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    Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

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    Strato Incendus
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    Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von Strato Incendus am Mi 17 Jan 2018 - 18:42

    Wenngleich diese Reihe manchmal in einem Atemzug mit dem Lied von Eis und Feuer genannt wird, eine Fernsehserie hatte, die um eine ähnliche Zeit produziert wurde, und ich auch beide Reihen über die selbe Weltbild-Serie kennen gelernt habe, so spielen Terry Goodkinds Sucher Richard und die Mutter Konfessor Kahlan Amnell doch irgendwie immer noch in der zweiten Reihe, habe ich das Gefühl. Die Fangemeinde scheint auch deutlich kleiner, dafür umso eingeschworener, und fressen dem Autor aus der Hand, egal, was er sich zwischendurch für Schnitzer leistet.

    Aber mit jedem weiteren Buch, das herauskommt, fällt der schöne Schein ein Stück weiter Smile .

    Vorweg: Ähnlich wie auch beim Lied von Eis und Feuer wurde lange Zeit ein englisches Buch immer auf zwei deutsche aufgeteilt, bis Blanvalet sie dann irgendwann neu aufgelegt hat in der Originalzusammenstellung. Um Missverständnisse zu vermeiden verwende ich deshalb hier die englischen Titel, auch wenn ich das meiste auf Deutsch gelesen habe.

    "Wizard's First Rule" gefiel mir sehr gut... naja, zumindest die erste Hälfte. Also der deutsche erste Band Smile . Ich habe lange nach dem zweiten gesucht, dann erst das englische Original in die Finger bekommen und es ab der Mitte weitergelesen, wo das andere aufgehört hatte - irgendwann bekam ich dann die Vollversion in die Hände, weiß nicht genau, wo ich dann da wieder eingestiegen bin... ob ich's noch auf Englisch zu Ende gelesen habe bzw. ob ich auf Deutsch wirklich bis zum Beginn von "Der Schatten des Magiers" (deutscher Titel für die zweite Hälfte) zurückgegangen bin und mir alles nochmal zu Gemüte geführt habe. Jedenfalls habe ich die Handlung noch relativ gut vor Augen, und auch, wenn es in der zweiten Hälfte bereits einige abgedrehte Sachen gab wie mit den Runen, die ausradiert werden müssen (und die Folterei in der Gefangenschaft, zu der diese komische Ruden-Radier-Geschichte führt), wirkte es doch in sich irgendwie rund mit der richtigen Portion an Melodrama. Anderen mag es schon im ersten Teil zu viel Gefühlsduselei gewesen sein; ich hingegen empfand damals beim Vergleich von Wizard's First Rule mit anderem, was ich bis dato gelesen hatte, dass in anderen Fantasy-Büchern die Gefühle eher zu kurz kamen.

    Das ist dann aber auch gleichzeitig das große Problem der Reihe, denn da ein zentrales Problem der Romanze am Ende des ersten Teils bereits aus der Welt geschafft ist, wirkt es so, als ob alles übrige nur nachträglich dazu erfundener "Anbau" ist. Die einzige Möglichkeit, hier wieder "Herzschmerz" aufzubauen, ist die Charaktere räumlich voneinander zu trennen, was der Autor dann auch dementsprechend inflationär macht (keine "emotionale Trennung", wohlgemerkt - Streit kriegen sie praktisch nie miteinander, denn sie müssen es ja kaum miteinander aushalten ).

    Irgendwann durchschaut man sein Rezept, das sich relativ schnell und oft wiederholt:

