönheit bin.“ Sie beobachtete wie er eine der Stühle beiseite schob, sein geliebtes Cello an dessen Platz stellte und es vorsichtig gegen den Tisch lehnte. Was bedeutete, dass das Instrument im Case war. Natürlich. Sie war dennoch froh, dass er sein schwarzes Cello Case gewählt hatte und nicht das übliche leuchtend pinke. Dann setzte er sich auf den Stuhl neben seinem Cello, ihr gegenüber, und legte eine kleine Umhängetasche neben die Speisekarte an der Seite des Tisches. Kein Wunder, dass Krea es nicht vorher gesehen hatte. Es war so gelb wie seine Kleidung und wirklich wirklich klein.
    „Selbsternannt?“ Er zog eine Braue hoch, sein Ton etwas amüsiert. „Ich dachte dies wär eins dieser Cafés wo Du und deine Gang für gewöhnlich abhängt. Es dauerte sogar etwas bis ich es gefunden habe.“
    „Ich und meine Gang?“ fragte Krea, Ton ungläubig. Seit wann hatte sie eine Gang?
    „Na ja, diese komischen Typen mit denen Du rumhängst. Soweit ich mich erinnere habt ihr alle erst als Erwachsene angefangen eure respektiven Instrumente zu lernen und nun wollt ihr sogar aus den Genres „ausbrechen“, in denen eure jeweiligen Instrumente gespielt werden. Klingt ganz nach einer Gang für mich“, sagte Theodor mit einer Freundlichkeit in der Stimme, die unüblich für ihn war wenn er dieses Thema zur Sprache brachte. Was genau war sein Plan? Before sie ihn fragen konnte, unterbrach die Kellnerin sie um ihre Bestellungen aufzunehmen. Eine heiße Schokolade für sie und einen weißen Tee für ihn, den er zögernd wählte nachdem er erfahren hatte, dass dieses Café nicht diese Teemix Getränke servierte, die derzeit so in Mode waren.
    „Hast Du mich deswegen gebeten mich mit dir zu treffen?“
    „Natürlich nicht! Ich habe etwas sehr wichtige, dass ich mit dir besprechen muss.“ Seine Augen glühten mit der Neugier derer, die gerade eine wichtige neue Entdeckung gemacht haben.
    „Du hast meine ganze Aufmerksamkeit.“ Sie hatte noch immer ihre Zweifel, aber sie war gewillt ihm eine faire Chance zu geben. Als er sie heute morgen angerufen hatte und sie darum gebeten hatte sich zu treffen, hatte her sich sowohl glücklich als auch verzweifelt angehört. Das hatte ihr Interesse geweckt sich überhaupt mit ihm zu treffen.
    „Dein Vater ist Banker, richtig? Ich hab mich gefragt ob er mir bei einem musikalischen Projekt aushelfen könnte. Es ist nichts wirklich ausgefallenes. Rock trifft auf Barock…“
    „Das ist mein Onkel.“
    „Was?“ Theodor‘s erwartungsvoller Blick wurde zu einem verwirrten.
    „Mein Onkel ist der Banker.“ Du liebe Güte, wann würde er sich endlich dazu herablassen sich das zu merken?
    „Oh richtig.“ Er kratzte sich die Wange, doch bevor er den Typen spielen konnte, der sich für sich selbst schämte weil er sich so einen plumpen Fehler erlaubt hatte, rettete die Kellnerin Krea‘s Nerven indem sie ihre Bestellungen brachte. Krea nahm sich die Zeit ihr zu danken währen Theodor zu ihrer Unterhaltung zurückkehrte als ob nie was gewesen wäre.
    „Ich werfe sie immer durcheinander. Sie sind Zwillinge, nicht wahr?“
    „Sind sie nicht.“ Krea knirschte mit den Zähnen. Sollte sie jetzt gehen? Ne, es wäre eine Schande so eine leckere, leckere Schokolade zu verschwenden.
    „Wie auch immer“, Theodor sprach weiter als ob er ihren Einwand nicht gehört hätte, „ich brauche ein neues Instrument für dieses Projekt. Eins das die Klasse und Verspieltheit der Barockmusik besser herausbringt. Ich habe mir schon den perfekten Geigenbauer ausgesucht, aber seine Instrumente sind nicht billig.“
    Hatte sie richtig gehört? Er wollte ein anderes Cello? Er verehrte sein derzeitiges Cello seit dem Tag an dem er es zuerst gesehen hatte. Obwohl … könnte es auch eine andere Erklärung dafür geben. „Willst Du ein anderes Cello oder eine Viola da Gamba?“
    „Eine was?“ Der dümmliche Ausdruck auf seinem Gesicht war zu lustig. Sie musste ihr Gesicht in ihrer Tasse verstecken um ihr Lächeln zu verstecken.
    „Eine Viola da Gamba. Ein Saiteninstrument, das im Spanien des 15. Jahrhunderts entwickelt worden ist und welches bis zum 19. Jahrhundert regelmäßig gespielt worden ist, wenn ich mich richtig erinnere. Sie wird mit einem Bogen gespielt, ähnlich wie ein Cello, aber der Bogen wird auf eine andere Art und Weise gehalten. Es gibt ein paar Barock Komponisten, die mit dem Instrument im Kopf komponiert haben. Deswegen dachte ich, Du könntest solch ein Instrument wollen.“ Krea ließ den letzten Satz mehr als Frage im Raum stehen.
    Theodor schaute sie einen Moment argwöhnisch an. „Das hast Du dir gerade ausgedacht, nicht?“
