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    Élandor, Ghalleon & Rose

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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Incendium am Fr Dez 11, 2015 3:37 pm

    Hastig schlug Ghalleon das Flämmchen aus, die nach dem respektlosen Stoß des Magiers auf seiner Brust aufflammte. Zurück blieb ein schwelendes Loch, unter dem sein leichtes Kettenhemd zum Vorschein kam. Diese Uniform hatte ein Vermögen gekostet, aber bis auf unvermeidbares Zucken seiner Mundwinkel verbat Ghalleon sich jede Regung. Eigentlich hätte ihn dieser Angriff zum sofortigen Handeln aufgefordert, aber er wusste, dass es klüger war nun zu gehen. Dieser Zauberling würde schon sehen, wie sehr seine Gilde zusammenhielt. Auf dem Ball versammelten sich auch einige Erzmagier und durch eine kurze Unterhaltung mit ihnen würde Ghalleon schon dafür sorgen, dass ihm Stab und Robe aberkannt wurden und er fortan ein entehrtes Leben fristen müsste.
    »Nun denn«, Hob Ghalleon an und stieß diese Göre von sich, in Richtung des Jungen. Sie konnte kein Vollblut sein, dafür war sie viel zu hässlich. »Es war mir eine ausgesprochene Ehre euch kennenzulernen.« Er verbeugte sich theatralisch, spöttisch. Dann machte er kehrt und ließ seine Nadel wieder in ihrem Täschchen verschwinden.
    Der Gedanke an die traurige Zukunft dieses ahnungslosen Magiers zauberte ihm ein kleines Lächeln aufs Gesicht.


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Gotthelf am Fr Dez 11, 2015 7:25 pm

    Ohne Vorwarnung stieß der General Rose von sich, sodass sie ein paar Schritte nach hinten machen musste, um ihre Balance zu wiederzuerlangen. Dabei wäre er ihr geradewegs ins Messer gelaufen, hätte sie es nicht schnell zurückgezogen. Was für eine Lebensmüdigkeit, dachte sie. Bei dem steifen Knickser, den er in ihre Richtung tat, musste Rose jedoch lachen, die Verbeugung war an Unbeholfenheit und mangelnder Eleganz kaum zu überbieten.
    Als der Hüne sich entfernte, fuhr sie den Lehrling an:
    "Was sollte das denn? Eine Verbeugung zu verweigern ist eine Sache, jemanden in Brand zu stecken, etwas vollkommen anderes! Jetzt wird er nicht ruhen, bis er eine Möglichkeit findet, dich aus deinem Orden werfen zu lassen!" Sie musste sich beherrschen, um nicht über diese Voreiligkeit den Kopf zu schütteln.
    "Mir egal, was du jetzt vor hast, ich werde auf jeden Fall mal nachsehen, was dieser General jetzt tun wird"
    Nach diesen Worten wandte sie sich von ihm ab und ging ein paar Schritte in die Richtung, in der der Mann verschwunden war.


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Élandor am So Dez 13, 2015 7:11 pm

    Élandor ignorierte den Spott des Generals, der in seiner Verbeugung lag. Am liebsten hätte er seinen ganzen Umhang in Flammen aufgehen lassen. Das winzige Feuerchen gerade wäre in wenigen Sekunden von alleine erloschen. Als der General verschwand fuhr Rose auf einmal zu ihm herum und hielt ihm eine kleine Predigt.
    "Entschuldigt, Prinzessin, vielleicht habe ich über reagiert, aber mein Meister wird das gerade biegen. Bist du dir sicher..." Doch bevor er sie aufhalten konnte, rauschte sie dem Mann direkt hinterher, um ihn zu verfolgen.
    Kopfschüttelnd schloss er zu ihr auf.
    "Wenn er uns erwischt sind wir endgültig dran. Ich bin ehrlich gesagt nicht sehr erpicht darauf zu sterben und hier hilft meine Magie nicht mehr weiter."


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Incendium am Mo Dez 14, 2015 3:41 pm