    • die sich liebenden Hauptcharaktere sollen möglichst wenig Zeit zusammen verbringen und ein Buch besteht eigentlich immer nur daraus, sie am Anfang zu trennen und am Ende wieder zusammenzuführen - damit sie im nächsten Band wieder getrennt werden können
    • jede Frau, die halbwegs was in der Handlung zu kamellen hat, muss per Dekret unfassbar gut aussehen
    • jeder Bösewicht ist ein totaler Sadist, der ungefähr so oft foltern und vergewaltigen geht wie andere Leute ihre Unterhosen wechseln
    • die Lakaien der Bösewichte sind genauso
    • jede Gewaltszene muss dementsprechend ausführlich und malerisch beschrieben werden
    • der Autor scheint eine fortbestehende Faszination davon zu haben, sich von Frauen versklaven zu lassen - weil es gleich zwei Frauenorden gibt (Konfessorinnen und Mord-Sith), die das können, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln. Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass die letztgenannte dieser beiden Gruppen in hautengen roten Ledersachen herumläuft und einen Stab (in der Fernsehserie eher Polizeiknüppel) mit sich herumschleppen, der "Strafer" genannt wird?
    • Prophezeiungen, so weit das Auge reicht, und magische statt banalerer, realistischer Erklärungen für alles, was passiert
    • obwohl der Hauptcharakter als sympathischer Everyman anfängt (typischer cleverer Naturbursche, dessen Adoptivfamilie vom Bösewicht getötet wird), ist er spätestens ab dem vierten englischen Band der größte Gary Stu, den ich je gesehen habe: Er ist gleichzeitig Kampfsau, Herrscher und Zauberer mit additiver und subtraktiver Magie (die meisten haben nur die additive Seite), wobei er seine magische Gabe nur dann verliert oder nicht benutzen kann, wenn es dem Autor gerade in den Kram passt. Selbst dann bleibt er aber immer noch Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Prophezeiungen, hat so viele Titel, dass selbst Daenerys Targaryen vor Neid erblassen würde ("Sucher der Wahrheit", "Lord Rahl", "Kriegszauberer", "fuer grissa ost drauka / Bringer des Todes", "Kiesel im Teich", "der Eine"...), und alle der oben erwähnten heißen Ladies, mit denen er sich umgibt, liegen ihm zu Füßen und sind ihm entsprechend loyal ergeben. Trotzdem aber bleibt er natürlich auf ewig der Dame treu, die im ersten Band schon seine Love Interest war. Und er darf auch gerne gewaltsame Taten begehen, weil er danach stets einen langen, moralisch-dozierenden Monolog aus dem Hut ziehen kann, mit dem er seine Freunde und seine Leser gleichermaßen belehrt und seine Tat rechtfertigt. Seine Gefährten dürfen an dieser Stelle seine Worte dann natürlich auch noch huldvoll abnicken.


    Ich weiß nicht, ob ihr alle wisst, was ein "Exploitation"-Film ist, aber das Schwert der Wahrheit hat sich haushoch als ein solcher in Buchform qualifiziert Smile .

    Die frei nach dem Buch gedrehte zweistaffelige Fernsehserie "Legend of the Seeker" ist dagegen richtig nett. Natürlich hält sie nicht mit Game of Thrones mit, was vor allem damit zusammenhängt, dass sie mit weitaus weniger Budget und unbekannteren Schauspielern produziert wurde. Aber die Schauspieler machen ihre Sache gut, die Chemie zueinander stimmt, es bleibt auch Zeit für Witz, wo die Buchvorlage oft einfach nur durchgehend düster ist.

    Und vor allem gibt Craig Parker (bekannt als Haldir aus dem Herrn der Ringe) dem Hauptbösewicht Darken Rahl viel mehr Persönlichkeit, als die Buchvorlage verdient hätte!
    Ich schätze, seine Rolle als Haldir dürfte auch der Grund gewesen sein, warum man sich bei Darken Rahl nicht an die Beschreibung aus dem Buch mit langen blonden Haaren gehalten hat - sonst hätten alle wohl direkt nur Haldir in ihm gesehen . Dabei macht er aus dieser flachen und eindimensionalen Charaktervorlage aus dem Buch einen der menschlichsten und dadurch zugleich coolsten und hassenswertesten Bösewichte, die ich bislang gesehen habe. Der vornehm-britisch klingende Akzent rundet das Ganze ab (wenngleich er aus Fidschi kommt; weiß nicht, ob man da so ähnlich redet Smile ). Es entsteht der Gesamteindruck eines "A****lochs mit Stil".

    Was man der Fernsehserie am ehesten vorhalten kann, ist, dass sie, weil ja pro Staffel 22 Folgen her mussten, reichlich dazu erfunden hat, was in den Büchern nicht vorkam, und dabei oftmals auf Standard-Serienrezepte zurückgegriffen wurde (zwei Charaktere tauschen den Körper; ein Charakter wird in eine rationale und eine emotionale Hälfte geteilt; oh, guck mal, jetzt gibt es von den beiden Charakteren jeweils einen Doppelgänger usw.).
    Es spricht allerdings nicht gerade für die Buchreihe, wenn selbst diese Standardrezepte mit diesen Charakteren deutlich besser funktionieren als das, was Herr Goodkind sich ursprünglich ersonnen hatte.

    Insgesamt tut es mir um die Serie leid, dass die Buchvorlage nicht mehr Substanz hatte - und dass sie im Zeitraum 2008 bis 2010 kurz vor dem Big Player Game of Thrones gedreht wurde, in die eben nicht nur zurecht viel mehr Aufwand gesteckt wurde, sondern die auch massenwirksam das alte 22 Folgen-Staffel-Konzept aufgebrochen hat. Ich glaube, mit einem 10 Folgen-pro-Staffel-Konzept hätte man auch mit Legend of the Seeker näher am Buch bleiben und gleichzeitig die schlechten und in die Länge gezogenen Passagen rauskürzen können - so, wie das auch die Game of Thrones-Autoren machen. Die Serie kam halt wirklich einfach 1-2 Jahre zu früh.

    Außerdem wirkt Legend of the Seeker, was seine "Darstellung" von Sex und Gewalt angeht, natürlich sowohl im Vergleich zu Game of Thrones als auch zur eigenen Buchvorlage einfach nur wie Disney Smile . Das hätte man, wen man sie nach GoT gedreht und damit gewusst hätte, wogegen man "anstinken" muss, sicherlich anders gemacht.

