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    3. Akt - In den Bergen

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    3. Akt - In den Bergen - Seite 8 Empty Re: 3. Akt - In den Bergen

    Beitrag von CheshireCat am Do Aug 01, 2019 10:37 am

    Lylla war früh wach und ertrug die Stille. Es war eine Sache, Ruhe zu haben. Ruhe genoss sie immer. Ruhe bedeutete, dass man anderen Lebewesen zuhören konnte, wie sie ihrem Leben nachgingen. Sie hatte Vögel zu hören erwartet, sie hatte im fernen Rauschen von Wasser ein faules Platsch vermutet, aber da war nichts. Sie bekam Gänsehaut auf den Armen und hüllte sich in ihren Mantel, um draußen zu sitzen.
    Die Tiere hielten den Atem an. Vielleicht waren sie keine Reisegruppen gewöhnt und gaben lieber keinen Laut von sich, bis sie Lylla und die anderen besser kannten. Sie selbst verhielt sich so still und atemlos, dass Valeska an ihr vorbeiging, ohne sie zu sehen. Die Kleine schien bedrückt und aus irgend einem Grund beschämt zu sein. Aus der Scheune hinter ihr kam ein Geräusch und Lylla dachte einen Moment lang, die Ursache für die Stille der Tiere gefunden zu haben: Kaebjorg schnarchte ein solides Gidwergschnarchen.
    Innerlich fühlte sich Lylla aber zu einer anderen, völlig abwegigen Begründung hingezogen; sie war sich sicher, dass die Stille mit dem Märchen zu tun hatte, an das sie am Abend zuvor gedacht hatte. Pereyas Träne, Trotz und Wut in rächender Gestalt. Sie überlegte. Vielleicht war sie selbst trotzig und wütend? Hatte sie sich nicht betrunken, weil sie sauer war? Sicherlich fand sie es nicht angebracht, sich übermäßig hilflos zu trinken, wenn Feinde einem nach dem Leben trachteten.
    Aber sie konnte keine rechte Wut aufbringen, denn Kaebjorgs Herz aus Gold schimmerte in seiner Trunkenheit hervor. Nein, dann war es vielleicht ihr Hang zur Selbstdarstellung? Sie hatte gesungen und erwartete, dass die Welt sich zu drehen aufhörte und die Monde zum Lauschen innehielten? Darüber war sie hinaus, seit sie mit 256 einen Kronleuchter zersungen hatte. Tatsächlich hatte dieser furchtbare Freund ihres damaligen Schützlings den Lüster herunterkrachen lassen, um sie zu erschrecken, aber die Lehre hatte sie ernst genommen. Seitdem war sie nicht mehr so schrecklich von sich selbst eingenommen gewesen. In der Kühle der morgendlichen Bergluft sann sie weiter nach.


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    3. Akt - In den Bergen - Seite 8 Empty Re: 3. Akt - In den Bergen

    Beitrag von Sue am So Aug 11, 2019 8:08 pm

    Kaebjorg wälzte sich auf seinem Lager herum. Wo war er? Ach ja, irgendwo in den Bergen, in diesem halben Gasthaus. Seine Blase drückte und er brauchte etwas zu trinken.
    Und es war Tag des Erwachens. Schon als Kind war er an diesem Tag immer als erster wach geworden. Aber man hatte ihn jedes Mal zurück ins Bett geschickt, bis alle wach waren.
    Auch heute lagen alle noch ruhig, und er verließ die Schlafkammer und ging zum Abort.
    Auf dem Rückweg sah er hinauf in die Berge. Sie sahen ganz anders aus als in seiner Heimat, dem Jernarim, und doch waren sie irgendwie gleich. Es waren eben Berge. Stein.
    Er wusste noch zu gut, warum er von daheim weg und Seefahrer geworden war. Plötzlich vermisste er den Sternensee.
    Nein, er war nicht gut gelaunt. Dabei war es doch ein Tag wie jeder andere, eigentlich sogar schöner! Warum machte er sich bloß diese Gedanken?
    Er legte sich zurück auf sein Lager, um nochmals einzuschlafen und hoffentlich mit besserer Laune wieder aufzuwachen.


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    3. Akt - In den Bergen - Seite 8 Empty Re: 3. Akt - In den Bergen

    Beitrag von mira-beckett am Mi Aug 14, 2019 9:48 pm

    Ava hatte wunderbar in ihrem Nest aus Heu geschlafen. Das friedliche Kauen der Maultiere hatte ihr den Weg in den Schlaf beteitet. Sie blieb liegen, als sie Kaebjorgs Schritte im Hof vernahm. Kaum war er wieder zurück ins Gasthaus gegangen, als sie vom Heuboden stieg, sich die Halme aus den Haaren kämmte und zu ihrem Maultier trat. Sie striegelte es, brauchte ihm und den anderen einen Arm voll Heu, bevor sie den Stall verließ. Sie setzte sich neben den Brunnen und sah der Sonne zu, die sich langsam über den Horizont schob. Valeska hatte gestern Abend zu viel getrunken. Wie es ihr wohl gehen mochte? Ihren Kopf wollte sie nicht aufhaben. Überhaupt mochte sie keinen Alkohol, darin war sie sich mit der Artistin einig. Warum die mit ihrem Prinzip gebrochen hatte, verstand sie nicht. Vielleicht bereitete ihr der Heiler so großen Kummer, dass sie ihn ersäufen wollte? Auf jeden Fall hatte sie die Blicke schon lange bemerkt, die Valeska Andrel zu warf. Vermutlich war nur er so unbedarft. Die Männer merkten so etwas ja meist als letzte.


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