    „Warum sollte ich? Nur weil Du noch nicht von etwas gehört hast, bedeutet es nicht, dass es nicht existiert. Falls Du dich jemals dazu herablassen könntest es nachzugucken, würdest Du herausfinden, dass die Viola da Gamba im 20. Jahrhundert von Gemeinschaften neu belebt worden ist, die sich exclusive darum kümmern die verschiedenen Formen dieser Instrumentenfamilie zu fördern. Du würdest auch viele Youtube videos finden in denen verschiedene Menschen verschiedene Arten der Viola da Gamba Familie spielen“, sagte sie ihm wütend, halb erwartend dass er behauptete, sie hätte all diese Videos gefälscht.
    Statt dessen ballte er die Hände zu Fäusten und entballte sie wieder während sein Blick so viel Wut ausstrahlte, dass er damit Löcher in ihren Schädel hätte bohren können. „Du machst dich doch nur über die schwierige Entscheidung lustig, die ich treffen musste. Die Entscheidung meinen Schatz zurückzulassen. Aber ich denke das ist etwas, dass so jemand wie Du, der erst im Erwachsenenalter angefangen hat ein Instrument zu lernen, niemals verstehen würde. Leute wie Du haben einfach keine Bande zu ihrem Instrument. Du hast keine Ahnung wie schwer es ist sein Instrument in einem zarten Alter zu erlernen.“
    Vertrau Theodor, dass deine Wut sich niemals zerstreuen lassen würde. Warum redete sie überhaupt mit ihm? Ach ja. Er war der Schwiegersohn ihrer Tante und er kannte seine Frau Stephanie seit der weiterführenden Schule. Technisch gesehen war er Familie. Sie würde niemals vor ihm davon kommen, dennoch würde sie diese katastrophalen Neuigkeiten nicht ihre Realität dominieren lassen.
    „Wenn Du meine Hilfe willst, musst Du ein wenig netter sein“, warf Krea ihm vor den Kopf, dann nahm sie einen Schluck von ihrer Schokolade. Das wundervolle Aroma umarmte sie wie ein Balsam.
    Seine Augen fixierten sie wie ein Habicht seine Beute. „Nett? Zu dir? Ist es nicht richtig, dass Du mit deinem Kontrabass in einer Metal Band spielen möchtest? Er behandelte die Worte „Metal Band“ als ob sie mit Säure ummantelt wären. „Keine vernünftige Person würde jemals daran denken so etwas zu tun. Das tiefste Saiteninstrument in zeitgenössischer Musik ist das Cello. Akzeptier das endlich!“ Da war ein bedrohlicher Glanz in seinen Augen der sie schlucken ließ. Sie hasste es, wenn er sich so verhielt.
    „Wenn Du so unbedingt Kontrabass spielen möchtest“, sprach er weiter ohne ihr eine Chance zu geben etwas zu erwidern, „gibt es sehr viel Musik, die man im Orchester oder in einer Jazz Formation spielen kann, obwohl für dich beide Gruppierungen exklusiv aus Menschen wie dir bestehen müssten, die erst im Erwachsenenalter ihr Instrument erlernen.“ Ein verhöhnendes Lächeln spielte auf seinen Lippen.
    „Ich mag klassische Musik, aber in einem Orchester zu spielen ist nicht das wofür mein Herz schlägt und Jazz ist nicht mein Ding. Du solltest das aber mittlerweile wissen. Wir kennen uns beide lang genug“, sage Krea, Ton ernst und Stimme fest. Sie wollte ihm nicht zeigen wie sie darüber dachte.
    Nicht dein Ding?“ Theodor schrie beinah. Es war ein Wunder, dass die meisten anderen Gäste sie ignorierten. „Du hast dir dieses Instrument ausgesucht, nun spiel die Musik, die natürlicherweise damit gespielt wird!“
    Er konnte sie nicht einschüchtern. Sie würde es nicht zulassen, dass er sie einschüchterte. „Und das Cello wird natürlicherweise in Rock als auch Barock Musik gespielt, ja?“
    „Das Cello wird natürlicherweise in viel breiterem Kontext gespielt als es für den Kontrabass jemals möglich wäre.“ Er lehnte sich vor. „Sicherlich noch weniger wenn er in Standardstimmung gestimmt ist. In Solostimmung erinnert er einen immer an ein Cello, das zu tief gestimmt worden ist. Oder warum denkst Du, dass man immer mehr Kontrabassisten findet, die einen 5-Saiter mit einer hohen C Saite anstatt einer tiefen H Saite spielen? Kannst Du wirklich so blind sein und nicht den versteckten Kontext sehen?“
    „Du scheinst zu vergessen, dass es Menschen brauchte, die außerhalb der gut besuchten Pfade dachten, um es für Instrumente wie das Cello, die Bratsche oder auch die Violine möglich zu machen außerhalb der musikalischen Kontexte gespielt zu werden, in denen sie „natürlich“ gefunden wurden.“ Sie nahm einen letzten Schluck von ihrer Schokolade. „Und da Du so redest, gehe ich mal davon aus, dass Du dieses Darlehen nicht brauchst.“
    Er hob eine Braue und schaute zu wie sie aufstand und ihre Umhängetasche nahm als ob er nicht wirklich verstehen würde was vor sich ging. Natürlich tat er das nicht. Aus seiner Sicht hatte er ihr gerade einen guten Rat gegeben. Aber als sie den Tisch umrundete und ihn ein letztes Mal anstarrte, weiteten sich seine Augen mit Überraschung und plötzlicher Erkenntnis.
    Krea lächelte als sie hinaus in die geschäftige Stadt ging, die von der Sommersonne noch belebt wurde. Theodor würde sie so schnell nicht mehr nerven.