    Der letzte Karren wurde beiseite gefahren und zwei Männer zogen einen regungslosen Körper von der Straße. Scheinbar mussten seine Männer an einem vorlauten Narren ein Exzempel statuieren, damit diese Tölpel begriffen, dass Eile geboten war. Der Trupp hatte wieder seine ursprüngliche Formation angenommen und war bereit den Weg in die Stadt fotzusetzen. Ein Diener öffnete Ghalleon mit einer einladenen Geste die Kutschentür und tat so, als würde er das Loch, was auf der Brust des Generals prangte nicht bemerken. Wortlos drückte Ghalleon ihm seinen zerstörten Mantel in die freie Hand und bedachte ihn mit einem finsteren Blick. Doch dieser dumme Lakai schien nicht zu verstehen, was Ghalleon von ihm wollte, was ihn beinahe die Beherrschung verlieren ließ. »Hol mir einen Neuen, verdammt!«, keifte er ihn an, die Rechte zur Faust geballt und bereit seine Forderung drastischer zu erläutern. Der sichtlich blasser gewordene Diener jedoch wusste, was gut für ihn war und begab sich hastig auf den Weg.
    In die Kutsche eingestiegen, war das erste, was Ghalleon erblickte, seine Gemahlin, die ihn angaffte wie ein dummer Fisch. Leider war sie nicht so stumm wie einer.
    »Was hast du gemacht? So ein Mantel kostet ein halbes Vermögen! Und keiner wusste, wo du steckst. Ich habe mir Sorgen um dich gemacht!« Ihre fiepsende Stimme stach unangenehm in seinen Ohren.
    »Formulieren wir es so:«, hob der General mit zusammengebissenen Zähnen an. »Jemand schuldet mir eine Verbeugung.«
    Seiner Frau entsprang ein ärgerlicher Seufzer, dann fixierte sie ihn mit ihren Augen, die einen ungewöhnlich finsteren - rebellischen - Glanz angenommen hatten.
    »Das schon wieder! Du bist immerzu so darauf besessen, andere zu kontrollieren - andere zu dominieren - dass du dir damit bald in dein eigenes Fleisch schneiden wirst! Unterdrückung ist nicht das einzige Mittel, das zum Ziel führt, Ghalleon. Dein Ego fixiert sich viel zu sehr auf persönliche Belanglosigkeiten und du stehst dir selbst am meisten im Weg, begreife das doch endlich mal!«
    Eigentlich müsste Ghalleon sie aufgrund dieses deratig zornigen Tonfalls schlagen. Niemand durfte sich anmaßen so mit ihm zu reden. Aber genau dieser Tonfall erinnerte ihn an seine Kindheit, ließ Bilder vor seinem inneren Auge aufflammen, in denen sein Vater sich brüllend über ihn erhob und jeden Versuch des Widerspruchs zerschlug. Dem General entfuhr ein Schnauben, mehr nicht.
    »Euer Mantel, Hochwürden«
    Die Tür war aufgeflogen und der zurückgekehrte Diener reichte demütig einen neuen makellosen Überwurf herein. Mit versteinerter Miene ergriff Ghalleon ihn, zog ihn über und schlug die Tür energisch zu.
    »Nun können wir unsere Reise fortsetzen«, notierte er emotionslos und gab mit einem Klopfer an die Kutschenwand das Signal zum Aufbruch.


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Gotthelf am Mo Dez 14, 2015 9:26 pm

    Den Radau, den das Aufgebot des Generals veranstaltete, konnte man schon von weitem hören. Man könnte glatt meinen, es sei ein pompöser Triumphzug unterwegs, dachte Rose naserümpfend. Ein Triumph der menschlichen Dekadenz, sicherlich. Sie sah sich den Tross kurz an und zählte knapp 40 Männer. Es wäre kein Leichtes, an sie heranzukommen, außer vielleicht von oben... Rose sah sich kurz die Bäume in der Umgebung und fasste dann ihren Entschluss.
    "Ich besorge mir einen Platz in der ersten Reihe", raunte sie dem Lehrling zu, der ihr gefolgt war. "Halt dich an mich, dann wird es leicht"
    Dass er ihr gefolgt war, hatte sie etwas überrascht. Aber es bewies, dass er kein übermütiger arroganter Novize war, vielleicht könnte er tatsächlich eine angenehme Begleitung sein.
    Flink kletterte sie auf einen Baum und sprang leise von Ast zu Ast, bis sie an eine Stelle kam, an der die Kutsche knapp unterhalb des Blätterdachs vorbeifahren würde. Sie umschlang mit ihren Beinen einen dicken Ast und ließ ihren Oberkörper langsam herunter. Als der Tross näherkam, merkte sie dass sie sich etwas verschätzt hatte. Sie hasste es, so klein zu sein. Langsam ertastete sie mit den Fingern die Ballustrade oben auf der Kutsche und ergriff sie, während sie gleichzeitig den Ast losließ. Die Körperspannung erlaubte es ihr, einen Moment im Handstand zu verweilen und sich langsam auf die Kutsche zu setzen, sodass niemand etwas bemerkte. Na also, war doch nicht so schwer, dachte sie und winkte dem Magier zu. Wieso laufen, wenn man gefahren werden kann?