    Aber ich habe auch schon Stimmen gehört, denen Legend of the Seeker gerade deshalb besser gefällt als Game of Thrones. Nach zu viel politischen Intrigen und zu wenig Identifikationscharakteren, weil irgendwie jeder Dreck am Stecken hat, sehnen sich manche im Publikum eben auch einfach nochmal nach einer Story, wo der Gute gut und der Böse böse ist und man "die Kämpfe führen darf, die man gerne führen würde".

    Heißt ja deshalb noch lange nicht, dass der Bösewicht nicht immer noch so cool sein darf, dass es hinter ihm schneit .


    So, und nun nehme ich bereitwillig alle Strafer-Schläge von Seiten der eingeschworenen Buchfans auf mich cheers !


    Zuletzt von Strato Incendus am Di 6 Feb 2018 - 20:00 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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    Re: Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von Zauberhörnchen am Di 6 Feb 2018 - 10:46

    Hallo Strato Incendus
    Wahrscheinlich sollte ich mich gar nicht äußern ...
    Ich kenne weder Terry Goodkind (das Buch, auf das du dich beziehst) noch "Lied von Eis und Feuer", obwohl das auf meiner Liste steht.

    Jedenfalls hört sich Terry Goodkind nach guter Unterhaltung an.
    Ob man die Filme miteinander vergleichen kann - finde ich schwierig.

    Viele Grüße


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    Re: Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von Strato Incendus am Di 6 Feb 2018 - 19:56

    Das erste Buch, "Das erste Gesetz der Magie", kannst du gerne probehalber mal lesen Wink . Es fesselt einen relativ schnell und ist so weit in sich abgeschlossen, dass man sich damit nicht automatisch verpflichtet, den Rest auch noch zu lesen. Tatsächlich bin ich manchmal sogar geneigt, mir lieber vorzustellen, dass die Geschichte bereits nach diesem einen Buch endet, denn danach wurde nur noch dazugedichtet und angebaut, und entsprechend ging es mit der Qualität bergab Wink .

    Pass nur auf, dass du die neue deutsche Fassung von 2008 für so um die 10 € erwischst, mit schwarzem Cover und der Original-Illustration von Keith Parkinson drauf, welche auch auf der englischen Fassung "Wizard's First Rule" ist. Dann hast du das komplette Buch in der Hand.

    Früher wurde wie gesagt jedes englische Buch in zwei deutsche Hälften geteilt, und die erste Hälfte des ersten Buches hieß ebenfalls "Das erste Gesetz der Magie" (die zweite dann "Der Schatten des Magiers").

    Mittlerweile findet man aber in den meisten Buchhandlungen eh nur noch die Neuauflage, weil die sich mit ihrem einheitlichen schwarzen Cover auch besser nebeneinander im Regal machen Very Happy .

    mMn empfiehlt es sich, zumindest das erste Buch gelesen zu haben, bevor man die Fernsehserie schaut. Dann erkennt man gerade in der Pilotepisode vieles wieder. Danach entfernt sich die Handlung ohnehin bereits recht schnell von der Buchvorlage.

    In der zweiten Season werden dann Elemente aus späteren Büchern mit eingestreut. Die Gesamthandlung dreht sich zwar nur um den Stein der Tränen, d.h. wie das zweite Buch, allerdings werden darin geschickt Dinge wie der Maternity Spell eingebaut - der zwei Menschen aneinander koppelt, sodass alles, was dem einen passiert, auch dem anderen passiert - welcher eigentlich erst in Band 6 vorkommt.


    Zuletzt von Strato Incendus am Di 6 Feb 2018 - 20:03 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet


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    Re: Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von TKarn am Di 6 Feb 2018 - 20:02

    Strato Incendus schrieb:
    Vorweg: Ähnlich wie auch beim Lied von Eis und Feuer wurde lange Zeit ein englisches Buch immer auf zwei deutsche aufgeteilt,

    Diese Praxis wurde lange Zeit betrieben. Das schlimmste, das mir dabei passiert ist war "Dark Sun". Im englischen 5 Bände, Goldmann teilte sie wie üblich, veröffentlichte jedoch nur 6 Bände.


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    Re: Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von Strato Incendus am Di 6 Feb 2018 - 20:04

    Generell? Oder war das einfach nur so eine Unart vom Verlag Blanvalet? Wink


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    Re: Terry Goodkind - Das Schwert der Wahrheit / Die Legende von Richard und Kahlan

    Beitrag von TKarn am Di 6 Feb 2018 - 20:12

    Mir ist das bei Goldmann und Bastei vorgekommen. Aber die ganzen Drachenlanze, Forgotten Realms Bücher etc. Waren slle geteilt. Heyne hat das bei Shadowrum zum Glück nicht gemacht.


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