    Was haltet ihr von den Charakteren?
    Sind die Namen zu arg unkreativ?
    Ist mir die Aufgabenstellung gelungen?


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von CheshireCat am Fr Jun 15, 2018 10:17 am

    Hallo!
    Ich bin's wieder und habe irgendwie das Gefühl, ich stoße zu einer bereits bestehenden Runde. Ist sie geschlossen? Ich will nicht stören, aber da es weiter oben hieß, die Mitglieder würden etwas nachlassen, mache ich mal mit und hoffe, dass es passt.
    Wenn nicht, einfach sagen.

    Die Aufgabenstellung habe ich auch nicht mitbekommen, aber "Wertender Dialog" und dein Beispiel, Drachenprinzessin, sprechen für sich.
    Danke, dass du einen Text beigesteuert hast, auch wenn du dich nicht mit ihm wohl fühlst. Ich werde versuchen, dass die Kritik daran ein Gewinn für dich ist.

    Zu deinen Fragen:
    Was halte ich von den Charakteren?
    Die Frage finde ich etwas schwierig, weil ich nur bewerten möchte, wie ein Charakter dargestellt ist, wie seine Ausprägung bei mir ankommt, und nicht, was für eine Sorte Charakter du gewählt hast. Das steht mir nicht zu.

    Also, zu der Frage: Krea
    "Krea" ist für mich jetzt ein charakterisierender Name gewesen und war für mich die Abkürzung von Kreativ. Das passt insofern für mich, als sie eindeutig als Gegenspieler zu Theodor gestaltet ist (Dazu gleich mehr). Der Dialog charakterisiert sie als jemanden, der eigene Wege mit einem Kontrabass geht und sehr kreativ mit ihm umgeht, auf eine lebendige Art und Weise. Im Kontrast mit Theodor sehe ich sie als jemanden, der Blendwerk durchschaut (Tee als Trendgetränk, Hipster, krasse Farben), und selbst das Echte in sich und ihrer Umgebung sucht.

    Theodor
    Für mich kommt klar heraus, dass er nur Fassade ist. Sein wahrer Charakter kommt nicht zum Tragen, alles ist Masche und Blenden. Ein typischer Soziopath, der Beschämung vortäuscht, wenn sie sozial angebracht ist. Beim Lesen befällt mich die Frage, ob er zu Liebe fähig ist. Seine eigenen Familienbande sind ihm nicht wichtig (Krea weiß genau, wer er in ihrer Familienstruktur ist, er hat keine Ahnung, wem die Bank gehört), und die einzige Leidenschaft kommt auf, als er Hass äußert. Noch dazu ist dieser Hass nicht einmal durch Schaden an ihm selbst motiviert, sondern er hasst grundsätzlich, weil das in sein Weltbild eben an der Stelle passt. Typisch narzisstisches Verhalten, typisch Soziopathisch. Er frisst Aufmerksamkeit und will den Kontakt zu Krea nur, um ein neues Cello zu bekommen, vielleicht ein Versuch, sich selbst die Unabhängigkeit der Liebe zu seinem Instrument zu beweisen.
    EDIT: Mir fällt noch ein, dass er als Kind unter dem Instrument-Erlernen gelitten hat und nun auf alle herabsieht, die das nicht haben, als wäre das irgend etwas Erhöhendes.

    Sind die Namen zu unkreativ?
    Nö. Ich meine, was willst du machen, es gibt nicht so viele Möglichkeiten. Krea, die Kreative gegen Theodor, die Liebe Gottes, der selbst so strahlt, dass er keinen braucht, den Blender? Passt.

    Ist dir die Aufgabenstellung gelungen?
    Noch wertender geht kaum. Also für mich (ohne die Aufgabenstellung genau zu kennen, sollte sie über den Titel hinausgehen) total gelungen.

    Ich möchte dir an dieser Stelle fast mein Beileid aussprechen. Du hast bestimmt jemanden in deinem Umfeld, der so ist, oder hattest mal jemanden, weil ich wenige kenne, die das derart treffen. Du Arme. So einen hatte ich auch mal ... in meinem Umfeld ... furchtbar ... und dann denkt man manchmal, aus reinem Selbstschutz, die hätten recht, einfach, damit dieser Irrsinn im Kopf aufhört. Zum Glück trifft man die in Reinform sehr selten. Die meisten Leute wissen, was Liebe und Kreativität ist und kommen nur mal vom Weg ab, finden aber wieder hin.

    Ich wünsche dir viel Glück und Spass auf deinem Kontrabass-Weg! Mögest du niemand solches treffen, sondern Liebe erfahren  


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Susanne Gavenis am Fr Jun 15, 2018 1:29 pm

    Hallo Drachenprinzessin und CheshireCat!

    Die Leserunde besteht zwar schon seit Ende April, ist aber nicht in dem Sinne geschlossen, dass niemand, der vorher nicht lautstark seine Teilnahme bekundet hat, dabei mitmachen könnte. Falls ihr euch wundert, dass ich ebenfalls in der letzten Woche hier nichts mehr geschrieben habe (z.B. auf eure Beiträge zum Thema "figurennahe und figurenferne Beschreibung"), möchte ich sagen, dass ich mich bewusst erst mal zurückgehalten habe, um zu schauen, was noch von anderen Teilnehmern der Leserunde oder interessierten Mitlesern für Kommentare und Gedanken kommen. Es wäre mir z.B. ein wenig blöd vorgekommen, meine Impulsfrage mit dem Stephan Waldscheidt-Zitat sofort, nachdem zwei Kommentare dazu eingetrudelt sind, selbst lang und breit zu kommentieren, weil das eine mögliche Diskussion eher abgewürgt als angeregt hätte (nach dem Motto: Susanne hat eine Frage gestellt, upps, Susanne hat ihre Frage ja schon beantwortet, dann ist das ja abgehakt).