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Élandor am Mo Dez 21, 2015 12:16 pm

    Erste Reihe, was wollte die Kleine denn jetzt schon wieder anstellen, fragte der Magier sich und hielt sich am Wegesrand im Gebüsch versteckt, während Rose einen Baum zu erklimmen begann.
    Kurz daraf saß sie auf dem Dach der Kutsche. Beinahe lautlos hatte sie sich so den perfekten Platz erschlichen. Ihr Blick blitzte vor Stolz. Ihr Winken tat Élandor mit einem Kopfschütteln ab und begann sich seinen Weg durch das Gestrüpp zu bahnen. Mit Hilfe seines Stabes schob er einzelne Äste aus dem Weg und kam mit immer mehr Übung schneller und schneller voran. Nachdem er einige Meter zwischen sich und den Tross gelegt hatte ließ er auf der gegenüberliegenden Seite des Weges das Holz verräterisch knacken. Sofort kamen die Reisenden zum Stehen und einige Männer drangen in den Wald vor. Der Magier ließ sich, dicht an den Stamm geschmiegt, den nächstgelegenen Baum empor gleiten.
    Als die Männer zurück kamen und ihre Ergebnisse meldeten setzte sich die Menge erneut in Bewegung. Wenige Minuten später fand Élandor sich neben Rose wieder.
    "Bist du total verrückt geworden?", fragte er sie entsetzt. "Ein falscher Blick nach oben und wir sind tot! Nur mal so eine Frage: Wie denkst du, soll es weiter gehen? Du kommst in die Stadt und dann? Auch meine Magie kennt ihre Grenzen."
    Der Magier wurde sich seiner Nervosität immer mehr bewusst. Erstens schloss er sich einer Unbekannten an, nur weil er auf einmal dachte, sie beschützen zu müssen und zweitens, würde er in weniger als vierundzwanzig Stunden vermutlich sterben.


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Gotthelf am So Dez 27, 2015 10:46 pm

    Bei dem Gefasel des Novizen musste Rose mit den Augen rollen. Er klang ja mehr nach einem verschreckten Huhn als nach einem Mann. Als er jedoch zu einer neuen Schimpftirade ansetzte, hielt sie ihm den Mund zu.
    "Wenn du nicht aufhörst, so herumzubrüllen, werden sie uns sicherlich entdecken", zischte sie leise. "Die Menschen sehen, was sie sehen wollen, wenn man ihnen die Wahrheit nicht gerade auf die Nase reibt. Das ist besser als Zauberei."
    Um dies zu demonstrieren, zog sie ihre Stiefel aus und ließ ihre Füße in der Luft baumeln. Keiner der Soldaten, die hinter der Kutsche hertrotteten, schien zu kapieren, dass sie auf dem Dach saß, alle starrten nur mit leblosen Blicken nach vorne.
    "Übrigens sind wir gerade auf dem Weg nach Hellstadt, das zufälligerweise meine Heimat ist. Dieser General ist wahrscheinlich Ghalleon, aus einer alten Adelsfamilie. Es soll ein Ball stattfinden,  und ich habe vor, dort auch zu erscheinen. Ah, wir kommen an."
    Sie zeigte auf die grauen Mauern vor ihnen, auf denen vereinzelt Wachen, patroullierten.
    "Reinkommen ist ganz leicht."


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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Incendium am Mo Jan 04, 2016 1:20 pm

