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    Rezension: Iloy - Denn er ist anders (Science Fiction)

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    Susanne Gavenis
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    Rezension: Iloy - Denn er ist anders (Science Fiction)

    Beitrag von Susanne Gavenis am Mo Nov 03, 2014 7:32 pm

    Rezension: Iloy – Denn er ist anders

    Der junge Iloy ist anders als die anderen Schüler seiner Klasse, denn er ist ein Mischling. Auf brutale Weise bekommt er Tag für Tag zu spüren, was es bedeutet, einen Menschen zum Vater und ein Alien zur Mutter zu haben. Verachtet vom Rest der Gesellschaft, leben Iloy und sein Vater nach dem Tod seiner Mutter auf dem rückständigen Kolonialplaneten Aborra. Obwohl er durch das Erbe seiner Mutter über überlegene körperliche und kognitive Fähigkeiten verfügt, versucht Iloy, alles an sich zu unterdrücken, was ihn über seine Mitschüler und die übrige Bevölkerung Aborras herausheben könnte, um nicht zum Ziel ihres Hasses und ihrer Ängste zu werden. Besonders Iloys Klassenkamerad Erren, dessen Vater - der Administrator Eranor Grosch - Aborra im Auftrag des Hohen Hauses Darelian verwaltet, lässt keine Gelegenheit aus, Iloy zu quälen und ihm seine Andersartigkeit vor Augen zu führen. Die Lage spitzt sich zu, als Laith, die Tochter des Oberhauptes der Familie Darelian, der auf der Zentralwelt Anthor einen einflussreichen Sitz im Rat innehat, als Strafe für ihren Ungehorsam von ihrem Vater für einige Monate nach Aborra geschickt wird. Dort freundet sie sich sowohl mit Iloy als auch mit Erren an. Beide sind immer weniger in der Lage, ihre Verbitterung und den Hass auf den anderen unter Kontrolle zu halten, bis Errens Eifersucht auf Iloy und sein Gefühl der Unterlegenheit die angespannte Situation so weit eskalieren lässt, dass nicht nur Iloy um sein Leben fürchten muss.

    Die Geschichte um Iloy und seinen Kampf, für sich einen sinnvollen Platz im Leben zu finden, hat mich bereits vom Titel her angesprochen – was nicht oft vorkommt. Doch der Titel allein macht schon deutlich, dass in diesem Buch die Hauptfigur mit ihren Konflikten im Zentrum stehen würde, und das ist in meinen Augen die beste Art, wie man eine Geschichte erzählen sollte. Iloy, der schon in der ersten Szene des Buches die Anfeindungen seiner Mitschüler über sich ergehen lassen muss, wird einem dabei sofort sympathisch, und man fühlt als Leser mit ihm, wenn er mit seiner inneren Zerrissenheit, aber auch mit seiner Wut und Verbitterung ringt.

    In einer unaufgeregten, aber dennoch niemals langweiligen Weise gelingt es der Autorin, dem Leser die verschiedenen Facetten von Iloys Persönlichkeit und seiner Fähigkeiten näherzubringen. Es wird mit Sicherheit Leser geben, die die starke Konzentration auf den Protagonisten als einen Mangel des Romans empfinden werden, da diese Konzentration zwangsläufig dazu führt, dass andere Aspekte der Geschichte vernachlässigt werden. So bleibt der ganze gesellschaftliche und historische Hintergrund des mächtigen Sternenreiches Anthor mit seinen feudalen Strukturen und seinen Kolonialplaneten letztlich ebenso skizzenhaft wie die Alienrasse der Ink, aus deren Volk die Mutter Iloys stammt. Das Zentrum der Handlung ist ganz klar das Dreieck Iloy-Erren-Laith, und die gesamte restliche Geschichte gruppiert sich mal mehr, mal weniger deutlich um diese Figurenkonstellation herum. Auch die aggressiven Echsenwesen, die in den Randbezirken des anthorischen Sternenreiches für Unruhe sorgen, bleiben relativ blass und haben letztlich nur die Funktion, Iloy bei ihren Auftritten zu einer konflikthaften Auseinandersetzung mit seinen Alien-Fähigkeiten zu zwingen.

    All das fällt aber für mich nicht wirklich ins Gewicht, denn jeder Autor muss bei der Planung seiner Geschichten Entscheidungen treffen, was für eine Art von Geschichte er erzählen möchte. Möchte er eine breit angelegte Space Opera mit mehreren tausend Seiten Umfang schreiben, die detaillierte soziologische Einblicke in das Gesellschaftsleben der Zukunft und tiefgehende ethnographische Studien von Alienkulturen bietet, oder will er die Konflikte einer kleinen Handvoll Hauptfiguren schildern, die sich in einem räumlich und zeitlich überschaubaren Rahmen abspielen? Beides hat unbestreitbar seinen Reiz. Wer sich also auf die Lektüre von „Iloy“ einlässt, sollte das in dem Bewusstsein tun, was für eine Art von Geschichte das Buch sein will und was für Qualitäten und Vorzüge gerade eine solche relativ eng geführte Herangehensweise an Figuren und Handlung besitzt.

    Obwohl also „Iloy“ mehr eine „kleine“ als eine opulente und ausufernde Geschichte ist, hat sie mir viel Spaß gemacht. Natürlich ist auch dieses Buch – wie alle anderen auch – nicht perfekt. So ist zum Beispiel nicht jedes geschilderte Ereignis gleich ergiebig, was die Auseinandersetzung Iloys mit seinen von seiner Mutter geerbten Fähigkeiten anbelangt, und auch der Konflikt zwischen Iloy und Erren wird nicht so stringent entwickelt, wie es sicherlich möglich gewesen wäre. Über weite Strecken nähert sich die Autorin mehr über behutsame Kreisbewegungen dem Finale der Geschichte, statt die Handlung pfeilgerade voranzutreiben. Allerdings sind diese Kreisbewegungen, d.h. die im Buch geschilderten Erlebnisse Iloys, Errens und Laiths, nicht willkürlich und wahllos, sondern kreisen letztlich alle um die Themen Andersartigkeit, Eifersucht und Angst, weshalb die Geschichte trotz nicht immer vorherrschender Stringenz im Verlauf zunehmend dichter wird.

    Schön ist auch, dass alle wichtigen Figuren im Lauf der Handlung eine deutliche Entwicklung erfahren und jede für sich Antworten auf die Fragen findet, die sie am Anfang umgetrieben haben. So ist „Iloy“ trotz der Tatsache, dass durchaus noch die eine oder andere Frage offen bleibt, am Ende eine runde Sache geworden. Die Geschichte Iloys ist erzählt, und sollte es irgendwann einmal eine Fortsetzung geben – was sehr gut möglich wäre, da gerade die Rasse der Ink in meinen Augen noch eine Menge Potential hätte – , wäre das für mich lediglich ein netter Bonus. Alles in allem hat mich die Autorin mit ihrem ersten Science Fiction-Roman neugierig auf weitere SF-Geschichten aus ihrer Feder gemacht. Da sie genau den Blick auf Geschichten und Figuren hat, den ich als Leser gerne mag, werde ich mit Sicherheit auch in ihren nächsten Roman hineinschauen.

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