    Aber mir scheint, dass im Augenblick sowohl für die Leserunde als auch für das Forum allgemein die Saure-Gurken-Sommerzeit angefangen und die Motivation, irgendwo Beiträge zu schreiben, momentan etwas nachgelassen hat. Aber wie bereits vor anderthalb Monaten gesagt - die Leserunde hat weder eine feste Teilnehmerbegrenzung noch einen fixen Termin, an dem sie geschlossen wird. Von daher vertraue ich geduldig darauf, dass das Interesse an den Themen dieser Leserunde bald wieder auffrischt und wieder vermehrt Beiträge geschrieben werden.

    Deinen Text, Drachenprinzessin, werde ich mir auf alle Fälle am Wochenende genauer anschauen, weil ich dann mehr Zeit habe. Ich bin schon sehr gespannt!


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Gotthelf am Fr Jun 15, 2018 8:11 pm

    Zwischen Studium, Tutorjob, Nachhilfe, den Arbeiten an unserem Debütalbum, Fitness und - vor allem- der Arbeit an meinem Roman bleibt mir momentan nicht allzu viel Zeit, mich um das Forum zu kümmern... Ich lese mit, aber in der Schreibwerkstatt hab ich schon lang nicht mehr kommentiert ( gut, das hat mehrere Gründe) Von daher werde ich bei den Übungen vermutlich nicht mitmachen, außer ich kann eine Romanszene speziell dafür konzipieren...


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Susanne Gavenis am Sa Jun 16, 2018 12:26 pm

    @Drachenprinzessin: Interessant! Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben mal ein Streitgespräch lesen würde, bei dem es um Musikinstrumente geht.

    Wenn ich mir die verschiedenen Wertungen, die du deine beiden Figuren während des Dialogs vornehmen lässt, genauer anschaue, muss ich sagen, dass du viele gute und aussagekräftige Wertungen in deine Szene eingebaut hast, die deine Figuren jeweils auf eine bestimmte Weise charakterisieren und den Konflikt anheizen.

    Ein starker Fokus liegt hierbei auf den Gedanken, die du Krea in Bezug auf Theodor denken lässt. Wenn Theodor mit einem vorgetäuschten Lächeln auf den Lippen an ihren Tisch herantritt, ist das eine klare (in diesem Fall negative) Wertung, die Krea in ihren Gedanken vornimmt und die sowohl zeigt, was Theodor für ein Mensch ist, als auch etwas über die Beziehung aussagt, die Krea zu ihm hat (denn da sie sich dieses vorgetäuschten Lächelns bewusst ist, beeinflusst es auch die Art, wie sie ihn sieht und im Verlauf des Dialogs auf ihn reagiert).

    Theodor wiederum wertet Kreas Sitzplatzwahl mit seiner Frage "Versteckst du dich vor mir?" ebenfalls negativ und bringt dadurch sofort Konfliktstoff in den Dialog. Außerdem enthält diese negative Wertung (auch wenn sie SCHEINBAR humorvoll gemeint war) ebenfalls eine Aussage über die Beziehung zwischen ihm und Krea, da eine kleine, aber dennoch für den anderen deutlich wahrnehmbare Spitze darinsteckt, die ihn zwingt, sich zu verteidigen oder zumindest zu erklären.

    Eine weitere Wertung nimmt Theodor vor, indem er Kreas "selbsternannt" in amüsiertem Tonfall wiederholt und dabei eine Braue hochzieht. Auch hier ist seine Wertung sowohl durch das, was er sagt, als auch durch die Art seiner Körpersprache negativ, was noch durch "du und deine Gang" verstärkt wird. Auch durch diese Wertung wird Krea gezwungen, sich zu verteidigen (was sie auch tut, indem sie ungläubig fragt: "Ich und meine GANG?"). Auch ihre Frage und ihr Unglauben ist eine Wertung, mit der sie auf Theodors Wertung reagiert. Sowohl Theodors Verhalten als auch Kreas Antwort darauf bewegen den Konflikt weiter vorwärts.

    Eine weitere Wertung nimmt Krea vor, als sie auf Theodors Aussage, dass er etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen habe, zwar sagt: "Du hast meine ganze Aufmerksamkeit", danach aber denkt: "Sie hatte noch immer ihre Zweifel". Auch diese gedankliche negative Wertung charakterisiert ihre Sicht auf Theodor und sagt etwas über die Beziehung zwischen beiden aus.

    In der Sequenz mit dem Vater-Onkel-Banker-Missverständnis stecken gleich mehrere Wertungen. Zum einen wertet Theodor, indem sein Blick von einem erwartungsvollen zu einem verwirrten wird, als Krea ihn mit "Das ist mein Onkel" korrigiert, und er "Was?" fragt. Damit rahmt er Kreas Aussage negativ wertend ein, was indirekt etwas über die Selbstverständlichkeit aussagt, mit der er wichtige Informationen über die Mitglieder seiner Familie bisher ignoriert hat (eine positive Wertung wäre es z.B. gewesen, wenn sich Theodor auf Kreas "Das ist mein Onkel" verlegen lächelnd an die Stirn geschlagen und - aufrichtig - gesagt hätte: "Mein Gott, stimmt ja! Was bin ich nur für ein Schussel! Wie hältst du es nur ständig mit mir aus, Krea?"). Die begriffsstutzige - und in ihrer Begriffsstutzigkeit durchaus unverschämte - Reaktion, die Theodor in dem Dialog offenbart, liefert hingegen weiteren Konfliktstoff, was sich sofort darin zeigt, dass Krea sie in Gedanken mit "Du liebe Güte, wann würde er sich endlich dazu herablassen, sich das zu merken?" kommentiert. Sowohl das "Du liebe Güte" als auch das "herablassen" sind negative Wertungen, die Krea vornimmt, und beide sagen wiederum etwas über die Art der Beziehung aus, die sie mit Theodor hat.