    Die Luft im Ballsaal war übersättigt mit Duftwasser und Ghalleon hatte das Gefühl jeden Moment zu ersticken. Den Trend, sich möglichst kostspielig und pompös zu parfümieren hatte er noch nie verstanden. Für ihn gab es nur einen wahren Duft: Den des Blutes und des Schweißes - den Duft des Siegers.
    Zusammen mit seiner Gemahlin bahnte er sich seinen Weg durch den zunehmend betrunkener werdenden Hochadel, schüttelte Hände und tat so, als würden ihm die herzhaften Begrüßungen und Adligen etwas bedeuten. Dabei stets darauf bedacht nur durch den Mund zu atmen.
    Auch dieses Jahr hatte Graf Hargam keine Kosten und Mühen gescheut: Schwere weinrote Samtvorhänge schmiegten sich an die hohen, vergoldeten Fensterfassaden, kristallene Kronleuchter hingen von der Decke und an den Wänden hingen aufwendigste Wandteppiche. Das Buffet zog sich durch den gesamten Ballsaal und winkte mit exotischen Speisen, von fernen Kontinenten. Untermalt wurde das Ambiente durch Gesangseinlagen, gesungen aus den kostbarsten Kehlen des Landes, auch wenn Ghalleon keinen einzigen dieser Sänger namentlich kannte.
    Er versuchte den Hass, den er empfand, so gut es ging zu verbergen und durchforstete mit emotionslosem Blick die Menge nach dem Erzmagier. Schwer zu finden war er nicht, denn der Orden besaß strikte Kleiderordnungen und so waren er und seine Gruppe Untergebener die Einzigen, welche lange Roben trugen.
    Gerade wollte Ghalleon sich in Bewegung setzen, aber eine nur allzu vertraute Stimme hielt ihn auf:
    »Ach, der Herr General - Zu Befehl!«, mit einer gespielt überzogenen Geste salutierte Graf Hargam vor ihm. Er war schon deutlich angetrunken und Ghalleon mahlte mit den Zähnen, angesichts des mangelnden Respekts ihm gegenüber.
    »Graf Hargam«, er deutete kaum merklich eine Verneigung an und wollte seinen Weg fortsetzen, aber der Graf ignorierte seinen Versuch und redete unbeirrt weiter:
    »Ich hoffe die Reise war nicht allzu beschwerlich? Sicher nicht! Die Straßen meines Herrschaftsgebietes sind, wie bekannt im besten Zustand! Habt Ihr schon die Pirinischen Austern probiert? Sie sollten unbedingt einmal...«
    Ghalleon hörte gar nicht mehr zu und nickte nur noch automatisch. Ein Schatten auf der Galerie hatte ihn aufmerken lassen. Scheinbar könnte der Ball doch noch ein wenig interessanter werden, schoss es ihm durch den Kopf. Solche nachtblauen Haare hatte er er bisher nur einmal gesehen, und zutrauen, dass sie ihn verfolgte, würde er es der vorlauten Halbblutgöre allemal.
    Dann sah er auch noch einen Stab hinter einer Vase aufragen. Dieser Idiot nahm diesen Stock scheinbar wirklich überall mit hin.
    »...und dementsprechend halte ich es für sinnvoll, dass man durchaus mehr Frauen, als eine ehelichen können sollte, nicht wahr?« Ghalleon wischte sich den Sabber der feuchten Aussprache seines Gegenübers aus dem Gesicht bevor er antwortete: »Absolut.«
    »So kenne ich meinen General!« Dann klopfte ihm Hargam endlich viel zu freundschaftlich auf die Schulter und torkelte davon.
    Als Ghalleon nun dann noch seine Gemahlin hinfortkomplimentiert hatte, konnte er sich nun endlich von der feierwütigen Menge entfernen, hinauf auf die außer von triebgesteuerten Pärchen ungenutzte Galerie. Dort erblickte er die zwei ungebetenen Gäste hinter der Ballustrade kauernd und im flüsterton miteinander streitend.
    Eigentlich hatte Ghalleon vor sich anzuschleichen, was allerdings weniger seine Stärke war. Das hellhörige Weib bemerkte ihn beinahe sofort und wandte den Kopf zu ihm um. Auch der Novize hatte ihn nun bemerkt.
    »Verzeihung,« hob der General spöttisch an, »mir war nicht bekannt, dass ihr beiden auch auf der Gästeliste steht.«



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    Re: Élandor, Ghalleon & Rose

    Beitrag von Gotthelf am Mo Jan 04, 2016 6:54 pm

    Rose lehnte sich an die Ballustrade und blickte hinab auf die Adeligen. Irgendwie hatte sie sich mehr von diesem Abend versprochen. Wo beim letzten Mal unzählige Paare zu sanfter Musik getanzt hatten, saßen nun die meisten Männer mit jeweils zwei leichten Mädchen auf dem Schoß und lachten wie Bauerntrottel, während ihre Gemahlinnen untereinander tratschten und wie Hühner gackerten.
    Elandor hatte sie missmutig begleitet, sein Unwohlsein war deutlich zu spüren. Ständig sah er sich um, doch Rose wusste, dass er nicht einmal halb so viel mitbekam, wie sie. Die lüsternen Blicke, mit denen Viele versuchten, sie auszuziehen, nahm sie mit stoischer Ruhe hin. Das musste wohl so sein, wenn das einzige schwarze Kleid, das sie hatte, zu klein war, sodass ihr halber Rücken zu sehen war. Was sie jedoch beunruhigte, war die Tatsache, dass sie keine Waffe dabei hatte. Der Magier hatte ihr verboten, ihr Messer mitzunehmen. Der hatte es ja einfach, waren seine Waffen doch imaginär.
    Schon von weitem bemerkte sie den General, der auf sie zukam, und tippte Elandor auf die Schulter. Den spöttischen Gruß Ghalleons überhörte sie, und holte eine Einladung hervor.
    "Nun, da kann man sich täuschen, nicht, Herr General?", sie wedelte mit dem Umschlag wie mit einem Fächer und setzte ein schelmisches Lächeln auf. Wo sie die her hatte, würde sie ihm jedoch nicht auf die Nase binden. "War eure Reise angenehm?", äffte sie die Frage des Grafen nach.
    Sicherlich verlangte es die Etikette, dass sie sich verbeugte, als Mann war der General jedoch zuerst an der Reihe. Und diese Stichelei würde sie sich nicht entgehen lassen.


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