    Auch die Formulierung "doch bevor er den Typen spielen konnte, der sich für sich selbst schämte, weil er sich einen so plumpen Fehler erlaubte" ist negativ wertend in Bezug auf Kreas Sicht auf Theodors Charakter und hält den Konflikt zwischen ihnen am Laufen. Ebenso wertend ist Kreas Reaktion auf seine Frage "Sie sind Zwillinge, nicht wahr?" (mit der er seinem unverschämten Desinteresse an den Menschen seiner Familie noch ein weiteres Mosaiksteinchen hinzufügt), als sie antwortet: "Sind sie nicht", daraufhin mit den Zähnen knirscht und sich fragt, ob sie jetzt gehen soll. Damit nimmt sie eine klare negative Wertung seines Dialogbeitrags vor (was den Konflikt wiederum befeuert).

    Theodor wiederum wertet ebenfalls negativ, indem er auf ihre (wiederholte) Korrektur lediglich sagt: "Wie auch immer" und weiterspricht, als hätte er ihren Einwand nicht gehört, und sofort seine Forderung nach dem neuen Instrument zur Sprache bringt (statt in irgendeiner Form positiv wertend zu zeigen, dass ihm seine Gedankenlosigkeit und sein Desinteresse unangenehm sind). Auch diese negative Wertung, mit der er auf Kreas Dialogbeitrag reagiert, sagt indirekt etwas über seine Persönlichkeit aus (und zwar nichts Gutes).

    Auch die Formulierung "Der dümmliche Ausdruck auf seinem Gesicht war zu lustig" auf seine Frage "Eine was?" ist ein negativ wertender Gedanke Kreas, der ihre Sicht auf Theodor und seine Gesprächsbeiträge deutlich macht. Deutlich wertend ist die Stelle, wo Theodor auf eine Aussage Kreas die Fäuste ballt und sie wieder entballt, während sein Blick so viel Wut ausstrahlt, dass er damit Löcher in ihren Schädel hätte bohren können. Diese Wut zeigt klar, was er von Kreas Äußerung hält und wie er sich dazu stellt. Auch verbal wertet er Kreas Standpunkt negativ, indem er ihr vorwirft, keine Ahnung zu haben, wie es ist, ein Instrument nicht erst im Erwachsenenalter zu erlernen. Diese Passage befeuert den konflikthaften Gesprächsverlauf durch die aufeinander bezogenen Wertungen der Figuren deutlich.

    Dass auch die Wahl von Sprachbildern und Metaphern positive bzw. negative Wertungen transportiert, zeigt sich in der Formulierung: "Er behandelte die Worte "Metal Band", als ob sie mit Säure ummantelt wären". Diese Metapher ist ja im Grunde nichts anderes als ein bildhafter Ausdruck für Kreas Empfindungen bzw. die Sichtweise und den Charakter Theodors und werten sowohl diese Sichtweise als auch seine Persönlichkeit negativ. In dieselbe Kerbe schlägt er auch verbal, indem er sagt, dass keine vernünftige Person jemals daran denken würde, so etwas zu tun - womit er Kreas Einstellung deutlich negativ wertet und sich auf eine bestimmte Weise dazu stellt. Dass Theodor schließlich beinahe schreit: "NICHT DEIN DING?", zeigt sowohl durch das Beinahe-Schreien als auch durch das Kursive, dass er Kreas Äußerungen negativ wertet.

    Insgesamt finde ich, dass du durch die ganzen Wertungen, die du deine Figuren im Verlauf des Dialogs vornehmen lässt, den Konflikt zwischen ihnen auf eine gute Weise anheizt und am Laufen hältst. Vieles von diesen wertenden Beschreibungen mag auf den ersten Blick banal oder selbstverständlich erscheinen, ich denke aber, dass man eine Menge davon lernen kann, wenn man seinen Blick einmal auf solche eher unauffälligen Aspekte von Texten richtet, die man als Autor oft ohne groß zu überlegen in seine Szenen einbaut und die man als Leser normalerweise einfach überliest. Aber auch dann entfalten sie auf der unbewussten Ebene m.E. sehr wohl ihre Wirkung und entscheiden mit darüber, ob man als Leser eine Szene oder einen Dialog langweilig findet oder ob er einen packt. Unter diesem Aspekt finde ich deine Übung gut gelungen.


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Drachenprinzessin am Sa Jun 16, 2018 7:44 pm

    Erst mal Danke für die vielen Rückmeldungen!

    Aber mir scheint, dass im Augenblick sowohl für die Leserunde als auch für das Forum allgemein die Saure-Gurken-Sommerzeit angefangen
    Bitte entschuldigt falls ich jemanden beleidigt habe, das war nicht meine Absicht! Ich habe leider noch so viel Negativität in mir, dass ich es schnell auf meine Kappe nehme, wenn etwas nicht so gut läuft. Für mich ist es schon ein enormer Fortschritt überhaupt an dieser Leserunde teil zunehmen, da hätte ich vielleicht schon erkennen müssen, dass der erste Rückschlag nicht lange auf sich warten lässt

    CheshireCat schrieb:Ich bin's wieder und habe irgendwie das Gefühl, ich stoße zu einer bereits bestehenden Runde. Ist sie geschlossen?
    Das ist keine geschlossene Runde, wie Susanne bereits gesagt hat Wink Die Aufgabenstellung ist übrigens aus ihrem Ratgeber entnommen, deswegen wird sie hier nicht explizit erwähnt Wink

    CheshireCat schrieb:EDIT: Mir fällt noch ein, dass er als Kind unter dem Instrument-Erlernen gelitten hat und nun auf alle herabsieht, die das nicht haben, als wäre das irgend etwas Erhöhendes.
    Eigentlich war es so gemeint, dass Theodor herausstreichen wollte, wie sehr er als Kind "leiden" musste weil er nicht wie die anderen Kinder hemmungslos spielen konnte (er hätte das Spielen auch einfach sein lassen können wenn es ihn wirklich so sehr gestört hätte). Andererseits möchte er sich selbst auf ein Podest stellen, weil es gesellschaftlich anerkannt ist, dass jemand, der als Kind ein Instrument gelernt hat, dieses automatisch auch viel besser spielen kann und damit als Musiker "mehr wert ist" als jemand, der erst im Erwachsenenalter damit angefangen hat.
    Es freut mich übrigens, dass Theodor aber auch Krea so rübergekommen sind, wie sie wirken sollten Bei Krea hast Du mit der Namensdeutung recht, allerdings hatte ich Theodor von Theorie abgeleitet

    CheshireCat schrieb:Du hast bestimmt jemanden in deinem Umfeld, der so ist, oder hattest mal jemanden, weil ich wenige kenne, die das derart treffen.
    Ich hab tatsächlich jemanden in meiner Familie, der so ist. Hab aber den Kontakt so weit reduziert wie es eben geht (ganz abbrechen geht leider nicht weil da noch zu viel dranhängt), weil mir diese Person einfach nicht gut tut. Allerdings ist die "Cello ist das tiefste Streichinstrument in kontemporärer Musik" aus einem Musikerforum, indem ich mich mal angemeldet hatte in der Hoffnung mehr Hilfe/Input zu Musiktheorie und spielen in einer Band zu bekommen (ich hatte damals in einer Band gespielt, in die mich mein damaliger Kontrabasslehrer reingequatscht hatte). Ich glaube ich war ganze drei Tage in diesem Forum, weil die einzige Rückmeldung, die ich von verschiedenen Usern bekommen hatte war, dass, wenn ich den Kontrabass so unbedingt als Melodieinstrument spielen möchte, doch bitte in der Klassik bleiben sollte weil das Cello ja das tiefste Streichinstrument in kontemporärer Musik wäre. Die User haben sich schon freundlich ausgedrückt, versteh mich nicht falsch, und ein User hat sogar versucht mich mit Hilfe von Links zu Videos dazu zu überreden seine Meinung zu teilen, dass ein gezupfter Kontrabass doch auch ganz toll wäre. Ja, bestimmt, ist nur halt nicht meine Vision vom Kontrabass.

    Vielen Dank auch für die lieben Wünsche! Und ich hoffe, Du bist deinen Soziopath mittlerweile losgeworden


    Susanne Gavenis schrieb:@Drachenprinzessin: Interessant! Ich hätte nicht gedacht, dass ich in meinem Leben mal ein Streitgespräch lesen würde, bei dem es um Musikinstrumente geht.
    Es gibt für alles ein erstes Mal Wink

    Susanne Gavenis schrieb:Insgesamt finde ich, dass du durch die ganzen Wertungen, die du deine Figuren im Verlauf des Dialogs vornehmen lässt, den Konflikt zwischen ihnen auf eine gute Weise anheizt und am Laufen hältst.
    Vielen Dank dafür!  sunny Aber auch dafür, dich so ausführlich den einzelnen Wertungen zu widmen! Übrigens finde ich sind es gerade die banalen/selbstverständlichen Wertungen, die am meisten hängen bleiben und am direktesten wirken weil sie vom Leser quasi automatisch verstanden werden, ohne dass er/sie sich großartig darüber Gedanken machen muss. Ich hatte versucht bewusst mehr davon einzusträuen. War das vielleicht zu viel? Zu negativ?


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Gotthelf am So Jun 17, 2018 12:28 am

    Theodor heißt übrigens "Gottesgeschenk" und nicht "Liebe Gottes" ... sind zwei verschiedene Dinge Wink

    Ich fand den Dialog nett zu lesen und dachte mir auch ein wenig wie Susanne: Worüber man sich alles streiten kann


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Susanne Gavenis am So Jun 17, 2018 10:41 am

    @Drachenprinzessin: Was denn für ein Rückschlag? Kann ich nirgendwo erkennen! Du hast doch lediglich deine Meinung geäußert und dabei auch nichts "auf deine Kappe genommen", weder jemanden beleidigt noch unsachlich gemeckert, sondern schlicht gesagt, wie du es empfindest. Also alles komplett okay.

    Deine Wertungen in deinem Text finde ich weder zu viel noch zu negativ. Ich denke, immer dann, wenn solche Wertungen einen Konflikt zwischen bzw. in Figuren für den Leser deutlich werden lassen und diesen Konflikt über den Verlauf der Szene/des Dialogs hinweg vorantreiben, muss man sich als Autor schon anstrengen, hier über das Ziel hinauszuschießen.

    Klar, wenn man solche Wertungen in jeden einzelnen Satz einbaut, mag es irgendwann too much sein, und der Leser denkt sich: "Boah, ich hab's ja kapiert! Inge mag Peter nicht und hat ein Problem mit ihm, schon klar! Das muss ich ja nicht DAUERND aufs Brot geschmiert kriegen!" Wenn man sich das Koontz-Zitat am Anfang des Ratgebers mit Colin und Roy anschaut, sieht man ja, dass auch Koontz nicht JEDE Äußerung seiner Figuren mit irgendwelchen gedanklichen, emotionalen und körpersprachlichen Wertungen versieht, sondern oft auch für sich selbst sprechen lässt.

    In der Regel sind das dann Äußerungen von Colin oder Roy, die auch ohne eine solche angefügte Wertung bereits etwas über die Figuren aussagen (etwa wenn Roy in Bezug auf Colins Mutter fragt: "War sie nackt?" Sicherlich hätte Koontz hier auch noch hinzufügen können: "War sie nackt?" Roys Augen glänzten gierig, und ein Sabberfaden rann langsam sein Kinn hinab." In der Frage selbst steckt aber m.E. bereits eine so klare Wertung, die etwas über den Charakter von Roy aussagt, dass eine weiterführende Wertung an dieser Stelle unnötig oder sogar wirklich zu viel gewesen wäre).

    Was in meinen Augen ebenfalls zu einem Problem werden könnte, wären ZU STARKE Wertungen an einer bestimmten Stelle in einem Dialog, die den Konflikt gewaltsam heißer machen sollen, als er von seinem aktuellen Stand her eigentlich ist. Etwa wenn Krea oben in der Übung auf Theodors Frage "Versteckst du dich vor mir?" sofort gedacht hätte: "Krea hätte sich am liebsten übergeben, so sehr widerte sie Theodors ekelerregendes Grinsen an. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie hätte sich mit Zähnen und Klauen auf ihn gestürzt, um ihm seine abstoßende Visage in blutigen Streifen von seinem Schädelknochen zu reißen."

    Das wäre zwar eine ziemlich starke Wertung, die zeigen würde, dass Krea und Theodor sich nicht wirklich grün sind, würde aber den Konflikt sofort so heftig aufheizen und ein so krasses Licht auf Kreas Gefühle gegenüber Theodor werfen, dass es schwierig wäre, den Dialog noch vernünftig weiterzuführen. In solchen Fällen wären weniger, dafür aber gut platzierte und emotional dezentere Wertungen m.E. besser als ein 100-Liter-Kübel, der auf einen Rutsch über dem Leser entleert wird.


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von CheshireCat am So Jun 17, 2018 1:35 pm

    Gotthelf schrieb:Theodor heißt übrigens "Gottesgeschenk" und nicht "Liebe Gottes" ... sind zwei verschiedene Dinge Wink

    Erwischt!

    @ Drachenprinzessin: Klar, Krea und Theo! Dass ich das nicht gesehen habe! Vielleicht wäre es besser, du würdest bei Theo bleiben, statt bei Theodor, dann ist es klarer.

    Danke Susanne, dass du die Wertungen einzeln aufs Korn genommen hast. Ich muss nochmal alles lesen, aber es hat gut getan, weil eine Distanz entsteht. In diesen Text habe ich mich viel zu sehr reinziehen lassen, bin selbst emotional geworden, obwohl ich mir Mühe gegeben habe, das nicht zu sein. Jeden Abschnitt einzeln anzuschauen, bringt da was.

    Drachenprinzessin schrieb:
    Aber mir scheint, dass im Augenblick sowohl für die Leserunde als auch für das Forum allgemein die Saure-Gurken-Sommerzeit angefangen
    Bitte entschuldigt falls ich jemanden beleidigt habe, das war nicht meine Absicht!

    Das hatte doch gar nichts mit dir zu tun! Ging doch um das Sommerloch! Im Herbst ist allen wieder langweilig


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Earl Grey am Mo Jun 18, 2018 9:22 pm

    Hallo auch mal wieder von mir Smile
    Ich kann mich den anderen nur anschließen, dass es dir sehr gut gelungen ist, die Wertung im Dialog darzustellen. Hier treffen eindeutig zwei verschiedene Weltsichten aufeinander!

    Übrigens finde ich, dass Kontrabass super gut zu Rock/Metal passt


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Drachenprinzessin am So Jun 24, 2018 3:19 pm

    Gotthelf schrieb:Ich fand den Dialog nett zu lesen
    Erst mal vielen Dank für deine Rückmeldung! Meinst Du damit wirklich nett oder eher "kann man lesen, muss man aber nicht"? Theodor hatte ich übrigens von Theorie abgeleitet, aber vielleicht hätte ich, wie Cheshire Cat bereits vorgeschlagen hat, eher bei Theo bleiben sollen? Seinen Namen hatte ich übrigens zuerst, und hab mir dann ziemlich den Kopf zerbrochen weil ich keinen Namen gefunden hab, der irgendwie zu kreativ passt

    @Susanne: Danke! Smile
    Susanne Gavenis schrieb:Klar, wenn man solche Wertungen in jeden einzelnen Satz einbaut, mag es irgendwann too much sein, und der Leser denkt sich: "Boah, ich hab's ja kapiert! Inge mag Peter nicht und hat ein Problem mit ihm, schon klar! Das muss ich ja nicht DAUERND aufs Brot geschmiert kriegen!"
    Eben. Das ist als Leser unheimlich nervig. Wenn ich selber Geschichten schreibe, finde ich es ohne Rückmeldungen von außen unheimlich schwierig zu sehen, wann es zu viel ist und wann nicht.
    Was in meinen Augen ebenfalls zu einem Problem werden könnte, wären ZU STARKE Wertungen an einer bestimmten Stelle in einem Dialog, die den Konflikt gewaltsam heißer machen sollen, als er von seinem aktuellen Stand her eigentlich ist. Etwa wenn Krea oben in der Übung auf Theodors Frage "Versteckst du dich vor mir?" sofort gedacht hätte: "Krea hätte sich am liebsten übergeben, so sehr widerte sie Theodors ekelerregendes Grinsen an. Es hätte nicht viel gefehlt, und sie hätte sich mit Zähnen und Klauen auf ihn gestürzt, um ihm seine abstoßende Visage in blutigen Streifen von seinem Schädelknochen zu reißen."
    Das wäre wirklich zu viel. Außerdem wäre Krea dann auf einer Stufe mit Theodor, und das wollte ich wirklich nicht. Man sollte schon merken, dass die beiden unterschiedlich ticken und dass Theodor, obwohl er nicht auf den Kopf gefallen ist, aus einem sozialen Gesichtspunkt her nicht gerade der Hellste ist.

    CheshireCat schrieb: In diesen Text habe ich mich viel zu sehr reinziehen lassen, bin selbst emotional geworden, obwohl ich mir Mühe gegeben habe, das nicht zu sein.
    Das ist doch auch eine gute Rückmeldung! Das heißt ja soviel, dass ich einiges richtig gemacht habe, wenn es dir so schwer gefallen ist, nicht emotional zu werden, oder!? Oder ist es eher wegen schlechten Erinnerungen mit Soziopathen? Falls ja, dann tut es mir leid, dass ich dich da getriggert habe
    Das hatte doch gar nichts mit dir zu tun! Ging doch um das Sommerloch! Im Herbst ist allen wieder langweilig  
    Danke! Smile

    Earl Grey schrieb:Ich kann mich den anderen nur anschließen, dass es dir sehr gut gelungen ist, die Wertung im Dialog darzustellen.
    Danke dafür! Ist ja lustig, dass Du den Kontrabass auch passend für Rock/Metal findest Mich wundert auch, dass nicht schon viel mehr Leute auf die Idee gekommen sind, den KB auch mal in diesen Musikrichtungen zu spielen


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Gotthelf am So Jun 24, 2018 4:31 pm

    Ich bin etymologisch nicht fit genug, um zu wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen theos (Gott) und theoreo ( betrachten) gibt.

    Mit nett meinte ich, dass es eine leichte Unterhaltung ist, die auch mal zum schmunzeln anregt.

    Danke dafür! Ist ja lustig, dass Du den Kontrabass auch passend für Rock/Metal findest Mich wundert auch, dass nicht schon viel mehr Leute auf die Idee gekommen sind, den KB auch mal in diesen Musikrichtungen zu spielen
    Der Kontrabass ist ja ein sehr tiefes Instrument und diese Reichweite deckt im Metal sowohl der Bass als auch eine 7-Saiter ab. Als "riff"-Instrument wäre er dann mMn etwas redundant.
    Und wenn wir die Instrumente ansehen, die man in Rock/metal öfter findet, sprich Geige(Ne-Obliviscaris), Cello(Apocalyptica), Clarinette(Caleb Canatheviphth) oder Trompete(The butterfly effect), die werden als Soloinstrumente benutzt, und Soli sind traditionell in höheren Tonlagen angesiedelt. Die einzige mir bekannte Ausnahme ist die heutige elektronische Musik.


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Drachenprinzessin am So Jul 01, 2018 12:59 pm

    Dann ist ja gut
    Ich finde den Kontrabass übrigens nicht redundant und ich finde, dass man sich ruhig auch mal trauen kann, Solis in tieferen Lagen zu spielen. Ich will damit jetzt nicht altgediente Traditionen umschmeißen oder madig reden, allerdings kann man auch mal anderes ausprobieren Wink


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Fred Erikson am Do Jul 05, 2018 11:47 pm

    Hi Drachenprinzessin!
    Mir hat der Dialog gut gefallen und die Charakterisierung der Figuren bzw. auch der Beziehung der beiden Figuren ist dir gut gelungen.

    Was mich anfangs irritiert hat, aber nix mit dem Thema zu tun hat, waren solche Formulierungen:
    ... und die Art und Weise wie er in der Tür stand, (da fehlt mir ein "den") Blick gelangweilt durch den Raum streifend, ...

    Du hast sowas mehrfach gemacht und was soll ich sagen, gerade deshalb hat mir das dann sogar gefallen. Ich kann nicht sagen warum, aber ist so. Wink Wollte das nur mal loswerden.


    Kleinigkeit noch:
    Du weißt, dass ich keine Schönheit bin
    Das ist mir too much. Sagt man wirklich sowas zu jemandem, zu dem man kein gutes Verhältnis hat? Wirkt für mich wie: "Sieh, Leser, die Prota ist/fühlt sich hässlich!"
    Gut hätte vielleicht gepasst, wenn du beschreibst, wie sich vor dem Moment fürchtet, wenn der auffällige Theo an ihren Tisch tritt und die Blicke der anderen Gäste auf sie lenken könnte. Wenn dir wichtig ist, dass Krea sich als hässlich empfindet, könnte man das noch erweitern. Sie könnte aus der Mimik einer anwesenden Frau schließen, dass diese sich bestimmt fragt, was der Schönling mit so einer hässlichen Gans zu tun habe, oder vergleichbares.

    Wie gesagt, nur eine Kleinigkeit. Hast einen guten Job gemacht.  


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Drachenprinzessin am So Jul 15, 2018 3:21 pm

    Hallo Fred und danke!

    Was das fehlende "den" angeht, ist mir das auch beim nochmaligen Durchlesen (vorm posten) gar nicht aufgefallen

    Fred schrieb:Sagt man wirklich sowas zu jemandem, zu dem man kein gutes Verhältnis hat?
    Ich bin mir da selbst nicht sicher. Ich wollte einbringen, dass Krea etwas unsicher ist, weil sie weiß wie sehr Theo sie nicht leiden kann (ich muss leider zugeben dass meine Intelligenz in solchen sozialen Sachen leider nicht so hoch ist). Ich wollte eine "kurze" Art finden es einzubringen, weil es eben nur ein kurzer Text ist. Vielleicht hätte ich es auch einfach raus lassen sollen?


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    Re: Übung: wertender Dialog

    Beitrag von Fred Erikson am So Jul 15, 2018 8:48 pm

    Ich würde es wohl rauslassen und indirekt rüberbringen - so wie in dem Beispiel mit den Gedanken, die sie von den anderen Gästen erwartet.


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